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Wettbewerbsdruck : Medienstandort Hamburg: „Das geht ins Digitale“

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Der Wettbewerb am Medienstandort Hamburg verschärft sich. Engagierter denn je feilen Verlagshäuser an ihrer digitalen Zukunft. Geht die Strategie auf?

shz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 10:45 Uhr

Hamburg | Am Medienstandort Hamburg wollen Verlagshäuser 2014 mit ihren Digitalstrategien durchstarten - zumindest klingen so die Ankündigungen. Sie reichen von der engen Verzahnung zwischen Print und Online über neu gestaltete Internetauftritte bis hin zu Bezahlinhalten. Das Schlagwort „digital“ bewegt die Printbranche zwar seit Jahren, Zeitungen wie Zeitschriften sind elektronisch auf mobilen Endgeräten verfügbar und es gibt immer wieder neue Apps. Doch nun scheint der Wettbewerb nochmals Fahrt aufzunehmen.

„2014 könnte ein spannendes Jahr werden, weil alles auf Reset gestellt wird und der Neustart ins Digitale erfolgt“, sagt der Hamburger Medienwissenschaftler Prof. Stephan Weichert. „Jetzt muss geliefert werden - dieser Eindruck drängt sich auf“, beschreibt er die Lage. „Über Monate wurden Versprechen gemacht, und jetzt wartet die Branche und schaut mit Argusaugen auf die Ergebnisse.“ 

Auch der Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) in Hamburg ist gespannt: „2014 wird sich beweisen müssen, ob Ankündigungen Früchte tragen und zur Konsolidierung des Medienstandortes Hamburg führen“, sagte Stefan Endter.

Zur Ausgangslage in führenden Medienhäusern am Verlagsstandort Hamburg: 

Beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hält seit September Chefredakteur Wolfgang Büchner das Heft in der Hand, für Print und Online. Beide Redaktionen sollen enger zusammenarbeiten - der gedruckte „Spiegel“ und das Internetportal „Spiegel Online“ (Spon) aber auch jeweils klarer positioniert werden. 2014 ist der Verlag zudem damit beschäftigt, Produktion und Logistik auf den früheren Erscheinungstag umzustellen: Ab 2015 soll „Der Spiegel“ schon am Samstag statt Montag zu haben sein - und so auch die Leser mit mehr Zeit am Wochenende erreichen.

Beim Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr („Brigitte“, „Geo“) hat Vorstandschefin Julia Jäkel die Verlagsstrukturen umgekrempelt und „Communities of Interest“ ins Leben gerufen. In ihnen sollen Print und Digital enger zusammenwachsen und sich „ohne Kompromisse an den Bedürfnissen und Interessen der Leser, Nutzer und Kunden“ (Jäkel) ausrichten. „Bewegtbild, Web, E-Mags, Mobile. Wir haben es angepackt. Nun muss es darum gehen, mit Frische und Elan die digitalen Angebote zu erweitern“, sagt „Stern“-Chefredakteur Dominik Wichmann. Etwa zehn „Onliner“ will er zusätzlich anwerben. Zu seinem Bereich gehören auch „Neon“ und „Nido“, die aus München hierher verlegt werden.

Als Neuling an der Elbe agiert die Essener Mediengruppe Funke („WAZ“). Sie kann nach dem „Go“ des Kartellamtes vom Medienhaus Springer zunächst das „Hamburger Abendblatt“ mit einer verkauften Auflage von rund 200.000 Exemplaren täglich übernehmen. Es ist Teil eines 920 Millionen Euro teuren Gesamtpakets. Der Integration der Digitalaktivitäten der Springer-Titel komme eine besondere Bedeutung zu, so die Essener. Die Gruppe („WAZ“) hat für ihren Digitalbereich Manager Stephan Thurm an Bord geholt. Er sei ein „erfahrener Manager für das regionale Internet-Geschäft“.

Den Wettbewerbsdruck in der Hansestadt, wo auch die „Hamburger Morgenpost“ erscheint, erhöht die Wochenzeitung „Die Zeit“. Von Ende März an veröffentlicht sie wöchentlich auf acht Seiten das Wichtigste aus der Stadt. Und für das Internet-Angebot zeit.de will der Verlag 2014 ein Bezahlmodell einführen, Details sind noch offen. „Die Bezahlmodelle bleiben derzeit noch nebulös“, sagt Weichert. „Und sie funktionieren nur als konzertierte Aktion aller Verlage, damit es keine Ausweichmöglichkeiten für die Nutzer gibt“, warnt der Kommunikationswissenschaftler der Hamburger Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK). DJV-Mann Endter hält Bezahlmodelle nicht für eine „innovative Neupositionierung“. „Entscheidend ist, Inhalte so zu produzieren und zu präsentieren, dass sie den Nutzern differenziert - je nach Verbreitungsart - angeboten werden.“ 

Deutschlandweit hatte zuletzt eine ganze Reihe von Medienhäusern neue Varianten für das Bezahlen journalistischer Inhalte im Netz ausprobiert. Neben regionalen Verlagen setzt unter anderem auch das Medienhaus Axel Springer online auf Bezahlmodelle (unter anderem „Bild“ und „Welt“). Mit dem Kauf des TV-Nachrichtensenders N24 machte Springer auch bei den immer wichtiger werdenden Bewegtbildern für das Internet eine Ansage.

Bei der Bauer Media Group („TV Movie“) mit Stammsitz in Hamburg steht das Digitalgeschäft noch etwas im Abseits - mit drei Prozent vom Jahresumsatz (2,36 Milliarden Euro). Sie hat sich durch Zukäufe bis nach Australien ausgedehnt. „Wir glauben an die Zukunft von Zeitschriften. Wir wissen, was Menschen bewegt und berührt“, sagte Verlegerin Yvonne Bauer, Chefin über 600 Produkte in 37 Ländern.

Für Bewegung am Medienstandort Hamburg dürften 2014 auch viele andere Mitspieler sorgen: der öffentlich-rechtliche NDR, der TV-Sender Hamburg 1 und Privatradios, aber auch Internet-Firmen wie das Business-Netzwerk Xing und Google mit seiner Deutschland-Zentrale in der Hansestadt. Wissenschaftler Weichert bescheinigt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, den Standort zukunftsweisend ausgerichtet zu haben: „Das geht ins Digitale“.

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