Urteil am Landgericht : Mann muss nach Doppelmord 15 Jahre ins Gefängnis

Er wollte Geld für Drogen - und tötete dafür zwei Menschen. Das Hamburger Landgericht schickt den Angeklagten für 15 Jahre hinter Gitter.

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19. Februar 2012, 04:52 Uhr

Hamburg | Für den blutigen Doppelmord an einem Paar in einem Hamburger Wohnheim muss ein Angeklagter 15 Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht verurteilte den alkohol- und drogenabhängigen 36-Jährigen am Freitag unter anderem wegen Mordes aus Habgier - und ordnete an, dass er in einer Entzugsanstalt untergebracht werden soll. "Unbehandelt drohen weitere schwere Gewalttaten", sagte der Vorsitzende Richter. Das Gericht habe keinen Zweifel, dass es dem Mann "maßgeblich um die Beschaffung von Geld" für Rauschgift gegangen sei.
Mit einem Küchenmesser tötete der Angeklagte nach Feststellung des Gerichts im Mai 2011 zunächst einen 60-Jährigen in dem Wohnheim. Um die Tat zu verdecken, brachte er dann mit wuchtigen Stichen auch die 54 Jahre alte Partnerin des Opfers um. Der Mann war bei den Morden angetrunken und litt unter Entzugserscheinungen, wie der Richter sagte. Die Taten seien von "hemmungsloser Rücksichtslosigkeit" gekennzeichnet. Der Angeklagte bekam keine lebenslange Haftstrafe, weil sich nicht ausschließen ließ, dass er bei der Bluttat erheblich vermindert steuerungsfähig war.
"Kein menschliches Monster"
Trotz seiner Schuld sei der Angeklagte "kein menschliches Monster", betonte der Richter. Vor allem durch den langjährigen Drogenkonsum habe er aber eine "problematische Persönlichkeitsstruktur" entwickelt - besonders in Stress- und Konfliktsituationen werde er dann gefährlich. Der gelernte Schlosser und Schweißer ist wegen zahlreicher Vermögens- und Gewaltdelikte vorbestraft.
Der Angeklagte hatte den 60-Jährigen in den frühen Morgenstunden des 22. Mai 2011 in seinem Zimmer überrascht und wollte sich von ihm Geld leihen. Der Mann und seine Lebensgefährtin hatten gespart, ein Teil des Geldes lag im gemeinsamen Zimmer des Paares. Die Bewohner des Heims hätten gewusst, dass der 60-Jährige kleinere Beträge "gegen beträchtlich hohe Zinsen" verleihe, erklärte der Richter. Auch der Angeklagte hatte zweieinhalb Jahre in dem Wohnheim gelebt, bevor er in ein anderes umgezogen war.
Geständnis abgelegt, Habgier bestritten
Der 60-Jährige holte zunächst seine Geldbörse hervor, in der Scheine im Wert von 750 Euro steckten. Als der Angeklagte jedoch seine Lebensgefährtin schubste, weigerte er sich, ihm Geld zu geben.
Daraufhin nahm der 36-Jährige dem Gericht zufolge ein Messer von einem Tisch und stach mehrfach auf das Opfer ein. Der 60-Jährige sackte zu Boden und blieb auf der Geldbörse liegen. Als die Frau aus dem Zimmer floh, verfolgte der Angeklagte sie bis auf die Toilette und stach sie nieder. Sie konnte trotz ihrer Verletzungen in das Zimmer zurückkehren; dort versetzte ihr der Mann mehrere wuchtige, tödliche Stiche in den Rücken.
Der 36-Jährige hatte vor Gericht ein Geständnis abgelegt und erklärt, er bereue die Tat. Das Motiv Habgier bestritt er allerdings. Gegen das Urteil kann er Revision einlegen.

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