Fernsehköchin Cornelia Poletto : Lufthafen für atemlose Kinder

2011-04-19-lufthafen-bueh.jpg

In Hamburg ist ein Zentrum für schwerstkranke Kinder eingeweiht worden: Der Lufthafen in Altona soll Kindern mit Atemstörungen helfen.

Avatar_shz von
19. April 2011, 11:09 Uhr

hamburg | Zu selbstverständlich, um darüber nachzudenken - das Atmen. Doch es gibt Kinder, die nicht selbst Luft holen können. Ohne Apparate würden sie ersticken. Dennoch haben sie keine Lobby, weil sie so wenige sind. Rund 2000 Babys und Kinder in Deutschland können - meist wegen Muskel- und Nervenerkrankungen oder Schädel-Hirn-Verletzungen - ohne Beatmungsmaschinen nicht überleben. In Norddeutschland gibt es für diese schwerstkranken Kinder jetzt einen großen Hoffnungsschimmer - den Lufthafen. Das Behandlungszentrum mit Wohnstation wurde Montagabend am Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) eingeweiht.
Rund acht Millionen Euro kostet das Projekt. Einen satten sechsstelligen Betrag hat die Hamburger Fernsehköchin Cornelia Poletto mit weiteren Prominenten durch Benefizveranstaltungen beigesteuert. "Der Lufthafen ist für mich eine Herzensangelegenheit", sagt die Schirmherrin des AKK. Auch Moderator Carlo von Tiedemann, Tagesschausprecher Jens Riewa und mit Heinz Wehmann ein weiterer Fernsehkoch von der Elbe zählten zu den 400 Eröffnungsgästen.
Beatmungs-Ambulanz
Intensiv-Medizin, aber auch warme Farben prägen die fast private Atmosphäre in den zwölf Zimmern, in denen vielen Familien aus Schleswig-Holstein und Hamburg künftig Luft zum Atmen gegeben werden soll. Denn nicht nur für die kranken, rund um die Uhr pflegebedürftigen Kinder, auch für ihre Eltern und Geschwister ist jeder Tag eine Herausforderung. "Der Lufthafen ist auch ein geschützter Raum für Gefühle, um besser mit der Angst leben zu können", sagt Poletto. Auch mit der Angst vor dem Tod, denn einige kleine Patienten überleben ihre schwere Krankheit nicht. "Für mich sind diese Familien Helden des Alltags, die wir im AKK entlasten wollen", sagt Kinderarzt Dr. Benjamin Grolle, der in den vergangenen Jahren am AKK bereits eine in Norddeutschland einmalige Beatmungs-Ambulanz aufgebaut hat.
Zu den rund 70 jungen Stammgästen dort zählt seit Jahren die elfjährige Louisa Band, die wegen einer voranschreitenden neuromuskulösen Krankheit nur noch ihren Kopf bewegen kann. Dennoch ist sie ein lebensbejahendes Mädchen, das seinen Mund als Werkzeug zum Musizieren, Schreiben und vor allem Malen exzellent einsetzt. "Ohne das Team des AKK wäre das nicht möglich - wir sind so dankbar dafür", sagen ihre Eltern.
Für Cornelia Poletto ist die gestrige Einweihung der beste Ansporn, um weiter zu kämpfen: "Wir brauchen dringend noch mehr Spenden." Für weitere Plätze für atemlose Kinder, die keine Lobby haben.
(wer, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen