Löffelente hat keine Heimat

Löffelente fühlt sich nicht heimisch.  Foto: Archiv
Löffelente fühlt sich nicht heimisch. Foto: Archiv

13 Jahre nach der Airbus-Erweiterung ist der Wasservogel immer noch der Verlierer - jetzt an der Unterelbe

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10. April 2013, 03:59 Uhr

Hamburg | Als der Supervogel A 380 in Hamburg zur Landung ansetzte, mussten die Löffelenten im Mühlenberger Loch den Abflug machen. Vor 13 Jahren ließ der Senat die Elbbucht zum Teil zuschütten, um Platz für die Fertigungshallen des größten Passagierflugzeugs der Welt zu schaffen. Der Lebensraum des geschützten Wasservogels war verloren, die Löffelenten von Finkenwerder wurden zum Symbol im zähen Ringen zwischen industrieller Expansion und Naturschutz - und zum Verlierer.

Natürlich sollte es Wiedergutmachung geben für die Vertreibung gleich mehrerer schützenswerter Tier- und Pflanzenarten aus ihrem Paradies, das als Natura-2000-Gebiet höchsten EU-Schutzstatus genoss. Die Stadt versprach, wozu sie nach der Rechtslage ohnehin verpflichtet ist: das zerstörte Watt durch Ausgleich andernorts an der Unterelbe zu ersetzen, auf dass Löffelente und Co. dort heimisch werden.

Mehr als ein Jahrzehnt später ist das jedoch nur in Teilen gelungen. 1000 Exemplare der Entenart (lat.: Anas clypeata) sollten sich wieder ansiedeln, hieß es seinerzeit im Landschaftspflegerischen Begleitplan zur Airbus-Erweiterung. Heute räumt Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde, ein: "Wir haben etwa für 500 Löffelenten neuen Lebensraum geschaffen." Seine Begründung: "Das Ausgleichsgebiet Hahnöfersand ist in jeder Hinsicht ein Erfolg - nur nicht mit Blick auf die Löffelenten." Hamburg hatte zwei Drittel der Elbinsel auf niedersächsischem Gebiet abtragen lassen, damit sich Süßwasserwatt bildet. Das ist geschehen, Anas clypeata aber verschmäht die Insel trotzdem weitgehend. Ornithologen zählen auf Hahnöfersand bestenfalls 100 der Tiere.

Eine zweite große Kompensationsmaßnahme am nördlichen Elbufer in der Haseldorfer Marsch wurde gerichtlich gleich ganz gestoppt, eine dritte in der Hörner Au, ebenfalls in Schleswig-Holstein, ist nicht der Tide ausgesetzt und zieht ebenfalls keine Löffelenten an. Diese magere Bilanz will die Stadt nun mit einem Kniff aufbessern. Seit Mitte März ist der Holzhafen in der Billwerder Bucht als 32. Naturschutzgebiet im Stadtstaat ausgewiesen. Die 80-Hektar-Fläche wurde zudem bei der EU als Vogelschutzgebiet angemeldet. In dem Areal war 2008 der Deich rückverlegt worden, als Ausgleich für den sechsspurigen Ausbau der A 7. Tidebeeinflusste Wasser- und Wattflächen haben sich gebildet, auf denen etwa 400 Löffelenten regelmäßig rasten, dazu Krickenten und Brandgänse. Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD): "Hamburg erfüllt damit seine ausstehende Kompensationsverpflichtung für das Mühlenberger Loch in Bezug auf die Löffelente vollständig."

Genau das weisen Naturschützer energisch zurück. Laut BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch versuche Hamburg, sich mit einer "Sowieso-Maßnahme aus der Verantwortung zu stehlen". Laut Braasch stelle der Holzhafen aufgrund seiner Bedeutung für die Vogelwelt bereits ein faktisches Vogelschutzgebiet dar. "Als Ausgleich für die Zerstörung des Mühlenberger Lochs kommt er deshalb gar nicht mehr in Frage."

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