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Liberaler Zickenkrieg beendet – Hamburg soll jetzt den freien Fall der FDP stoppen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der monatelange „Zickenkrieg“ in Hamburgs FDP endet mit einem großen Knall. Die Parteivorsitzende Sylvia Canel hat während der Vorstandssitzung nicht nur ihr Amt niedergelegt, sondern auch gleich ihren Austritt aus der Partei erklärt. Die 56-Jährige will sich der in Gründung befindlichen neuen sozialliberalen Partei Die Liberalen anschließen. Damit ist die Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft Katja Suding zwar ihre ärgste parteiinterne Widersacherin los. Zugleich aber stehen die Elbliberalen nach dem Paukenschlag zur Unzeit vor einem Scherbenhaufen. Am 15. Februar 2015 wird die Bürgerschaft gewählt, dann, so FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki Anfang dieser Woche, gehe es um das Schicksal der gesamten Partei.

Canel, einst Bundestagsabgeordnete und seit zweieinhalb Jahren Chefin des notorisch zerstrittenen Hamburger Landesverbandes, begründete den Vorstandskollegen ihren Rücktritt unter anderem mit „ständigem Mobbing“ gegen ihre Person. Im Zentrum ihrer Kritik steht Suding. Die große Hoffnungsträgerin der Hamburger Liberalen hatte ihre erneute Spitzenkandidatur mit der Bedingung verknüpft, dass die Landesvorsitzende nicht für das Landesparlament antritt. Canel und ihre Getreuen schäumten, sprachen vom politischen Erpressungsversuch. Doch Katja Suding erhielt die Rückendeckung von Kubicki und des Bundesvorsitzenden Christian Lindner und ging beim Wahlparteitag im Juli als Siegerin aus dem „Zickenkrieg“ hervor.

Lindner sieht in der 38-jährigen Suding die einzige Chance, den freien Fall der Freien Demokraten zu stoppen. Ein Wiedereinzug ins Landesparlament an der Elbe, vielleicht sogar eine Senatskoalition mit der SPD, sollen zum Wendepunkt werden.

Allerdings stehen die FDP-Aktien auch in Hamburg nicht zum Besten. Bei den Bezirkswahlen im Mai kamen die Elbliberalen auf magere 3,7 Prozent.

Nach ihrem Rücktritt übte Canel scharfe Kritik am Bundesvorsitzenden. Unter Lindner gebe es einen „falschen Korpsgeist“ in der Partei. Canel: „Ich habe das Gefühl, dass man innerhalb der FDP nicht mehr frei sagen kann, was man denkt.“ Sie vermisse zudem „soziale Kompetenz und Empathie“. Die 56-Jährige will aktiv an der Abspaltung einer linksliberalen Partei mitwirken, in der sie auf frühere Weggefährten trifft. Am vorigen Wochenende hatten Canels ehemaliger Stellvertreter Najib Karim und der Ex-Wissenschaftssenator Dieter Biallas (78) angekündigt, eine sozialliberale Partei aus der Taufe heben zu wollen.

Suding reagierte kühl auf den Rückzug der Dauerrivalin. „Ich respektiere die Entscheidung von Sylvia Canel. Sie hat sich viele Jahre für die liberale Sache engagiert, dafür danke ich ihr.“ Die liberalen Frontfrauen verbindet eine verbissene persönliche Polit-Feindschaft. Canel hatte der Senkrechtstarterin 2013 den Weg zum Parteivorsitz versperrt. Der Parteivorsitz soll beim turnusmäßigen Parteitag im November neu vergeben werden. Als wahrscheinlich gilt, dass sich Suding zur Wahl stellt.

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erstellt am 02.Sep.2014 | 12:34 Uhr

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