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Hamburger Clownsschule : Lehrstunde im Lustig-Sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigentlich sind sie Architekten, Anwälte oder Lehrer. In der Hamburger Clownschule lassen sich elf Erwachsene zu Clowns ausbilden. Sie lernen die Gesten und Ausdrücke. Und das Lachen.

Hamburg | Krampfhaft räkelt die Frau sich auf dem Boden. Stöhnen. Krächzen. Dann Stille. Doch noch immer hat sie ihre rote Nase auf. Die andere Frau beugt sich runter, stößt sie an. In der nächsten Sekunde haben sie die Bühne schon wieder verlassen. Nun sitzen vier Clowns auf ihren Hockern, balancieren auf imaginären Seilen oder flirten irgendwie sonderbar miteinander. Die Gestik und Mimik immer ausdrucksstark und betont. Sie wirken sehr übertrieben, wie Kinder. Heißen Findeline, Frau Süßholz oder Pinello. In Wirklichkeit sind sie Architekten, Lehrer oder Anwälte.

Seit einem Jahr werden die elf Männer und Frauen in Sachen Clownsein geschult. „Sie kamen zu mir, weil sie mehr Lachen und Freude in ihrem Leben haben wollen“, erklärt Uli Tamm, die die Clownschule 1992 in Hamburg ins Leben gerufen hat. Im Gegensatz zu ihren farbenfrohen Teilnehmern – in bunten Ringelhosen, grünen XXL-Hosen oder pinkem Rock – trägt die Dozentin schwarze Turnschuhe, schwarze Jacke und schwarze Hose. Stärker könnte der Kontrast zu ihren Clowns nicht sein. Ein Clown ist bunt, er darf, was anderen nicht erlaubt ist. Er tut, was er möchte. Schreit, singt, tanzt, lacht, weint. Diese Befreiung wirkt nicht nur auf das Publikum, auch auf den Clown selber: er merkt, dass es nicht so schlimm ist, sich einmal gehen zu lassen. „Ein Clown spiegelt die eigene Figur“, so Uli Tamm.

Die Männer und Frauen auf der Bühne grinsen die ganze Zeit. Es ist Sonntagmittag. Seit ein paar Stunden proben drei Männer und acht Frauen das erste Mal ihre gemeinsame Show am Stück. In einigen Wochen schon werden sie alles, was sie gelernt haben, vor Publikum vorführen. Doch bis dahin ist noch viel zu tun. „Hier wäre es besser, ihr kommt von links“, ruft Uli Tamm hinter die Bühne. Dann kommen zwei Clowns hinter dem schwarzen Vorhang hervor, natürlich haben sie ihre roten Nasen auf. Sie streiten um einen schwarzen Hut. Kriegen tut ihn natürlich ein Dritter. Verdutzte Gesichter. Gelächter. So läuft das.

Eine der Teilnehmerinnen ist Christina Ocker. Seit einem Jahr ist sie jetzt mit dabei und jedes Mal aufs Neue „erschöpft und glücklich“. „Es gefällt mir, dass das Training als Clown so ein Kontrast zum Alltag ist.“ Die 56-jährige genießt das Clownsein als Hobby neben Beruf und Familie. „Das ist mein Luxus.“ Mehr aber auch nicht. Einige der Clowns machen den Kurs nicht nur für sich, sondern mit dem Ziel auch professionell als Spaßmacher auftreten zu können. Das Berufsbild „Clown“ ist ein von der Bundesagentur für Arbeit anerkannter Job, der mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Auch viele von Tamms Teilnehmern wollen nach der Ausbildung weiter als Clown auftreten, sei es bei Geburtstagen, Straßenfesten oder Partys. „Nach der Grundausbildung kann man bei uns auch eine Ausbildung zum Klinik-Clown machen“, erklärt Uli Tamm. Zunehmend finden Klinik- oder Stationsclowns Einsatz in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Sie besuchen bedürftige Menschen aller Altersstufen und lenken sie vom Klinikaufenthalt ab. „Der Clown ist Therapeut, für den, der ihn spielt und der, der ihn sieht“, erklärt Uli Tamm, die ihre therapeutische Ausbildung neuen Teilnehmern zunächst ganz gerne verschweigt. Einfach, weil es hemmt. „Wer eine Ausbildung bei mir macht, erfährt viel über sich selbst“

Über 850 Clowns hat Uli Tamm schon ausgebildet. Früher mochte sie Clowns nicht. „Die konnten nichts und stolperten ja ständig.“ Erst als die ausgebildete Schauspielerin nach 15 Jahren an Staats-, Stadt und Privattheatern einen Clown kennenlernte, stellte sie sich ihrer Herausforderung. Seit über 20 Jahren trainiert sie nun das Lustig-Sein. Und: „Mein Leben ist leichter geworden. Ich lache unglaublich viel.“ Und auch Christina Ocker ist nach elf Wochenenden Training überzeugter Clown: „Es ist etwas sehr Intensives, zu zeigen, was man fühlt.“

Info: clown.werden- die Clownschule. Infos unter Tel. 040-4204699 oder www.die-clownschule.de.


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erstellt am 27.Okt.2013 | 15:59 Uhr

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