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Thalia Theater : Leander Haußmann, Helfer in der Not

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Regisseur von "Sonnenallee" und "Herr Lehmann" hilft am Hamburger Thalia-Theater aus. Er inszeniert die Tschechow-Komödie "Die Möwe"

Genau so wird sich Lieschen Müller einen Theaterregisseur vorstellen: ganz in Schwarz mit Ausnahme eines offenen weißen Hemdes, ergraute Locken, die in den Nacken fallen, und ein etwas müdes Gesicht hinter einer großen Brille.

Leander Haußmann läuft durch die Gänge des Hamburger Thalia Theaters, irrt sich einmal in der Tür, aber das kann passieren. Schließlich ist es 13 Jahre her, dass er zuletzt an diesem Haus inszeniert hat. Damals war es „Der eingebildete Kranke“ von Molière, jetzt ist er eingesprungen und hat die Regie für „Die Möwe“ übernommen, nachdem Yannis Houvardis und das Thalia Theater sich getrennt haben. „Absolut einvernehmlich“, wie Marie Rötzer, persönliche Referentin von Intendant Joachim Lux, betont. Kein Streit, nichts. Irgend etwas habe nicht mehr recht gepasst, das passiere schon mal. Jetzt kann sie lächeln, wenn sie das sagt.

Vor vier Wochen wird die Stimmung im Intendantenbüro deutlich angespannter gewesen sein. So leicht lässt sich nun mal kein Theaterregisseur herzaubern, der gerade Zeit und vielleicht auch noch ein gutes Gespür für Tschechow hat. Nur gut, dass Leander Haußmann über beides verfügte. Der 54-Jährige hatte lange Zeit vorwiegend Filme gedreht, „Sonnenallee“ zum Beispiel oder „Herr Lehmann“, und erst im November 2013 mit „Hamlet“ am Berliner Ensemble wieder eine Theaterinszenierung übernommen. Für diese Arbeit kassierte er viel Lob, und vielleicht hat ihm das wieder Lust auf das gute alte Medium Theater gemacht, denn daher kommt er doch eigentlich. Ausgebildet noch zu DDR-Zeiten an der Schauspielschule „Ernst Busch“ arbeitete er zunächst als Schauspieler, machte sich dann aber in den 1990er Jahren mit frischen, verspielten Inszenierungen als „Enfant terrible“ der Theaterregie einen Namen.

Mit gerade mal 36 Jahren übernahm er die Leitung des Bochumer Schauspielhauses und eröffnete seine Intendanz mit Tschechows „Platonow“ unter dem Titel „Die Vaterlosen“. Sein Motto „Viel Spaß!“ machte das Feuilleton misstrauisch, FAZ-Kritiker Gerhard Stadelmaier nannte ihn „Deutschlands fröhlichste Regienull“. Haußmann hat das lässig abgepuffert, indem er in seiner Biografie „Buh!“ sehr unterhaltsam beinahe ausschließlich von Misserfolgen erzählt und Positives wie die Einladungen zum Theatertreffen ausspart.

Am Thalia Theater schätzt man seine Professionalität, vertraut seinem poetischen Gespür und war mehr als froh, als Haußmann als Retter in der Not zusagte. Grundsätzlich Eigenes wird er in diese „Möwe“ nicht mehr einbringen können: Textfassung, Ensemble, Dramaturgie, Bühnenbild, Kostüme – alles stand bei der Übernahme schon fest. Gut möglich, dass mit einem wie Haußmann, der vor Vitalität nur so sprüht, auch oder vielleicht gerade in dieser Ausnahmesituation neue Inspirationen und Energien entstehen. Auch wenn kaum Zeit da war.
 


>Premiere: 22. Februar, 20 Uhr, Thalia Theater, Alstertor 1. Weitere Vorstellungen: 23. Februar 19 Uhr, 25. Februar, 20 Uhr.
 

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