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Land setzt weiter auf Zeitverträge für Lehrer

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erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

kiel | Schwangerschaft, Elternzeit, Langzeiterkrankung: Das sind die häufigsten Gründe, die das Kieler Bildungsministerium als Grund für kurze Zeitverträge für Lehrer nennt. "Deshalb muss man sich darauf einstellen, dass das Ziel null unerreichbar ist", sagt Anke Erdmann, Vorsitzende des Bildungsausschusses des Landtags. Dennoch pocht die Grüne darauf, dass die Zahl der befristeten Lehrerverträge im Land zwischen den Meeren sinkt.

In der Regel - so bestätigt es das Ministerium - treffen die Arbeitsverträge mit Verfallsdatum Berufseinsteiger im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. "Die powern voll rein und wissen oft während der Sommerferien nicht, wie es mit ihnen weitergeht - das ist für die persönlich der Hammer", ärgert sich Bildungspolitikerin Erdmann. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses am 15. August stehe deshalb ein Antrag zum Thema mit einem Auftrag an Bildungsministerin Waltraud Wende.

Nach Einschätzung Erdmanns zeichnet sich dafür eine fraktionsübergeifende Einigkeit ab: Wende solle darlegen, welche Möglichkeiten zu einer Reduzierung der befristeten Verträge bislang noch nicht ausgeschöpft seien. Eine "strategische Personalplanung" ist für die Grünen-Politikerin nötig. Auch nicht unbegrenzt hilfreich sei die vergleichsweise neue Praxis, Zeitverträge des alten Schuljahrs zumindest bis zum 1. August laufen zu lassen. Im kommenden Jahr gehen die Ferien bis zum 23. August. "Wir müssen gucken, wie man den Umgang mit diesen Verträgen grundsätzlich optimiert bekommt", fordert die Grüne Erdmann - deren Koalition sonst nicht müde wird, von anderen Arbeitgebern faire Beschäftigungsbedingungen zu verlangen, wie zuletzt beim umstrittenen Tariftreuegesetz. Dazu entgegnet Erdmann: Kurze Zeitverträge seien "auch die Kehrseite guter Arbeitsbedingungen der regulär beschäftigten Lehrer" - nicht nur in Form von vielfach genommener Elternzeit, sondern auch von Sabbatjahren. Letzteres einzuschränken, lehnt Erdmann ab. Sabbatjahre seien eine Möglichkeit, Burnout vorzubeugen.

"Leider wenig Spielraum"


Die Zahl der befristeten Verträge im neuen Schuljahr stehe erst in einigen Wochen fest, teilte Ministeriumssprecherin Beate Hinse mit. Die Stellenbesetzungen seien noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich sei das Land aber bemüht, jungen Lehrkräften eine Perspektive zu geben. Ein Zeitvertrag sei zumindest eine Möglichkeit, sie im System zu halten.

Auch werden die Verträge nach Angaben der Ministeriumssprecherin als ein Beitrag gegen weiteren Unterrichtsausfall genannt. "Wenn irgend möglich", versuche das Land, eine Brücke in die unbefristete oder beamtete Anstellung zu bauen. "Angesichts der Haushaltslage gibt es aber leider wenig Spielraum", so Hinse. "Wir können Planstellen nicht doppelt besetzen, um die Vertretungslehrkraft über die Ferien hinweg zu beschäftigen, obwohl die Stammlehrkraft ebenfalls wieder im Dienst ist. Auch das Bildungsministerium muss zur Konsolidierung des Haushalts beitragen und in den kommenden Jahren Stellen abbauen."

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