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Abstiegskampf in Hamburg : Labbadia neuer Trainer: HSV bricht zum Kurz-Trainingslager auf

vom
Aus der Onlineredaktion

Bruno Labbadia soll jetzt den HSV retten. Er ist der vierte Trainer in dieser Saison.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 14:07 Uhr

Hamburg | Der neue Trainer Bruno Labbadia will mit einem Kurz-Trainingslager den auf den letzten Platz abgestürzten Fußball-Bundesligisten Hamburger SV wieder auf Kurs bringen. „Es gibt keine Zeit. Wir haben gesagt: Leinen los. Barrieren müssen sofort umgestoßen werden“, sagte Labbadia bei seiner Vorstellung.

Ex-Nationalstürmer Bruno Labbadia soll als neuer Cheftrainer die Torflaute beim abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten HSV beenden. Der 49-Jährige erhält nach Angaben des Clubs einen Vertrag über 15 Monate, der ligaunabhängig ist. Noch vor wenigen Tagen hatte HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer einen neuerlichen Trainerwechsel ausgeschlossen. Bis Saisonende wolle man trotz der bedrohlichen sportlichen Situation am unerfahrenen Knäbel festhalten.

Bereits am Mittwochnachmittag stand für die Mannschaft die Abfahrt nach Rotenburg (Wümme) auf dem Programm. Zuvor hatte der 49-Jährige sein erstes Training mit den Norddeutschen geleitet. Labbadia war bereits in der Saison 2009/10 Cheftrainer des HSV. Mittlerweile ist er bereits der vierte Coach der Hanseaten in der laufenden Saison und tritt die Nachfolger von Peter Knäbel an. Dieser kehrt nach nur 24 Tagen auf den Posten des Sportchefs zurück. Zuvor hatten auch Mirko Slomka und Josef Zinnbauer den HSV nicht aus dem Tabellenkeller führen können.

Labbadia  ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst. „Es ist eine Herausforderung. Das Leben ist zu kurz, dass man nur überlegt. Man muss Dinge tun, die schwierig sind. Ich habe Bock drauf.“ Seinen Einstand gibt Labbadia am Sonntag im Nordderby bei Werder Bremen.„Wir brauchen ein Erfolgserlebnis“, sagte der Coach.

 

Die zuletzt in der Öffentlichkeit vielzitierte Personalie Thomas Tuchel ist nach der Labbadia-Verpflichtung kein HSV-Thema mehr. Offenbar hatte der Ex-Mainzer zu lange mit seiner Zusage gezögert. „Wir hatten mehrere Gespräche, haben aber keine Einigung erzielen können. Darum haben wir uns entschieden, die Gespräche zu beenden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Beiersdorfer. Weil „Bild“ über die Aufgabe von Jürgen Klopp als Trainer von Borussia Dortmund berichtet, verdichten sich die Gerüchte, dass Thomas Tuchel ab Sommer neuer Trainer der Gelb-Schwarzen werden könnte.

Das „Hamburger Abendblatt“ hatte zuvor berichtet, dass der derzeit vereinslose Felix Magath bereit sei, den Tabellenletzten doch noch zum Nicht-Abstieg zu führen. Der ehemalige HSV-Spieler und -Manager soll demnach sogar bereit gewesen sein, den Verein bis Saisonende umsonst zu trainieren –  sofern er im Nichtabstiegsfall einen Anschlussvertrag erhält. Er hatte noch am Sonntag beim NDR-Sportclub nicht nur sich, sondern auch Labbadia für die Rolle als Feuerwehrmann ins Gespräch gebracht. Magath reagierte am Mittwoch bei Facebook dann auch positiv auf die Entscheidung seines Ex-Vereins: „Ich freue mich, dass die Führung des HSV sich entschieden hat und mit Bruno Labbadia doch noch einen neuen Trainer holte, der aus dem Fußball kommt und über ausreichend Erfahrung verfügt“.

Ex-HSV-Spieler Bruno Labbadia war von Saisonbeginn 2009/10 vom damaligen Sportchef Beiersdorfer als Trainer der Rothosen verpflichtet worden, der einen Monat später den Verein verließ. Mit Eddy Sözer kommt auch der Co-Trainer der damaligen Zeit zurück. Drei Spieltage vor Ende der Saison 2010/11 trennte sich der HSV von dem Trainergespann. Zuvor war der Verein vom oberen Tabellendrittel ins Mittelfeld abgerutscht. Nach seinem Rauswurf in Hamburg ging Labbadia Ende 2010 zum VfB Stuttgart, wo er im August 2013 entlassen wurde. Seitdem war der gebürtige Darmstädter, der von 1987 bis 1989 für die Rothosen kickte, arbeitslos.

Labbadia gibt sich trotz der schwierigen Ausgangslage sechs Spieltage vor Saisonschluss kämpferisch: „Ich erwarte volle Hingabe und Leidenschaft aller Beteiligten. Wir müssen uns jetzt schnell ein Erfolgserlebnis erarbeiten“, wird der neue alte Trainer der Hamburger auf der Club-Homepage zitiert - vier Tage vor dem richtungsweisenden Bremen-Gastspiel. Gemeinsam mit seinem Assistenten Eddy Sözer machte er sich am Mittwochvormittag sofort an die Arbeit. „Wir haben keine Zeit zu verschenken, werden optimal vorbereitet ins Nordderby gehen und ebenso fokussiert die folgenden Spiele angehen. Für uns zählt jeder Punkt“, betonte Labbadia.

Der in der Hansestadt lebende Fußball-Lehrer war über die Jahre mit den HSV-Oberen stets in Kontakt geblieben. So trainierte er etwa im März dieses Jahres ein „Team HSV“ beim Abschied von David Jarolim. Am Rande des Spiels wurde er ein Gesprächen mit HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer gesichtet, mit dem er früher zusammen im HSV-Dress auflief.

„Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, weil wir die Trainerfrage für die Wichtigste halten. Mit Bruno Labbadia haben wir einen starken und auch im Abstiegskampf erfahrenen Trainer geholt“, sagte Dietmar Beiersdorfer. Knäbel ergänzte: „Wir wollten unbedingt Klarheit in der Trainerfrage, die haben wir jetzt. Nun gilt alle Konzentration dem Nordderby bei Werder. Das zählt.“ Interims-Co-Trainer Peter Hermann – 2013 an der Seite von Jupp Heynckes Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern München – wird nach nur zwei Spielen seine Zelte in Hamburg wieder abbrechen. Labbadia sagte, er bedaure die Entscheidung. Mit Eddy Sözer wird ihn sein angestammter Assistent bis 2016 unterstützen.

Die HSV-Idole Uwe Seeler und Willi Schulz haben mit Zurückhaltung reagiert. „Ich bitte um Verständnis, dass ich keine schlauen Kommentare abgeben will, denn das haben beim HSV andere zu entscheiden“, sagte Seeler nach dem bekanntgewordenen Wechsel von Peter Knäbel zu Labbadia. „Ich habe das zur Kenntnis genommen und drücke die Daumen, auch wenn sie schon wehtun“, ergänzte „Uns Uwe“, der 78 Jahre alte einstige Torjäger und Präsident des HSV.

Sein ehemaliger Teamkollege Willi Schulz bewertet zumindest den dritten Trainerwechsel beim Tabellenletzten in der laufenden Saison positiv. „Der Verein muss alle Möglichkeiten ausnutzen, um da unten rauszukommen, denn wir stecken ja tief drin im Schlamassel“, sagte der „Worldcup-Willi“ genannte Abwehrchef der 60er und 70er Jahre. Ob nach Mirko Slomka, Josef Zinnbauer und Knäbel der ehemalige HSV-Profi und -Coach Labbadia der Richtige ist, ließ auch Schulz unkommentiert. „Das wird sich (Vorstandschef) Dietmar Beiersdorfer mit seiner Crew gut überlegt haben“, erklärte der 76 Jahre alte Ex-Nationalspieler.

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