zur Navigation springen

„Tatortreiniger“ Bjarne Mädel : „Kult lässt sich nicht planen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bjarne Mädel spricht im Interview über Mutlosigkeit in der Fernsehbranche und selbstverfasste Gedichte über den Tod.

Herr Mädel, im „Tatortreiniger“ spielen Sie einen unerschütterlichen Typen, der nach blutigen Verbrechen sauber macht. Könnten Sie sich einen solchen Job im echten Leben vorstellen?
Nee, könnte ich nicht, das wäre verlogen, wenn ich das behaupten würde. Ich habe in der Vorbereitung auf die Rolle einen echten Tatortreiniger kennengelernt, und dabei erfahren, dass das ein unglaublich harter Job ist. Bei Weitem nicht nur, was die körperliche Arbeit angeht, sondern auch die psychische Belastung, wenn man es mit Hinterbliebenen von Mordopfern oder Selbstmördern zu tun bekommt. Das ist, wie er mir erzählt hat, viel schlimmer als der Dreck oder der Gestank, mit dem er manchmal konfrontiert wird.

Wenn es mit der Schauspielerei mal nicht mehr klappen würde, wäre das also keine berufliche Alternative?
Nö, ich beschäftige mich nicht so wahnsinnig gern mit dem Sterben, insofern wäre das alles andere als mein Traumjob. Ich würde mir mit Sicherheit was Unblutigeres suchen.

Was denn?

Das kann ich nicht sagen, im Moment läuft es zum Glück ja noch ein bisschen mit der Schauspielerei. Ich habe keinen Plan B, wenn Sie das meinen, und den habe ich im Moment zum Glück auch nicht nötig. Ich hatte auch noch nie das Gefühl, was anderes machen zu wollen. Ich bin sehr glücklich mit meinem Beruf.

Definieren Sie sich über Ihre Arbeit?
Auf jeden Fall. Ich arbeite viel und auch wahnsinnig gerne, und mir würde es verdammt schwerfallen, von heute auf morgen aufzuhören. Ich bin mit Leib und Seele Schauspieler.

Und Hobbydichter...
Das habe ich mal gemacht, weil mich der Verlag Kiepenheuer & Witsch für ein Buchprojekt darum gebeten hatte. Aber ich habe das mehr so als spannende Herausforderung begriffen, weil ich in ein paar Monaten 120 Gedichte schreiben musste. Das hat Spaß gemacht, ich habe aber nicht vor, einen zweiten Gedichtband herauszubringen, keine Bange.

Haben Sie auch ein Gedicht zum Tatortreiniger in petto?

Speziell zum Tatortreiniger nicht, aber zum Thema Tod schon. Die stehen aber alle weiter hinten in meinem Buch, deshalb fällt mir da jetzt ums Verrecken keins ein. Doch, Moment, eins hab ich, zum Thema Friedhöfe, das geht so: „Kann ich nicht mit umgehen, muss ich meist drum rum gehen.“

Man kennt Sie aus Kultserien wie „Stromberg“, „Mord mit Aussicht“ oder eben „Der Tatortreiniger“. Haben Sie ein Faible für Kultiges?
Schwer zu sagen, weil ich in allen genannten Fällen ja auch Teil der Entstehungsgeschichte dieser Serien bin. Wenn Sie so wollen also auch Teil des Kults. Ich bin ja zu den Serien nicht dazugestoßen, nachdem sie schon fünf Jahre gelaufen waren. Das hat auch viel mit dem Regisseur Arne Feldhusen zu tun, der mit der Entstehung von allen drei Serien maßgeblich zu tun hatte. Sein Humorverständnis und meines treffen sich ganz gut, glaube ich. Kult lässt sich ja nicht planen, es ist doch eher so: Wir machen etwas, das wir gut finden. Und wenn man das mit einer gewissen Konsequenz macht, kann im Glücksfall auch so etwas wie Kult dabei entstehen.

Aber bei einem Projekt wie dem „Tatortreiniger“ liegt das Kultige doch in der Luft, oder?
Klar, schon der Beruf ist ja außergewöhnlich, um nicht zu sagen skurril. Wir hatten ursprünglich auch einen anderen Titel im Sinn: „Der letzte Dreck“. Das klingt erst mal ziemlich krass, aber es trifft genau den Punkt, wie ich finde. Außerdem hätte es noch kultiger geklungen und sich auch im TV-Programm ganz gut gemacht: Zum Tagesausklang „Der letzte Dreck“... Trotzdem bleibe ich dabei: Kult lässt sich nicht planen, sonst würde das ja jeder ständig machen.

Warum gibt’s denn nicht mehr schräge Sachen im Fernsehen wie den „Tatortreiniger“?
Das hat glaube ich, viel mit Mutlosigkeit, aber auch mit fehlender Gelegenheit zu tun. Bei uns war auch etwas Glück im Spiel: Der NDR hatte ein freies Feld und noch ein bisschen Geld, das übrig war, und dann hat er uns einfach mal machen lassen, hat uns jede Menge Freiraum gegeben. Es gab diese kleine Lücke, und da sind wir reingesprungen und haben uns breitgemacht. Ich glaube, die Sender müssten mehr Vertrauen zu den Kreativen haben, dann würden auch mehr schräge, sehenswerte Sachen entstehen. Ich kenne viele Kreative, die schräge Ideen haben, aber aus den allermeisten wird halt nix. Es herrscht unter Programmverantwortlichen eine zu große Angst, den Zuschauer zu verschrecken.

zur Startseite

von
erstellt am 30.Nov.2014 | 14:47 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen