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„Er ist wieder da“ : Kristian Baders „Führer“ amüsiert im Altonaer Theater

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Der Bestseller von Timur Vermes wurde in Hamburg auf die Bühne gebracht. Bei der Premiere wurde vor allem ein einsamer Held gefeiert.

Hamburg | Der „Führer“ (Kristian Bader) ist nicht amüsiert. „Der Deutsche der Gegenwart trennt seinen Müll besser als seine Rasse“, bellt er - und schickt sich an, die für ihn unsäglichen Zustände zu ändern. Mit willigen Helfern einer Produktionsfirma entwickelt der Mann mit dem Schnurrbart und dem Seitenscheitel eine Show für diese neumodischen „Fernsehapparate“. Und alsbald buhlen alle demokratischen Parteien um ihn, denn von Propaganda versteht ein Hitler schließlich etwas.

Nach dem Satireroman-Erfolg „Er ist wieder da“ (2012) von Timur Vermes hat im ausverkauften Altonaer Theater Hamburg Axel Schneiders Bühnenfassung Premiere gefeiert.  Und die geriet am Sonntagabend zum Beifall umrauschten Sieg für einen einsamen Helden: den Kabarettisten und Schauspieler Kristian Bader („Caveman“).

Angetan in Soldatenkluft, die zunächst vom Staub der Geschichte in einer türkischen Blitzreinigung gesäubert werden muss, schnarrt, gellt und geifert der Hamburger (Jahrgang 1965) zweieinhalb Stunden lang, ohne an Prägnanz und entlarvender Lächerlichkeit zu verlieren - genialerweise ohne darstellerisch zu überziehen: Jeder Satz ein Treffer. Schreitet stechenden Schritts mit vorgebeugtem Kopf und fuchtelnden Armen, während er unsere „verlotterte“ Zeit analysiert. Und kneift jungen Frauen schon mal charmant in die Wange („Du darfst Onkel Wolf zu mir sagen“). 

Damit die Gaudi der Hitler-Parodie und aktuellen Gesellschafts- und Mediengroteske auch keinesfalls in eine falsche Richtung abdriftet, stellt Hausherr Schneider, der zugleich Regie führt, in den Hintergrund stets eine abgerissene Gestalt (Georg Münzel), die melancholisch auf einer Geige spielt. Eher plakativer und für vielleicht nicht für jeden erschließbarer Hinweis auf Holocaust und Auslöschung jiddischer Kultur durch die Nazis.

Überhaupt scheint der für den „Gröfaz“ verdient endende Abend vor allem als Solo für Bader konzipiert. Denn den fünf weiteren Darstellern in wechselnden Rollen wird zwischen kantigen Säulen im NS-Stil und vor großen Videobildern (Bühne: Lars Peter) wenig Raum zur Entfaltung gegeben.

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erstellt am 16.Mär.2015 | 10:44 Uhr

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