HSV/St. Pauli : Krawalle und Vorwürfe nach Derby-Absage

Gewaltbereite Fußballfans haben in der Nacht zu Sonntag auf dem Hamburger Kiez randaliert. Foto: rtn
Gewaltbereite Fußballfans haben in der Nacht zu Sonntag auf dem Hamburger Kiez randaliert. Foto: rtn

Das Hamburger Fußball-Derby in der Bundesliga fiel wegen Dauerregens ins Wasser. Danach kam es zu Ausschreitungen in der Innenstadt. Es flogen Steine und Flaschen, Polizisten wurden verletzt.

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07. Februar 2011, 10:28 Uhr

Schlägereien in der Innenstadt, demolierte Kneipen und Vorwürfe des FC St. Pauli - die kurzfristige Absage des Hamburger Stadtderbys in der Fußball-Bundesliga hat fatale Folgen und ungeahnte Konsequenzen. Knapp 20 Stunden vor dem geplanten Anpfiff am Sonntagnachmittag war die Partie Hamburger SV gegen den FC St. Pauli wegen zweitägigen Dauerregens abgesetzt worden. Es war die zehnte Absage eines Bundesliga-Spiels seit 2000. In den Nachtstunden danach randalierten Fußball-Rowdys. Anhänger des HSV sollen ein Lokal mit St.-Pauli-Fans gestürmt haben. 45 Randalierer kamen in Gewahrsam, vier von 500 eingesetzten Polizei-Beamten wurden leicht verletzt. Mehrere Lokale wurde beschädigt, ein Polizei-Auto demoliert.
Eine Platzkommission mit Schiedsrichter Günter Perl aus Pullach hatte am Samstag den neuverlegten Rasen in der Imtech-Arena des HSV zweimal kontrolliert. Da der Platz komplett unter Wasser stand, wurde die Partie am Samstagabend abgesagt. Da laut Wetterprognosen unwetterartige Regenfälle von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter für Sonntag vorausgesagt worden waren, blieb der Platzkommission keine andere Wahl.
Erst am Freitagabend hatte der HSV die komplette Rasenerneuerung abgeschlossen. Da das alte Grün ramponiert war, wurde unmittelbar vor dem Derby ein neuer Rollrasen für 100.000 Euro ausgelegt. Die Erneuerung erfolgte für viele Beobachter zu spät. Das letzte HSV- Heimspiel fand am 21. Januar, also 16 Tage vor dem Derby statt. Der HSV wehrt sich jedoch gegen Vorwürfe. Früher hätte der Rasen wegen Bodenfrosts nicht verlegt werden können, heißt es. "Diese Wassermassen hätte auch der alte Rasen nicht aufgenommen", sagte Stadionchef Krut Krägel und ergänzte: "Die Drainage ist nach Norm auf fünf Liter pro Stunde ausgelegt."

Die HSV-Spieler und Trainer Armin Veh hatten den Untergrund beim Training am Vormittag getestet. "Es wäre unmöglich gewesen, dort zu spielen", sagte Veh. "Der Ball rollt nicht, bleibt einfach liegen", berichtete Krägel. St. Paulis Teammanager Christian Bönig machte sich nach der Absage umgehend auf den Weg, um sich ein Bild vor Ort zu machen. "Da ging wirklich nichts. Aber die Frage ist, warum die Arbeiten nicht früher vorgenommen wurden", meinte Bönig.Profis vom Lokalrivalen FC St. Pauli wunderten sich, warum sie am Samstag auf ihrem Trainingsgelände spielen konnten, während das auf dem neuen Rasen beim HSV nicht möglich war. Zur Ehrenrettung des HSV sei gesagt, dass in unteren Klassen Hamburgs und Schleswig-Holsteins zahlreiche Spiele des Wochenendes abgesagt werden mussten.
Ärgerlich: Für das 16. Lokalderby war erstmals ein Public Viewing im Millerntor-Stadion vorgesehen. 12.000 Fans wurden erwartet, dafür sind zwei Videowände installiert worden. Die Kosten werden auf rund 15.000 Euro taxiert. HSV-Chef Bernd Hoffmann persönlich entschuldigte sich bei seinem Amtskollegen Stefan Orth vom FC St. Pauli. "Bernd Hoffmann hat mich angerufen und sich entschuldigt, auch für die Ausschreitungen von HSV-Fans in der Nacht", sagte Orth am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Hamburg. Der Aufsteiger wolle keine Vorwürfe erheben und auch keine Schadenersatzforderungen stellen. "Es war eine Verkettung unmöglicher Umstände. Den Ausfall zu prüfen liegt nicht in meiner Macht", sagte Orth.
Ob die nächtlichen Ausschreitungen in der Hamburger Innenstadt aus Wut über die Spielabsage geschahen oder ohnehin Plan von Hooligans waren, ist unklar. Ab 22 Uhr lieferten sich im Stadtteil St. Pauli rund 200 Anhänger beider Vereine Schlägereien. HSV-Anhänger stürmten das von St.-Pauli-Fans genutzte Lokal Jolly Rogers. Es wurden Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper geworfen. Mehrere Lokale und ein Einsatzwagen der Polizei wurden demoliert, vier Beamte leicht verletzt. Laut Polizeiangaben waren auch Anhänger anderer Fußball- Vereine an an den Krawallen beteiligt. (dpa, shz)

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