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Nach Bakterienfund in Hamburger Kita : Krankheitskeime in Wasserzählern

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„Pseudomonas aeroginosa“ heißt das Bakterium, das Wasserversorgern Sorgen macht. Ein Fall aus Hamburg löste eine Kettenreaktion aus: Deutschlandweit wurden Keime in fabrikneuen Wasserzählern nachgewiesen.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 13:43 Uhr

Hamburg | Monatelang blieben die hartnäckigen Bakterien in einer Hamburger Kita ein Rätsel. Schließlich stellte sich heraus: Der Wasserzähler ist Schuld. Ein Fall mit deutschlandweiten Folgen. Was wurde unternommen und wie gefährlich sind die Bakterien? shz.de mit Fragen und Antworten.

Wo wurden die Erreger zum ersten Mal in Wasserzählern nachgewiesen?

Monatelang kämpfte eine neue Kita in Hamburg Schenefeld mit dem Keim Pseudomonas aeroginosa. Zunächst war unklar, aus welcher Quelle die Keimbelastung im Trinkwasser kam. Vorsichtshalber verlegten die Wasserwerke ein komplett neues Leitungssystem für den bereits fertiggestellten Kitabau – doch die Bakterien blieben. Erst nachdem alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, stellte sich Anfang September schließlich heraus, dass der Ursprung der Kontamination im fabrikneuen Wasserzähler liegt. Nationale Aufmerksamkeit erlangte der Fall nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts.

Welche Geräte sind betroffen?

In ganz Deutschland wurden bei Stichproben unterschiedliche neu eingebaute und fabrikneue Wasserzähler gefunden, in denen eine Kontamination mit den Bakterien nachgewiesen werden konnte. Nach bisherigem Kenntnisstand soll es sich dabei um Chargen von drei deutschen Zählerherstellern handeln. Im Hamburger Fall kamen die Geräte vom Oldenburger Hersteller Allmess. Eine Ursache für die Keimbelastung ist bislang noch nicht gänzlich geklärt.

Welche Schritte wurden eingeleitet?

Nach dem Bekanntwerden des Falls in Hamburg haben Wasserversorger in fast allen größeren deutschen Städten und Gemeinden sofort Untersuchungsprogramme eingeleitet. Der Einbau neuer Wasserzähler wurde vorübergehend gestoppt, eingelagerte Geräte in großer Zahl überprüft, infragekommende Zähler wurden deutschlandweit zu Tausenden ausgetauscht.

In Hamburg selbst wurde auf eine große Austauschaktion, wie sie in Städten wie etwa Düsseldorf oder Augsburg vorgenommen wurde, zunächst verzichtet. Stattdessen wurden in Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern Wasserproben entnommen, eine Keimbelastung konnte nirgendwo nachgewiesen werden. Auch auf Seiten der Hersteller und Lieferanten wurden die Warenkontrollen und Hygienemaßnahmen deutlich verschärft.

Inzwischen haben Versorger und Hersteller die Lage deutschlandweit im Griff, der Einbaustopp wurde aufgehoben.

Was ist das für ein Erreger und wo kommt er vor?

Bei dem Bakterium Pseudomonas aeroginosa handelt es sich um einen weit verbreiteten Boden- und Wasserkeim, der auch als „Pfützenkeim“ bekannt ist. Zu finden ist es in nahezu jedem feuchten Milieu. Neben Böden und Gewässern kommt das Bakterium auch im Haushalt vor: Beispielsweise in Duschen, Waschbecken, Toiletten und Spülmaschinen. In Kontakt kommt der Mensch mit dem Erreger vor allem dort, wo Wasser länger steht. Das kann auch bei Trinkwasserleitungen der Fall sein – etwa nach Urlauben oder bei selten beanspruchten Hähnen.

Was bewirken die Erreger und für wen sind sie gefährlich?

Für gesunde Erwachsene mit einem leistungsfähigen Immunsystem stellt das Bakterium in der Regel keine erhöhte Gefahr dar. Für immungeschwächte Menschen und Kinder kann der Keim jedoch zum Verhängnis werden – gerade deshalb ist der Fall aus der Hamburger Kita so alarmierend. Auch in Krankenhäusern ergibt sich durch das Bakterium ein besonderes Risiko. Daher wird Pseudomonas aeroginosa als bedeutender Krankenhauskeim eingestuft.

Bei der Risikogruppe, vor allem bei Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen, kann der Erreger unterschiedliche zum Teil schwere Infektionskrankheiten hervorrufen. Dazu gehören Lungenentzündungen, schwere Wundinfektionen und Blutvergiftungen sowie Entzündungen des Innenohrs, des Nierenbeckens und des Herzmuskels.

Wie kann man sich vor den Erregern zu schützen?

Gerade in Krankenhäusern gelten im Hinblick auf das Bakterium erhöhte Hygienevorschriften. So müssen alle Gerätschaften die mit Feuchtigkeit in Verbindung kommen sorgfältig desinfiziert werden. Auf Intensivstationen werden zudem bakteriendichte Filter an den Wasserhähnen eingesetzt.

Im Haushalt sollte darauf geachtet werden, dass Wasserleitungen regelmäßig durchgespült werden. Gerade, wenn das Wasser über längere Zeit in der Leitung gestanden hat, sollte der Kaltwasserhahn aufgedreht und das Wasser laufen gelassen werden, bis die Wassertemperatur sich etwas kühler anfühlt. Dann kommt das Wasser direkt aus dem öffentlichen Netz.  

 
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