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Olympia-Aus für Hamburg : Kommentar: Keine Zeit für Schockstarre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hamburg steht vor großen Aufgaben – und die Politik sollte sie schleunigst anpacken. Ein Kommentar von Markus Lorenz.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 07:16 Uhr

Hamburg | Die Party ist vorüber, der Kater fürchterlich. Doch lange darf sich Hamburg nach dem Olympia-Aus nicht mit Wehklagen oder gar Schockstarre aufhalten. Die Stadt wollte das größte Sport- und Medienspektakel der Welt nicht nur ausrichten, um ein netter Gastgeber zu sein. Dahinter steckten handfeste Interessen. Die Sommerspiele 2024 waren als Sprungbrett der Stadtentwicklung gedacht. Wie im Zeitraffer sollte das Großprojekt einen neuen Stadtteil entstehen lassen, die Infrastruktur modernisieren helfen und den lange gewünschten Sprung über die Elbe ermöglichen. Auch der mäßigen internationalen Bekanntheit Hamburgs sollte Olympia abhelfen, Touristen, junge Eliten und Investoren anziehen. All diese Notwendigkeiten haben sich keineswegs erledigt. Im Gegenteil: Weil nun Rückenwind und externe Milliarden dafür nicht zur Verfügung stehen, muss die Hansestadt nach anderen Wegen suchen, die Herausforderungen zu bewältigen.

Zuallererst sind Zehntausende Flüchtlinge unterzubringen, zu integrieren und mit Arbeit zu versorgen. Vor dieser Aufgabe stehen alle Kommunen, in Stadtstaaten wie Hamburg sind die Probleme aber verdichteter und damit größer. Der Hafen, seit Jahrhunderten wirtschaftliches Herz einer ganzen Region, droht wegen seiner Lage im Binnenland und den immer größeren Containerfrachtern langsam zwar, aber doch absehbar an Bedeutung zu verlieren. Es ist an der Zeit, parallel zum unverändert wichtigen Umschlagbetrieb die Hafenwirtschaft auf eine breitere Basis zu stellen. Nicht mehr nur einladen und ausladen, sondern zunehmend auch Produktion, Veredelung und Forschung rund um die maritimen Geschäfte können Hamburgs Zukunft absichern.

Die rot-grüne Koalition unter Bürgermeister Olaf Scholz war bisher ein Schönwetterbündnis. Nun muss sie zeigen, dass sie auch jenseits von Olympia eine tragfähige Idee für die Zukunft Hamburgs hat. Es wird ungemütlicher werden im Rathaus.

 

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