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Hamburg : Klage gegen Hospiz abgewiesen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nachbarn eines neuen Hospizes im Süden Hamburgs wehrten sich vor Gericht gegen die neue Einrichtung des Roten Kreuzes. Sie stören sich an einem Anbau und am Verkehr. Die Klage blieb aber erfolglos.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Hamburg | In die feierliche Freude mischte sich Beklommenheit. Zehn Jahre hatte das Deutsche Rote Kreuz Harburg für ein Hospiz in Hamburgs Süden gekämpft, doch bei der Einweihung gab es am Mittwochvormittag nur ein Thema: Muss das Sterbehaus im Stadtteil Langenbek womöglich gleich wieder schließen? Die Antwort gab es am Donnerstag: Nein. Das Verwaltungsgericht wies die Klage von Anwohnern ab, die eine Belegung verhindern wollten, wie ein Sprecher sagte. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) begrüßte den Beschluss: „Die schnelle Entscheidung des Gerichts macht den Weg frei für eine gute und sinnvolle Einrichtung in Harburg.“

Ein benachbartes Ehepaar hatte gegen die Einrichtung geklagt, in der bis zu zwölf Todgeweihte die letzten Wochen und Tage ihres Lebens verbringen sollen. Es galt als durchaus möglich, dass die Richter der Klage stattgeben und den Teilabriss verfügen.

Der Blättnerring im äußersten Süden der Metropole: Eine gediegene Wohn- und Spielstraße mit Backstein-Einfamilienhäusern aus den 90er Jahren, davor Carports, Buchenhecken, gehegte Vorgärten. Am Ende der Sackgasse liegt das Hospiz, ein unauffälliger zweigeschossiger Flügelbau. Vor knapp zwei Jahren hatte das DRK das frühere Gemeindehaus von der Kirche gekauft und seither aufwändig zum Sterbehaus umgebaut. Dabei entstand auch ein Anbau, den die Kläger nun vor allem beanstanden.

Das Sterbehaus sei zu groß für die Lage in einem reinen Wohngebiet. In der Klageschrift heißt es: „Ein Hospiz der vorgesehenen und genehmigten Art gehört offensichtlich nicht zu den Einrichtungen, die dem Bedarf der ansässigen Bevölkerung dienen.“ Zudem beklagt das Ehepaar eine „unzumutbare Erhöhung des fließenden und ruhenden Verkehrs unmittelbar im Grundstücksbereich“. Die Kläger wollen sich nicht öffentlich zu ihren Beweggründen äußern. Ihr Anwalt Rolf-Dieter Klooß stellt klar: „Meine Mandanten haben nichts gegen ein Hospiz.“ Es gehe allein um dessen Größe sowie Verstöße gegen das Baurecht. Am Blättnerring dürfen laut B-Plan nur öffentliche Einrichtungen für den Bedarf der Nachbarschaft errichtet werden. In vergleichbaren Fällen haben Gerichte mehrfach klagenden Nachbarn Recht gegeben, etwa bei der Ansiedlung von Kitas.

Als wollten sie direkt an die Richter appellieren, brachen prominente Gäste der Einweihung gestern reihenweise eine Lanze für die Einrichtung. Cornelia Prüfer-Storcks: „Sterben und Tod dürfen keine Tabuthemen sein. Hospize sind als Einrichtungen für ein würdevolles Lebensende anerkannt und etabliert. Sie gehören zu unserem Leben dazu – und deshalb auch mitten in Wohngebiete.“ Der Präsident des DRK, Rudolf Seiters, beklagte den „vereinzelten krassen Egoismus“ bei der Ablehnung von Hospizen.

Harburgs DRK-Kreisgeschäftsführer Hartmut Krüger unterstrich, dass sich ein kleineres Sterbehaus wirtschaftlich nicht tragen würde. Schon der drei Millionen Euro teure Umbau stellte einen finanziellen Kraftakt dar und war nur durch eine massive Spendenkampagne machbar.

Sieben Sterbehäuser für Erwachsene gibt es nun in Hamburg, doch das Langenbeker ist das erste im Süden der Stadt. Gerade Sterbende bräuchten den engen Kontakt zu ihrem vertrauten Umfeld, so Krüger. Fahrten in Einrichtungen nördlich der Elbe seien oft unzumutbar. Die Hospiz-Schirmherrin und NDR-Talkfrau Bettina Tiedjen sagte es auf ihre Weise: „Die Harburger fahren zum Einkaufen gern nach Hamburg. Zum Sterben bleiben sie lieber hier.“

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