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Vor Bushido-Konzert : Kiezclub „Docks“ wird zur Notunterkunft für Flüchtlinge in Hamburg

vom

Weil 150 Flüchtlinge kein Dach über dem Kopf haben, funktionieren die Betreiber das „Docks“ zum Schlafsaal um.

Hamburg | Als am Freitagmorgen um 8.30 Uhr die Vorbereitungen für das Bushido-Konzert beginnen, verlassen die letzten Flüchtlinge das „Docks“ auf der Hamburger Reeperbahn. Dort, wo am Abend der Rapper bis zu 1250 Feierwütigen einheizen soll, finden in der Nacht zuvor rund 150 Menschen Unterschlupf. Spontan öffnet „Docks“-Geschäftsführerin Susanne Leonhard die Türen des Clubs, als sie von deren Notlage hört. „Wenn du selbst Mutter bist, lässt du Kinder nachts nicht auf der Straße“, sagt Leonhard. „Ich habe gedacht, mein Club ist tausendmal besser als der Bürgersteig.“

Und so wird das „Docks“ kurzerhand zur Notunterkunft für eine Nacht umfunktioniert. Auf der Bühne bauen Leonhard und ihre Mitarbeiter ein kleines Restaurant mit Buffet auf, Frauen und Kinder können auf einer Ebene schlafen, der große Saal wird bei gedimmten Licht zum „Junge-Männer-Floor“. Und im Backstage-Bereich, wo normalerweise die Stars umsorgt werden, können die erschöpften Flüchtlinge duschen. Am Morgen lässt Leonhard klassische Musik zum Wecken spielen, ehe es Frühstück und Kaffee für alle gibt. „Das war sehr nett. Wir sind dankbar“, sagt der 28-jährige Iraner Ali, ehe er sich weiter Richtung Skandinavien aufmachen will.

Er ist einer von bis zu 1000 Flüchtlingen, die sich nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverband am Donnerstagabend am Hamburger Hauptbahnhof versammelt hatten. Denn der Weg von und nach Schweden ist ins Stocken geraten. Nach Angaben der Flensburger Gruppe „Refugees Welcome“ hat die dänische Polizei damit begonnen, Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Schweden sind, aus Zügen und Bussen zu holen, um sie zur Registrierung zu zwingen. (Mehr zur aktuellen Entwicklung in Flensburg lesen Sie hier.) Daraufhin seien viele Flüchtlinge zurückgekehrt oder hätten die Reise in den Norden gar nicht erst angetreten, berichtet ein Sprecher der Initiative.

Manche von ihnen kamen im „Docks“ unter. Ihre Mitarbeiter hätten zunächst Bedenken gehabt, ob alles gut geht, berichtet Leonhard. Doch sie habe gedacht: „Ich mache mit den heftigsten Technofreaks 16 Stunden Party, was sollen dann die hier kaputtmachen?“ Und „Leo“, wie die 52 Jahre alte Clubchefin von allen gerufen wird, soll recht behalten. Die Menschen aus Syrien, Iran oder Afrika seien alle „peacig und ruhig“ gewesen - für ihre Mitarbeiter eine wertvolle Erfahrung. „Ich finde das toll, wenn Welten aufeinandertreffen. Was mein Team heute Nacht erlebt hat, ist wertvoll fürs ganze Leben.“ Ein einmaliger Akt der Hilfsbereitschaft müsse die spontane Aktion nicht bleiben, sagt Leonhard. Sie würde - wenn nötig und möglich - das jederzeit wieder machen. „Wenn ich heute nicht Bushido gehabt hätte, hätte ich gesagt: “Okay, ihr könnt bleiben„, aber die wollen halt auch alle weiter.“

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erstellt am 30.Okt.2015 | 15:42 Uhr

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