Walpurgisnacht in Hamburg : Kaum Krawalle - aber 16 brennende Autos

Mit Rollgittern haben Geschäftsleute ihre Schaufenster gesichert. Die Polizei war mit massivem Aufgebot die ganze Nacht auf der Schanze. Foto: dapd
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Mit Rollgittern haben Geschäftsleute ihre Schaufenster gesichert. Die Polizei war mit massivem Aufgebot die ganze Nacht auf der Schanze. Foto: dapd

Die großen Ausschreitungen der vergangenen Jahre blieben bisher auf der Schanze aus. Dafür brannten 16 Autos in der Hansestadt.

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01. Mai 2011, 07:18 Uhr

Geschäftsleute hatten ihre Schaufenster und Türen mit Rollgittern oder Sperrholzplatten gesichert und sich auf das Schlimmste eingestellt. Doch heftige Auseinandersetzungen wie in den vergangenen Jahren zum 1. Mai im Hamburger Schanzenviertel konnten die rund 2500 eingesetzten Polizisten verhindern. "Die Polizei hat durch entschlossenes Eingreifen Schlimmeres verhindert", bilanzierte Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) am Sonntag. Die Einsatztaktik der Polizei sei vollständig aufgegangen.
Vereinzelt kam es nach Angaben der Polizei zu Ausschreitungen. Rund um das alternative Kulturzentrum "Rote Flora" seien Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen worden. Elf Beamte wurden verletzt, 17 Randalierer festgenommen. In Berlin-Prenzlauer Berg demonstrierten rund 1500 Anhänger der linken Szene gegen Mieterhöhungen und die Räumung besetzter Häuser. Auf einem Hausdach wurde ein Feuerwerk gezündet. Vermummte demonstrierten Solidarität mit den Hamburger Gleichgesinnten und forderten den Erhalt der "Rote Flora".

In der Hansestadt setzte die Polizei schon Samstagnachmittag mehrfach Wasserwerfer gegen Autonome ein, die mit Feuerwerkskörpern auf die Beamten und die Einsatzfahrzeuge losgingen. Auch ein Hotel wurde attackiert. Ein Auto ging in Flammen auf. Ein Polizist musste mit einem Hörschaden im Krankenhaus behandelt werden. Neben den 17 Festnahmen wurden auch 50 Randalierer in Gewahrsam genommen.
Auch für den heutigen 1. Mai sind Demonstrationen angekündigt. Die Polizei stellt sich auf Ausschreitungen am Abend ein. Im Hinblick darauf sagte Innensenator Neumann: "Lautstarke Kundgebungen sind völlig in Ordnung, Krawalle dagegen nicht zu tolerieren. Demonstrationen gehören zur Demokratie, Gewalt nicht."
Harte Verurteilung und Gesetzesänderungen gefordert

Aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hamburg war die bisherige Einsatzstrategie erfolgreich. Das Schanzenviertel zum Gefahrenbereich zu erklären und bei Anbruch der Dunkelheit massive Präsenz im Viertel zu zeigen, sei aufgegangen, sagte der Landesvorsitzende Joachim Lenders. "Die Anzahl von etwa 1200 gewaltbereiten, teilweise vermummten Autonomen im Demonstrationsaufzug zeigt einmal mehr, dass es vielen nur um Randale und Krawall geht", so Lenders. Die Gewerkschaft fordert eine schnelle und harte Verurteilung der Straftäter. Die CDU-Bürgerschaftsfraktion fordert zusätzlich Gesetzesänderungen. Laut Uwe Koßel von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind die bestehenden Konsequenzen ausreichend. "Sie müssen aber auch von den Juristen entsprechend angewandt werden."
Über die gesamte Stadt verteilt brannten wieder Autos. Ob die Taten im Zusammenhang mit der Demonstration vor der "Roten Flora" stehen, wird ermittelt. An neun verschiedenen Stellen seien laut Polizei 16 Autos zerstört worden. Die Brände wurden zwischen 1.20 Uhr und 6 Uhr gelegt. In den Stadtteilen Niendorf, Bahrenfeld, Stellingen, St. Pauli, Barmbek, Billbrook und Horn brannte jeweils ein Wagen, in Alsterdorf fünf und in Volksdorf vier. Bei der anschließenden Fahndung nahmen die Beamten einen möglichen Tatverdächtigen fest.
(dpa, dapd, shz)

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