Internationale Gartenschau : Kahlschlag für eine Naturschau?

Für die Internationale Gartenschau (IGS) in Wilhelmsburg sollen rund 3000 Bäume gefällt werden. Die Naturschützer laufen Sturm dagegen.

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14. April 2011, 08:18 Uhr

Hamburg | Der BUND Hamburg erhebt erneut Vorwürfe gegen die Organisatoren der Internationalen Gartenschau (IGS) 2013 in Wilhelmsburg. "Für die IGS sollen rund 3000 Bäume gefällt werden. Das ist in etwa die Hälfte des gesamten Bestandes auf dem Gelände", beklagte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch gestern. Das stünde im krassen Gegensatz zu dem Versprechen, das die damalige Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) 2008 gegeben hatte: "Bäume werden für die IGS nur in Ausnahmefällen gefällt."

Laut BUND haben die IGS-Verantwortlichen die vereinbarte Gesamtzahl der Fällungen ohne Wissen der Naturschützer zuletzt nochmals erhöht und zudem naturschädliche Bodenaufschüttungen vorgenommen. Braasch: "Der Eingriff in die Natur ist deutlich größer als vereinbart."

Blühende Landschaften bis zum April 2013
Auf dem mehr als 100 Hektar großen IGS-Gelände wird derzeit an allen Ecken und Enden gebuddelt. Das bisherige Brachgelände soll sich bis zum April 2013 in blühende Landschaften verwandeln. Geplant ist ein Mix diverser Naturräume unter dem Motto "In 80 Gärten um die Welt". Zudem wird ein großer Volkspark angelegt, der in Verbindung mit Neubauten wie einer Kletterhalle und einem Schwimmbad die neue grüne Mitte des Stadtteils bilden soll. Baumfällungen gibt es in dem Gebiet zugleich auch für die Internationale Bauausstellung (IBA), die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gartenschau ebenfalls 2013 über die Bühne geht.

Bevor alles erblühen kann, wird kräftig abgeholzt. Die ehrgeizigen Konzepte von IGS und IBA benötigen Platz. Das bestreitet IGS-Geschäftsführer Heiner Baumgarten nicht. Allerdings macht er eine ganz andere Rechnung auf als die erbosten Naturschützer des BUND. "Auf dem Gelände standen insgesamt 20.000 Bäume. Rund 2000 davon müssen gefällt werden." Eine derartige Größenordnung hält er für vertretbar.

BUND will neues Ausgleichskonzept
Braasch und seine Mitstreiter fühlen sich dagegen von den Gartenschau-Machern hinters Licht geführt. Sie verweisen darauf, dass die IGS 2009 auf Druck von Naturschützern zugesagt hatte, weniger Bäume abzuräumen als ursprünglich geplant. Braasch: "Nach der Vereinbarung sollten jetzt noch 250 bis 300 zusätzliche Bäume fallen. Tatsächlich hat die IGS 700 neue Fällungen beantragt." 450 davon seien genehmigt worden. Der BUND verlangt ein gänzlich neues Ausgleichskonzept für IGS und IBA. Dabei müsse der Grundsatz gelten: Für jeden gefällten Baum werden drei neue angepflanzt.

Die BUND-Breitseite gegen den IGS-Chef entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Baumgarten ist selber Vorsitzender des BUND, nicht in Hamburg, aber in Niedersachsen. Von den Vorwürfen seiner Verbandskollegen fühlt er sich auch deshalb kalt erwischt. "Ich bin sehr enttäuscht, dass der BUND Hamburg den Weg des Dialoges verlassen hat."
(mlo, shz)

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