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Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe : Islamische Kunst: Wenn die Superheldin Burka trägt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kulturelles Zeichen gegen geistige Dürre: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe hat seine umfangreiche Sammlung islamischer Kunst vollkommen überarbeitet. Zu historischen Artefakten kommen Comics und Filme.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2015 | 10:08 Uhr

Hamburg | Dieses Thema beherrscht die Nachrichten seit Monaten: Selbsternannte Gotteskrieger des Islamischen Staates, von Al Qaida oder Boko Haram zerstören jahrhundertealte Bibliotheken, schänden die Grabstätten von Heiligen und Propheten oder stürzen antike Türhüterfiguren vom Sockel, um sie anschließend mit dem Presslufthammer weiter zu zerkleinern. Ins Kreuzfeuer geraten ist in Syrien, im Irak oder Mali nicht nur das kulturelle Erbe von Christen, Babyloniern, Mesopotamiern, Assyrern oder afrikanischen Stämmen, sondern auch das islamische Erbe selbst. Der IS duldet keine „Götzenbilder“. Sein Ziel ist die völlige Auslöschung der kulturellen Vielfalt in seinem Einflussbereich.

Unter anderem vor diesem Hintergrund hat sich das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) entschlossen, seine Sammlung islamischer Kunst ganz neu und in stark erweiterter Form zu präsentieren. Rund 270 Exponate sind in der frisch aufbereiteten Dauerausstellung zu sehen. Darunter Architekturfragmente, Teppiche, Stoffe, Gold- und Silberarbeiten, Keramik und Buchkunst.

Astrolabium, Iran, frühes 19. Jh., Bronze, Foto: Martin Luther und Dirk Fellenberg

Posted by Museum für Kunst und Gewerbe on Sonntag, 12. April 2015

Geografisch umfasst der Begriff Islamische Kunst die einst oder noch heute vom Islam geprägten Länder: Die mehrere Jahrhunderte von den Mauren beherrschte iberische Halbinsel gehört ebenso dazu wie bestimmte Gebiete Indiens, Nordafrikas und Zentralasiens. Ein zentrales Anliegen der Schau ist es, den kulturellen Austausch zwischen den islamisch geprägten Regionen untereinander, aber auch die Wechselwirkungen mit China und Europa aufzuzeigen.

Dass man die Neukonzeption einer Sammlung, die das Etikett „islamisch“ trägt, angesichts der aktuellen Konflikte nicht ausschließlich auf kunsthandwerkliche Artefakte reduzieren kann, liegt für Sabine Schulze, die Direktorin des MKG, auf der Hand: „Wir klammern überhaupt nicht aus, dass die islamisch dominierten Länder heute oft Krisengebiete sind, und gerade da sind die zeitgenössischen Positionen wichtig.“

Gezeigt werden daher neben Comics und Graphic Novels von jungen muslimischen Zeichnerinnen auch Ausschnitte aus der pakistanischen Fernseh-Serie „Burka Avenger“, in der eine mit Stiften, Büchern und Schultaschen bewaffnete, Burka tragende Superheldin bildungsferne Taliban und korrupte Politiker gleichermaßen bekämpft.

Watch Burka Avenger Season 2 at 4:30 pm & 7:30 pm exclusively on Nickelodeon Pakistan!

Posted by Burka Avenger on Donnerstag, 12. März 2015

Immer wieder wird die Ausstellung durch filmische Intermezzi aufgelockert. Ausschnitte aus dem 1926 entstandenen Silhouetten-Animationsfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ lassen idealisierende europäische Orientvorstellungen aufscheinen, die von der Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“ inspiriert sind. Ebenfalls gezeigt wird der auf Festivals in aller Welt gefeierte 3D-Animationsfilm „Simorgh“ des jungen, in den USA lebenden iranischen Regisseurs Meghdad Asadi Ladi. Ein zu Freiheit und Selbstbestimmung aufrufender Film.

Mit der Eröffnung der Islam-Sammlung ist die Neupräsentation der vier großen Weltreligionen im Museum für Kunst und Gewerbe abgeschlossen. Die dem Christentum, Judentum und dem Buddhismus gewidmeten Abteilungen waren bereits in den vergangenen Jahren vollkommen neu konzipiert worden.


Infos gibt es im Internet und telefonisch unter 040-428134880.

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