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IGS-Abschluss mit Defizit : Internationale Gartenschau: 171 durchwachsene Tage

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Flop statt Publikumsmagnet: Die Internationale Gartenschau in Hamburg schließt mit einem Millionendefizit. Das ist nicht die einzige Sorge. Wer kümmert sich jetzt um den riesigen Park in Wilhelmsburg?

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 09:59 Uhr

Hamburg | Zum Abschluss zündet die Internationale Gartenschau (IGS) in Hamburg noch ein Klang-Feuerwerk. Danach ist am Sonntag Schluss - nach 171 durchwachsenen Tagen. Denn mit rund 1,2 Millionen Besuchern sind nicht einmal halb so viele gekommen wie erwartet. 2,5 Millionen sollten es werden, doch schon zur Eröffnung am 26. April machte das Wetter einen satten Strich durch die Rechnung. Bundespräsident Joachim Gauck stand damals im Regen und am Ende - bildlich gesprochen - die IGS-Macher auch.

„Das ist vom Ergebnis her schon enttäuschend. Dennoch war die Resonanz der Besucher hier sehr positiv. Das haben wir aus Befragungen und aus den Gästebüchern erfahren“, sagte der Geschäftsführer der IGS, Heiner Baumgarten. Der Gesamtcharakter des Parks, der als solcher deutlich erkennbar ist, habe die Gäste angesprochen, daneben die Hallenschauen. Die Welt der Bewegung mit ihren Spiel- und Trimm-Angeboten sei bei Jüngeren und Familien sehr gut angekommen, bei Älteren seien es die Pflanzungen und Ensembles der Friedhofsgärtner gewesen, bilanziert der IGS-Chef.

Am Ende bleibt - nüchtern betrachtet - ein voraussichtlich zweistelliges Defizit, im Raum stehen unbestätigt rund 25 Millionen Euro. Als Kosten der Schau waren knapp 50 Millionen Euro veranschlagt worden. In das Wilhelmsburger Gelände hatte die Stadt rund 70 Millionen Euro investiert. Zu den Defizit-Spekulationen wollte sich Baumgarten vor dem Abschlusstag nicht äußern, am Sonntag weiß er die mitverantwortliche Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) an seiner Seite. Die CDU-Bürgerschaftsfraktion fordert von der IGS-Aufsichtsratschefin bereits Akteneinsicht.

Am Ende bleibt aber auch ein neuer 100 Hektar großer Park für einen lange von der Politik vernachlässigten Hamburger Stadtteil: Wilhelmsburg auf der Elbinsel. Doch damit beginnen eigentlich schon die nächsten Sorgen. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) legt den Finger in die Wunde. Die Pflege der Grünanlage und der Biotope auf dem Gelände müsse dauerhaft gesichert werden, forderten die Naturschützer. „Sonst wird die IGS nicht nur wegen des Besucherdefizits in schlechter Erinnerung bleiben“, meinte BUND-Landeschef Manfred Braasch.

Auch IGS-Chef Baumgarten macht sich für einen Park-Ranger stark, was mit dem Bezirksamt-Mitte sehr intensiv besprochen werde. Eine Entscheidung darüber dürfte sich noch bis Anfang 2014 hinziehen, meint Baumgarten. Offen sei auch, ob der Park gänzlich oder in Teilen eingezäunt werden wird. Zumindest ist die gärtnerische Pflege des Geländes für das nächste Jahr abgesichert, weitere Mittel müssten in die nächste Haushalte der Stadt eingestellt werden.

Im Gespräch auf einer Parkbank im Gelände lässt sich der IGS-Chef nicht anmerken, wie sehr ihn die heftige Diskussion in Hamburg über die Eintrittspreise getroffen hat. Dennoch: „So wie es hier gelaufen ist, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“ Vor allem am Einzelticket für 21 Euro hatte sich die Kritik entzündet. Nach dem verregneten Frühling und ausbleibenden Besucherströmen steuerte die IGS mit Rabattaktionen gegen.

„Wir hatten uns umgeschaut, was bei anderen Veranstaltungen oder Freizeitparks genommen wird, und das wird anstandslos akzeptiert“, sagt Baumgarten. „Wir sind zu Unrecht auf Gartenschau gleich Blümchenthema reduziert worden. Die IGS ist ein Freizeitpark. Wir haben für jede Generation, für alle Wünsche etwas geboten. Das war unser Konzept. Das ist von denen, die nicht gekommen sind, nicht erkannt worden“, meint der Landschaftsplaner. Sein Job ist am Sonntag noch nicht beendet. Von Montag an wird das IGS-Gelände zurückgebaut, die Hochbahn abmontiert und eingelagert. In Etappen werde der Park freigegeben, sagt Baumgarten. Mitte nächsten Jahres sei er fertig. Ob das Areal dann als weiteres Hamburger Naherholungsgebiet angenommen wird, wird sich zeigen.

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