zur Navigation springen

Durchsuchungen in Hamburg : Internationale Enkeltrick-Bande gefasst

vom

Sie waren die Erfinder des Enkeltricks. 14 mutmaßliche Betrüger sitzen in Haft. Der Drahtzieher saß in Polen, doch auch in Hamburg schlugen die Fahnder zu.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 16:17 Uhr

Hamburg | Polizei und Staatsanwaltschaft haben eine international agierende Betrügerbande gefasst, die mit dem sogenannten Enkeltrick rund 1,5 Millionen Euro ergaunert haben soll. „Das Besondere ist, dass es uns gelungen ist, eine organisierte Bande zu zerschlagen und an die Hintermänner herangekommen zu sein“, sagte Oberstaatsanwalt Arnold Keller am Freitag in Hamburg. Die Bande, deren Hintermänner von Polen aus agierten, gelte als Erfinderin des Enkeltricks. Dabei wird älteren Menschen am Telefon vorgegaukelt, dass der Anrufer ein Verwandter sei und sich in einer Notlage befinde. Unter einem Vorwand werden die Senioren dann dazu gebracht, Geld und Wertsachen herauszugeben.

Der mutmaßliche Drahtzieher sei bereits am Dienstag in Polen festgenommen worden. Ein Haftrichter ordnete am Donnerstag Untersuchungshaft für den 46-jährigen und drei mutmaßliche Komplizen an, wie ein Sprecher der Warschauer Polizei mitteilte. Insgesamt hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hamburg am vergangenen Dienstag 170 deutsche und polnische Beamte 14 Haftbefehle vollstreckt und 30 Objekte in Hamburg, Essen, Duisburg, Gelsenkirchen und Limburgerhof sowie in Warschau, Posen, Legionowo und Lodz durchsucht. Dabei wurden Geld, Schmuck und Luxusautos sichergestellt. Die gut organisierte Bande soll nicht nur in Deutschland und Polen, sondern auch in der Schweiz und Luxemburg ältere Menschen betrogen haben.

Staatsanwaltschaft und die Abteilung für Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt Hamburg hatten bereits im November 2012 mit den Ermittlungen begonnen, als sich konkrete Hinweise auf eine mehrstufige hierarchische Organisationsstruktur ergeben hatten.

Insgesamt werde gegen knapp 50 Beschuldigte zwischen 16 und 63 Jahren in mehreren deutschen und polnischen Städten ermittelt. Die drei mutmaßlichen Haupttäter - neben dem 46-Jährigen zwei 27 und 44 Jahre alte Männer - hatten laut Polizei von Polen aus gezielt ältere Menschen angerufen. Zeichnete sich ein aus deren Sicht „erfolgreiches“ Gespräch ab, wurden Komplizen verständigt, welche zu den 55 bis 99 Jahre alten Opfern fuhren und die Beute anschließend nach Polen brachten. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist bei knapp 100 Fällen ein Sachschaden von insgesamt rund 1,5 Millionen Euro entstanden. Die höchste Schadenssummer in Hamburg gehe in den sechsstelligen Bereich, sagte Keller.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen