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Sportplätze in Eimsbüttel : In Hamburg werden sie getötet: Was hilft sonst gegen Maulwürfe?

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In Hamburg ergreifen Maulwurfsgegner drastische Maßnahmen. Es ist eine Ausnahmeregelung, aber sie gilt. Was kann man sonst noch tun?

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erstellt am 03.Mär.2015 | 11:12 Uhr

Hamburg | Es gibt haufenweise Ärger: Kaum wird es draußen etwas wärmer, werden die Maulwürfe aktiv. Überall im Norden wachsen Maulwurfshügel in die Höhe, auf öffentlichen Grünflächen, Feldern, Sportplätzen und im heimischen Garten. Doch was kann man dagegen tun? Im Hamburger Bezirk Eimsbüttel werden drastische Maßnahmen ergriffen: Maulwürfe werden vergast.

Weil die Tiere keine Schädlinge, sondern Nützlinge sind, stehen sie unter Bundesartenschutz. Laut Bundesnaturschutzgesetz darf man sie weder stören noch fangen. Vereinbar mit dem Artenschutzrecht seien allenfalls Vergrämungsmethoden, zum Beispiel der Einsatz von Gerüchen, die die Maulwürfe vertreiben. Doch in Eimsbüttel dürfen sie nun offiziell getötet werden. Der Grund: Gleich unter drei Sportplätzen des Niendorfer Turn- und Sportvereins NTSV hat ein Maulwurf den Boden ein bis zu einem Meter tiefes Tunnelsystem gegraben. Die Felder wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es besteht Einsturz- und somit auch Verletzungsgefahr.

Das Bezirksamt Eimsbüttel, die zuständige Veterinärin und die Umweltbehörde sind laut Hamburger Abendblatt eingeschaltet. Sie haben nach Möglichkeiten zur Vertreibung gesucht. Stinkende Buttersäure soll Maulwürfe vertreiben. Doch das wollte André Güldener vom Sportreferat im Bezirksamt nicht. Zu viele Menschen seien vor Ort. Die Geruchsbelästigung wäre zu stark.

Damit der Spielbetrieb nach der Winterpause aufrechterhalten werden kann, hat der Bezirk eine Ausnahmeregelung erhalten. Wenn Friedhöfe betroffen sind oder auf Sportplätzen das Verletzungsrisiko zu hoch wird, dürfen die Maulwürfe getötet werden. Dazu wird Kohlenmonoxid in die Gänge geleitet. Das „Gute“ daran: Es verfliegt hinterher und hinterlässt keine gefährlichen Rückstände, durch die andere Tiere ebenfalls sterben könnten.

Der Naturschutzbund (Nabu) Hamburg kritisiert das Vorgehen: „Bevor Maulwürfe getötet werden, müssen andere Maßnahmen ausprobiert werden“, sagt Heinz Peper, Biologe und Referent für Umweltbildung.

Doch was hilft gegen Maulwürfe?

Bewegung im Garten
Foto:imago/MITO

Der Tierschutzbund rät grundsätzlich dazu, die Maulwürfe zu akzeptieren und - wenn überhaupt - nur mit sanften Methoden zu versuchen, sie zum Verlassen des Gartens zu bewegen. Wer einen Maulwurf vom Grundstück vertreiben möchte, sollte Kinder oder große Hunde im Garten spielen lassen. Wird das wiederholt, stehen die Chancen gut, dass sich der sensible Maulwurf ein neues Revier sucht, erklärt auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Die durch das Toben entstehenden Erschütterungen vertreiben die Untergrundbewohner.

Brühe
Vor allem den Geruch von Knoblauch soll Maulwürfen ein Graus sein.
Vor allem den Geruch von Knoblauch soll Maulwürfen ein Graus sein. Foto:imago/Joana Kruse

 

Maulwürfe haben gut ausgeprägte Sinnesorgane und reagieren sehr empfindlich auf Gerüche. Man kann auch aus Zweigen vom Lebensbaum, Holunder oder Knoblauch eine Brühe ansetzen und in kleineren Mengen in die Gänge schütten. Wichtig dabei: Der Maulwurf soll und darf nicht ertränkt werden, sondern das Zeug mieft dann ziemlich und die feine Nase des Maulwurfs hält das kaum aus. Oft muss man so etwas aber mehrmals machen, ehe der Maulwurf weiter zieht.

Holzpfähle
Foto:imago/blickwinkel

 

Der Naturschutzbund empfiehlt, Holzpfähle in die Haufen zu schlagen. Mit einem anderen Gegenstand soll dann so oft wie möglich dagegen geklopft werden, bis dem sensiblen Maulwurf so richtig die Ohren dröhnen.

Leere Flaschen
Foto:imago/Westend61

 

Ein weiteres Mittel um den Maulwurf durch Lärm zu vertreiben, sind leere Flaschen. Sie werden in der Nähe der Maulwurfshügel in die Erde eingegraben, so dass der Flaschenhals knapp zehn Zentimeter herausschaut. Der Wind erzeugt nun Töne, die die Maulwürfe nicht leiden können.

Mini-Windräder
Foto:imago/MIS

Gleiches Prinzip wie bei den leeren Flaschen, nur ein bisschen hübscher: Kleine Windräder, die man mit dem Stab in einen Maulwurfshaufen steckt, sollen ebenfalls gegen Maulwürfe im Garten helfen.

Maulwurfschreck

Technikbegeisterte setzen bei der Vertreibung von Maulwürfen auf Maulwurfschrecks. Mittlerweile vielfach solarbetrieben erzeugen die Geräte Vibrationen oder Schallwellen. Das mögen Maulwürfe angeblich überhaupt nicht. Das Foto von einem Gartenbesitzer aus Lasbek im Kreis Stormarn zeigt allerdings: Maulwurf ist nicht gleich Maulwurf. Die blinden Racker haben ihren eigenen Kopf. Hier in Lasbek ist auf der Rasenfläche nur ein einziger Maulwurfshügel zu sehen – ausgerechnet dort, wo ein  spezielles  Vertreibungsgerät in der Rasenfläche steckt... 

Maulwurfsperre
Foto:imago/imagebroker

 

Gärtner Christoph Freden empfiehlt eine horizontale Maulwurfsperre. Das sind Gitter oder spezielle Gewebe aus vliesartigem Material, die unter der Rasendecke in einer Tiefe von etwa 20 Zentimetern verlegt werden. So schützen sich auch Golfplatz-Besitzer vor den buddelnden Tieren.

Durch die Sperre kann der Maulwurf die Erde nicht mehr an die Oberfläche bringen und sucht andere Wege. Anstatt Vlies kann auch einfach engmaschigen Draht verwenden. Darüber werden Erde und Rasen gelegt. „Wir haben das schon einige Male so eingebaut – danach ward kein Maulwurf in dem Garten mehr gesehen“, erklärt Freden in einem Interview.

 

Magnus Sebastian Kutz von der Umweltbehörde in Hamburg favorisiert die letztgenannte Option: In Zukunft soll eine Maulwurfssperre um die Plätze in Eimsbüttel errichtet werden.

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