Alle wollen nach Hamburg : Immer mehr Klagen auf Studienplätze

Hier sind die Plätze begehrt: die Uni Hamburg. Foto: dpa
Hier sind die Plätze begehrt: die Uni Hamburg. Foto: dpa

Die Studienplatzklagen in der Elbmetropole sind sprunghaft angestiegen. Schleswig-Holsteins Hochschulen können diesen Trend nicht bestätigen.

Avatar_shz von
18. August 2012, 12:55 Uhr

Hamburg/Kiel/Flensburg | Die Fristen sind abgelaufen, die Bewerbungen sind gezählt. In dieser Woche gehen die ersten Zu- und Absagen an Hamburgs Unis heraus. Die Zahl an Bewerbern hat mit den doppelten Abiturjahrgängen in mehreren Bundesländern und dem Aussetzen der Wehrpflicht weiter zugenommen. So haben sich an der Universität Hamburg - mit mehr als 40.000 Studenten die größte Uni in der Hansestadt - zum Wintersemester 54.495 beworben.
Doch während die Zahl der Studienbewerber von Jahr zu Jahr steigt, ändert die sich die Zahl der Studienplätze nicht wesentlich. Damit sinkt die Chance auf einen der heißbegehrten Plätze. Und immer mehr derer, die abgelehnt werden, versuchen seit Jahren, einen Studienplatz einzuklagen. Dies belegt die Antwort des Hamburger Senats auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Thilo Kleibauer. Demnach haben 961 Bewerber im vergangenen Wintersemester an einer der sieben großen Unis oder Fachhochschulen in Hamburg eine Studienplatzklage eingereicht. 2010/2011 waren es nur 681.
Hohe Erfolgsquote bei Klagen
"Immer mehr junge Menschen wenden sich an mich, um eine Studienplatzklage zu führen", bestätigt auch Jan Tobias Behnke. Der Hamburger Anwalt hat sich auf das Thema Studienplatzklage spezialisiert, bearbeitet mittlerweile rund 50 Anfragen junger Bewerber im Jahr.
Die Chancen sind gar nicht mal so schlecht. An der Hafencity Universität, die im vergangenen Wintersemester 101 Studienplatzklagen verzeichnete, lag die Erfolgsquote bei 40 bis 85 Prozent - je nach Studiengang. Die Quoten resultieren in diesem Falle alle aus Vergleichen mit der Uni. Bei 67 Studienplatzklagen für den beliebten Master in Betriebswirtschaftslehre an der Uni Hamburg lag die Erfolgsquote bei 76 Prozent.
Geringe Chancen auf Erfolg bei Medizin
Besonders viele Klagen kommen auf die medizinischen Studiengänge. 355 Bewerber reichten im Wintersemester 2011/2012 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eine Studienplatzklage ein. Im Wintersemester 2010/2011 waren es knapp 20 Prozent weniger. Doch nur drei Prozent derer waren auch erfolgreich.
Anders als in Hamburg ist bislang in Schleswig-Holstein die Anzahl der Studienplatzklagen nicht zentral erfasst worden. Aber auch im nördlichsten Bundesland wird durchaus versucht, auf dem Rechtsweg doch noch den gewünschten Studienplatz zu ergattern. So haben allein an der Kieler Christian-Albrechts-Universität seit dem Wintersemester 2009/10 insgesamt 217 Bewerber eine Klage auf einen Studienplatz eingereicht. Diese betrafen auch hier vor allem das Studium der Humanmedizin: Nach Angaben von Claudia Eulitz gab es für dieses Fach 182 Klagefälle in den vergangenen fünf Studienhalbjahren.
Keine Klagen in Flensburg
Es gibt aber auch Hochschulen, an denen es bislang nicht zu einem Rechtsstreit gekommen ist: "Bei uns hat es noch kein Verfahren auf einen Studienplatz gegeben", berichtet Torsten Haase, Sprecher der Fachhochschule Flensburg. Demnach sind hier etwa 4000 Studenten eingeschrieben - und für die Fächer Betriebswirtschaft, Regenerative Energietechniken, Energie- und Umweltmanagement sowie Maschinenbau und Medieninformatik gelte eine Zulassungsbeschränkung.
Gleichwohl gebe es in jedem Semester "so eine Handvoll Fälle", in denen die Absage des Wunschfaches für die Betroffenen eine besondere, persönliche Härte bedeute. Da versuche die Fachhochschule, dem Studieninteressenten dennoch den Wunsch des Studienortes Flensburg zu erfüllen. Haase: "Beispielsweise, indem wir anbieten, sich um ein anderes Studienfach zu bewerben."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen