Eröffnung am Montag : Ikea in Hamburg - das „unmögliche Möbelhaus“

Der Ikea-Markt in Hamburg-Altona.
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Der Ikea-Markt in Hamburg-Altona.

Am Montag öffnet Ikea die erste City-Filiale in Deutschland - zwischen Döner-Buden, Ein-Euro-Läden und Spielhallen. Lange gab es Protest gegen das Möbelhaus.

shz.de von
25. Juni 2014, 14:42 Uhr

Hamburg | „Kill Billy!“ - mit diesem Aufruf wollten linke Gentrifizierungskritiker vor fünf Jahren den ersten Ikea-Möbelmarkt in Innenstadtlage in Hamburg-Altona stoppen. Doch ehe es dem populären Regal an den Kragen ging, setzten sich die Ikea-Freunde bei einem Bürgerentscheid mit 77 Prozent der Stimmen durch und das „unmögliche Möbelhaus“ (Eigenwerbung) bekam die Baugenehmigung. „Mit weniger Zustimmung hätten wir eine andere Entscheidung getroffen“, sagte am Mittwoch Ikea-Expansionsmanager Johannes Ferber. Bei der Eröffnung am kommenden Montag sind allenfalls noch vereinzelte kritische Stimmen zu erwarten. Der jahrelange Protest ist erlahmt; die Webseite „kein-ikea-in-altona.de“ nicht mehr am Netz. Standort für das Projekt ist die Große Bergstraße in Hamburg-Altona.

In der ziemlich runtergekommenen Straße dominierten Döner-Buden, Ein-Euro-Läden, Spielhallen, Graffiti und Leerstand das Straßenbild, nachdem Karstadt als letzter Mieter aus einem Einkaufszentrum ausgezogen war. Genau dort hat Ikea für Baukosten von mehr als 80 Millionen Euro seine 48. Filiale in Deutschland hochgezogen - die dritte in Hamburg. Der Altonaer Einzelhandel hat das Projekt unterstützt, weil er sich eine Belebung der Einkaufsstraße verspricht, ebenso die Parteien in Altona, bis auf die Linke.

Wegen des innerstädtischen Standorts konnte Ikea in Altona nicht das gewohnte Konzept umsetzen; einen großflächigen Möbelmarkt mit Anschluss an die Autobahn und einem Parkplatz für 2500 Autos. Die Grundfläche in Altona war auf 10.000 Quadratmeter begrenzt, Parkraum und Zuwegungen kaum vorhanden. Entstanden ist seit dem Baustart vor zweieinhalb Jahren ein sieben Stockwerke hohes Gebäude mit 18.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, vier Parkdecks und 730 Stellplätzen.

Neu auch für Ikea: Große Schaufenster zur Straße hin und Tageslicht in der neu konzipierten Möbelausstellung. Ikea erwartet an guten Tagen 5000 bis 6000 Kunden und schafft 300 Arbeitsplätze. Obwohl die Verkaufsfläche um 20 Prozent kleiner ist als gewohnt, präsentiert Ikea das gesamte Sortiment.

Für den schwedischen Konzern, der weltweit 356 Einrichtungshäuser in 44 Ländern betreibt, ist der Citystore schon die zweite Innovation, die er im Norden Deutschlands erprobt. In Lübeck eröffnete Ikea im April unter dem Namen „Luv Shopping“ auf 50.000 Quadratmetern sein erstes Einkaufszentrum in Deutschland. Hier gibt es nicht nur Möbel, sondern in mehr als 50 Geschäften Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Bücher und Geschenkartikel. Ähnliche Einkaufszentren betreibt Ikea auch schon an einigen Standorten im Ausland; ein weiteres Projekt in Deutschland ist aber vorläufig nicht in Sicht. Grund: Es fehlt an geeigneten Grundstücken.

In Altona muss sich Ikea nun auf Laufkundschaft einstellen. „Wir gehen davon aus, dass jeder zweite Kunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Einkaufen kommen wird“, sagte Ikea-Manager Christian Mollerus. Also gibt es zahlreiche Stellplätze für Fahrradfahrer, öffentlich zugängliche Fahrradpumpen und Schließfächer für Fahrradhelme. Zudem hat sich Ikea ein ausgeklügeltes Lieferkonzept für den Nahbereich einfallen lassen. Es reicht von der taggleichen Lieferung auch von Kleinartikeln bis hin zum Verleih von Lastenfahrrädern und Fahrradanhängern. Und in der ersten Woche hält der Konzern für die Kunden ein Extra-Goodie bereit: Die Ikea-Kaufquittung ist ein Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr und die Rückfahrt nach Hause.

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