Wahlkampf in Hamburg : "Ich habe schlichtweg zu wenig Zeit gehabt"

Christoph Ahlhaus. Foto: dpa
Christoph Ahlhaus. Foto: dpa

CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus steht die Abwahl ins Haus - er kämpft trotzdem.

Avatar_shz von
17. Februar 2011, 09:43 Uhr

Hamburg | Jedem anderen würde der Gag gelingen: Wenn Hamburgs CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus über die SPD mäkelt, bemüht er gern das Bild einer durchgeschüttelten Flasche lauwarmen Sekts. "Oben sitzt Olaf Scholz als Korken. Und der geht am 20. Februar hoch." Doch die Häme für den Gegner wird zum Eigentor. Unwillkürlich überlegt sich der Zuhörer ein Getränk, das den Zustand der unglückseligen Elb-Union beschreibt. Ein abgestandenes Alsterwasser? Am Zapfhahn stünde dann ein überforderter Chef.
Irgendwie symptomatisch. Was Ahlhaus im Wahlkampf auch versucht, punkten kann er nicht. In Umfragen liegt er meilenweit hinter der SPD von Olaf Scholz. Der 41-Jährige ist der falsche Mann am falschen Platz zur falschen Zeit. Und er weiß es. Er erfährt am eigenen, stämmigen Leib, dass Bürgerschaftswahlen tendenziell Bürgermeisterwahlen sind. Als Herrn im Rathaus wollen die Bürger den aus Heidelberg Zugereisten nicht mehr sehen.
Es gilt, das Desaster in Grenzen zu halten
Dabei bringt der gelernte Banker und Jurist nützliche Politiker eigenschaften mit. Ahlhaus ist fleißig, kompetent, zupackend, durchsetzungsstark. Eben kein tolpatschiger Haudrauf. Charisma mag ihm abgehen, doch im kleinen Kreis kann Ahlhaus rhetorisch überzeugen, zumal ihn die Gabe sanfter Selbstironie auszeichnet.
Selbst auf verlorenem Posten steckt der Titelverteidiger nicht auf. "Wir wollens wissen", sagt er immer noch trotzig. Es gilt, das Desaster in Grenzen zu halten. Nach der Niederlage soll vor dem Sieg sein. Der 41-Jährige will seine Karriere fortsetzen - am liebsten wohl in Hamburg.
Seine absehbare Abwahl sieht der Fünf-Monats-Bürgermeister als unverschuldete Tragik. "Ich habe schlichtweg zu wenig Zeit gehabt, um zu zeigen, wofür Christoph Ahlhaus steht", sagt der Nachfolger Ole von Beusts. Tatsächlich startete Ahlhaus mit dem Ballast eines entzauberten schwarz-grünen Experiments. Wahr ist aber auch: Seine kleine Chance hat Ahlhaus mit einer Fehlerserie verstolpert. Darunter Stilbrüchiges, etwa die missratenen Klatschfotos mit Gattin in monarchischer Pose. Vor allem aber verzockte sich der CDU-Frontmann als Wendehals. Von Primarschule bis Stadtbahn: Was die Union unter Schwarz-Grün beschlossen hatte, soll nun grundfalsch sein. Seither ist Ahlhaus ein wandelndes Glaubwürdigkeitsproblem.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen