Kostenloser ÖPNV gefordert : HVV für lau: "Illusorisch"

Organisiertes Schwarzfahren: Auf Handzetteln ist ein improvisierter 'HVV-Freifahrtschein' abgedruckt. Foto: Jahr
Organisiertes Schwarzfahren: Auf Handzetteln ist ein improvisierter "HVV-Freifahrtschein" abgedruckt. Foto: Jahr

Ein Aktionsbündnis ruft am ersten Mai zum Schwarzfahren in Bus und Bahn in Hamburg auf. Gefordert wird ein kostenloser Nahverkehr. Die Verkehrsbetriebe sehen das gelassen.

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25. April 2012, 12:08 Uhr

Hamburg | Bus und Bahn fahren in Hamburg und dem schleswig-holsteinischen Umland, ohne einen Cent dafür zu zahlen? Was abstrus klingt, erhebt die Initiative "HVV umsonst" zur politischen Forderung.
Für den 1. Mai hat das Aktionsbündnis aus linken Gruppen und Umweltaktivisten den ersten "ticketfreien" Tag im Hamburger Verkehrsverbund ausgerufen. Die Initiatoren wollen kommenden Dienstag "das Recht auf einen freien öffentlichen Personennahverkehr verwirklichen".
Kundgebung am St. Pauli Fischmarkt
Nach Abschluss der DGB-Mai-Kundgebung am St. Pauli Fischmarkt soll es "ohne Ticket, dafür mit viel Tamtam", zur Euromayday-Parade nach Altona gehen. Auf Handzetteln ist ein improvisierter "HVV-Freifahrtschein" abgedruckt. Initiatorin Janine Fischer begründet den Gratis-ÖPNV mit ökologischen, vor allem aber mit sozialen Überlegungen: "Es gibt einen unübersehbaren Zusammenhang zwischen der Einkommenssituation und der Teilhabe an Mobilität." Viele ärmere Menschen könnten sich Bus- und Bahnfahren nicht mehr leisten. Eine HVV-Sprecherin reagierte gelassen. "Wir werden das beobachten", so Gisela Becker. Sie ließ offen, ob der HVV am 1. Mai mehr Kontrolleure in Marsch setzen wird.
Der "ticketfreie Tag" markiert den bisherigen Höhenpunkt der neu aufgeflammten Diskussion um eine kostenlose Nutzung des HVV in und um Hamburg. Gestützt wird die Forderung durch eine Studie im Auftrag des Hamburger Zukunftsrates, die einen kostenlosen Nahverkehr für machbar hält. Erklärtes des Zukunftsrates: "Wir wollen die Forderung ,HVV - Gratis - für alle! auf die politische Agenda in Hamburg setzen."
SPD winkt energisch ab
Die Gutachter empfehlen zwei Modelle: Zahlt jeder Bewohner im HVV-Gebiet 187 Euro für ein Jahresticket, kämen jene 640 Millionen Euro zusammen, die der Verbund alljährlich an Fahrscheineinnahmen erzielt. Die Alternative wäre laut Studie eine vollständige Finanzierung aus Steuermitteln. Fazit der Autoren: "Jeder Hamburger zahlt über Steuern und Abgaben wesentlich mehr für den Autoverkehr, als ein kostenloser ÖPNV kosten würde."
Unterstützung im politischen Raum gibt es bisher indes nur von Piraten und der Links-Partei. Hamburgs regierende SPD winkt dagegen energisch ab. Angesichts von Schuldenbremse und Sparzwang sei mehr als eine halbe Milliarde Euro zusätzlich für den HVV illusorisch. Auch HVV-Sprecherin Becker schüttelt den Kopf: "Das Ganze ist eine Milchmädchenrechnung."

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