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Fernbahnhof Diebsteich : „Hundehütten“ – Hamburger sind entsetzt über Bahnhofspläne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Streit um die Gestaltung des Fernbahnhofes Hamburg Diebsteich: Die Bahn strebt eine „funktionale Lösung“ an.

Hamburg | Einen neuen Fernbahnhof bekommt auch Hamburg nicht jeden Tag. Umso mehr wünscht die Stadt für das Jahrhundertprojekt in Diebsteich eine ansprechende Gestaltung. Doch die Deutsche Bahn als Bauherr neigt zu einer funktionalen, kostengünstigen – und damit wenig ansprechenden Schlicht-Version. Die acht Ferngleise sollen lediglich einfache Dächer erhalten. Hamburgs Politiker und Stadtplaner sind tief enttäuscht, sprechen von „08/15-Architektur“. Oberbaudirektor Jörn Walter entfuhr bei Ansicht der ersten Pläne das Urteil: „Ein Hundehütten-Komplex.“

Bahnprojektleiter Bernd Homfeldt hatte im Planungsausschuss der Bezirksversammlung Altona für Ernüchterung gesorgt. „Das werden 405 Meter lange Bahnsteige, da kommt ein Dach drauf und das war’s dann auch schon.“

Laut Thomas Adrian, SPD-Fraktionsvorsitzender im Bezirk, werde ein solch reduzierter Bau Altona nicht gerecht. „Es kann nicht sein, dass ein neuer Fernbahnhof selbst hinter dem Erscheinungsbild der S-Bahnstation Holstenstraße zurückbleibt.“ Zwar solle in Diebsteich keine große Bahnhofhalle als Handelsstandort entstehen, das bestehende Zentren schädigen würde. Aber: Der neue Fernbahnhof müsse „ökologisch und attraktiv“ ausfallen und dabei Maßstäbe setzen für eine „moderne, nachhaltige Mobilität, die Verkehrsmittel intelligent vernetzt“.

Auch alle anderen Parteien in Altona lehnen den Bahn-Entwurf rundweg ab. Im Namen der Bezirksversammlung fordert deren Vorsitzender Frank Toussaint (SPD) einen internationalen Architektenwettbewerb. Gut vorstellen kann sich der Bezirk unter anderem Solarzellen auf dem Dach. Als architektonisches Vorbild gilt unter anderem der Bahnhof Berlin-Spandau. Der mit 432 Metern längste Hallenbahnhof Deutschlands ist mit einer freitragenden, netzartigen Glaskonstruktion überspannt. Der Entwurf stammt vom renommierten Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner.

Diebsteich soll ab 2023 den bisherigen Kopfbahnhof Altona als Haltepunkt für Fernzüge ersetzen. Dazu soll die rund zwei Kilometer nördlich gelegene S-Bahnstation zum Fernbahnhof ausgebaut werden; vorgesehen sind dort sechs Gleise für Fern- und Regionalbahnen in Richtung Pinneberg, Sylt und Kiel sowie zwei S-Bahngleise.

Es werde eine „wirtschaftlich funktionale Lösung“ geben, stellt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis klar. Außer Bahnsteigdächern gehörten dazu auch „nötige Einrichtungen wie Reisezentrum und Servicebereiche“. Heißt: Die Bahn zahlt das Nötigste, wünscht Hamburg am Diebsteich ein Schmuckstück, muss die Stadt die zusätzlichen Kosten selbst tragen.

Eine solche finanzielle Beteiligung schließt die Stadtentwicklungsbehörde aus. Dort heißt es aber zugleich, das letzte Wort in Sachen Bahnhofsgestaltung sei längst nicht gesprochen. Derzeit liefen Gespräche zwischen Stadt und Bahn. Daraus werde ein erster ausführlicher Bauentwurf resultieren, der im kommenden Jahr vorliegen soll.

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erstellt am 30.Sep.2014 | 08:08 Uhr

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