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Fussball-Bundesliga : HSV feiert die Niederlage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kurioser Abstiegskampf: Trotz des 1:4 gegen Bayern München sind die Chancen des HSV auf das Erreichen des Relegationsplatzes gestiegen.

von
erstellt am 05.Mai.2014 | 10:33 Uhr

Hamburg | Die Profis des Hamburger SV haben längst Routine darin, Fußballspiele zu verlieren. Und was für eine: Das 1:4 (0:1) im eigenen Stadion gegen den Deutschen Meister FC Bayern München war bereits die 20. Pleite im 33. Saisonspiel der Fußball-Bundesliga für den akut abstiegsgefährdeten Traditionsclub. Dennoch war diesmal alles ganz anders als bei den 19 Schlappen zuvor. Keine Pfiffe, keine Brandreden, keine Schuldzuweisungen. Es war, in diesem Punkt herrschte unter sämtlichen Beteiligten grundsätzliche Einigkeit, die erste schöne Niederlage in dieser insgesamt so missratenen Spielzeit. Die Fans verabschiedeten das HSV-Team mit anerkennendem Applaus und „Niemals 2. Liga“-Gesängen in die Katakomben. Torwart Rene Adler sagte: „Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, macht mir Mut für das Saisonfinale.“ Und Trainer Mirko Slomka schwärmte: „Aus dieser Partie können wir viele gute Erkenntnisse mitnehmen.“

Hamburg feiert eine 1:4-Niederlage. Das wirkt auf den ersten Blick befremdlich, ist bei genauerer Betrachtung aber sogar einleuchtend. Denn gegen den übermächtigen Branchenprimus aus München hatte sich ohnehin kein Hamburger eine Chance ausgerechnet. Zudem setzte der HSV dem Rekordmeister lange Zeit – wider Erwarten – heftig zu, eine um mindestens ein Tor knappere Niederlage hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Und vor allem: Die Konkurrenten im Abstiegskampf, der 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig, verloren zeitgleich ebenfalls – womit sich die Chancen der Hanseaten auf den Klassenverbleib unstrittig erhöht haben. „Wir haben weiterhin die Möglichkeit, aus eigener Kraft den Relegationsplatz zu erreichen“, stellte Slomka ebenso zufrieden wie zutreffend fest.

Die Ausgangslage vor dem letzten Bundesliga-Spieltag: Hamburg (Tabellen-16., 27 Punkte), Nürnberg (17., 26) und Braunschweig (18., 25) stehen am Sonnabend ausnahmslos vor diffizilen Auswärtsaufgaben – in Mainz, auf Schalke, in Hoffenheim. Sollte der wahrscheinliche Fall eintreten, dass alle drei Abstiegskandidaten nicht gewinnen, hätte der HSV Rang 16 quasi ohne eigenes Zutun verteidigt – und sich somit in die Relegationsspiele gegen den Tabellendritten der 2. Liga gerettet.

Die Leistung gegen die Bayern hat in Hamburg jedoch die Hoffnung genährt, den ersten Abstieg der Clubgeschichte noch aus eigener Kraft verhindern zu können. „Wenn wir so auftreten, gewinnen wir in Mainz“, befand Ivo Ilicevic nach der Pleite gegen den Rekordmeister. Vor allem in der ersten Halbzeit hatten die ersatzgeschwächten Hanseaten den Favoriten mit mutigem Pressing vor Probleme gestellt, die Münchner Führung durch Mario Götze (32.) war unverdient. Nach dem Wechsel schwand bei den Gastgebern neben der Kraft aber auch der Glaube an die Sensation. Die Folge waren weitere Bayern-Treffer durch Thomas Müller (55.), Götze (69.) sowie Claudio Pizarro (75.). Für den HSV reichte es vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena im Volkspark lediglich zum zwischenzeitlichen 1:3 durch Hakan Calhanoglu (72.).

„Hätten wir immer so gespielt, hätten wir sicherlich ein paar Punkte mehr auf dem Konto“, meinte Sportchef Oliver Kreuzer, und vermutlich hat er recht. So aber muss der einst große und aktuell am Abgrund stehende HSV weiter verzweifelt hoffen: auf die Rückkehr seines verletzten Torjägers Pierre-Michel Lasogga; auf einen Überraschungscoup in Mainz oder weitere Pleiten der Konkurrenz; und schließlich auf eine erfolgreiche Relegation.

Der HSV in der Einzelkritik
Adler:
Leistete sich diesmal zwar keinen kapitalen Aussetzer, agierte aber auch nicht fehlerfrei. Note: 4
Diekmeier: Ging angeschlagen in die Partie, machte seine Sache ganz ordentlich. Note: 3-
Westermann: An ihm lag’s nicht,  stark  im  Zweikampf. Note: 3
Mancienne: Rettete mehrfach in höchster Not. Neben Calhanoglu bester Hamburger. Note: 2
Jiracek: Technisch und taktisch überfordert. Dass    er  als Linksverteidiger eine Notlösung ist, war nicht zu übersehen. Note: 5
Tesche: Kein Totalausfall. Aber weit davon entfernt, der Partie seinen Stempel aufzudrücken. Note: 4
Badelj: Ließ zum wiederholten Mal einen Mangel an Robustheit erkennen und tauchte weitgehend ab. Note: 5
Rincon: Fiel  hauptsächlich durch unnötige Fouls auf. Note: 5
van der Vaart: Im Vergleich zu seinen letzten Katastrophenauftritten mit einem zarten Aufwärtstrend. Und mit exakt einem ordentlichen Torabschluss. Immerhin. Note: 4
Calhanoglu: Wenn in der Offensive etwas klappte, war er fast immer beteiligt. Demonstrierte einmal mehr, dass er mit einer phänomenalen Schusstechnik gesegnet ist. Note: 2
Ilicevic: Schlug sich anständig als Not-Stürmer. Note: 3-
John (ab 60.): Bewies erneut zwei Dinge: Dass er schnell laufen kann. Und dass er kein Selbstvertrauen mehr hat. Note: 5
Demirbay (ab 67.): Nach seinem Tete-a-Tete mit Boateng  sah  der Bayern-Star   Rot  (86.). Ansonsten unauffällig. Note: 4
Tah (76.): Durfte noch unter Beweis stellen, dass er über ein ausgezeichnetes Kopfballspiel verfügt. Note: -

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