Vier Tote in Hamburg : Horrorunfall kostet vier Menschenleben

Schwerer Unfall in Hamburg: Vier Menschen sind ums Leben gekommen, als ein Kleinwagen nach einem Unfall auf den Fußweg schleuderte. Foto: dpa
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Schwerer Unfall in Hamburg: Vier Menschen sind ums Leben gekommen, als ein Kleinwagen nach einem Unfall auf den Fußweg schleuderte. Foto: dpa

Vier Menschen sind ums Leben gekommen, als ein Kleinwagen auf den Fußweg schleuderte. Gegen den Todesfahrer ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung.

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15. März 2011, 10:59 Uhr

Horror-Unfall mit prominenten Opfern: Der Sozialwissenschaftler Günter Amendt, der Schauspieler Dietmar Mues und seine Ehefrau sowie die Bildhauerin Angela Kurrer sind in Hamburg von einem Auto getötet worden. Die vier Opfer haben nicht den Hauch einer Chance: Ein Mann, vermutlich unter Drogeneinfluss, rast am frühen Sonnabendabend im Stadtteil Eppendorf mit seinem Auto bei Rot über eine Ampel und schleudert in eine Gruppe Fußgänger, die dort arglos wartet. Weitere Passanten werden leicht verletzt. Bevor der Unfallverursacher auf den Gehweg rast, rammt er ein anderes Auto. In dem anderen Wagen sitzen der Schauspieler Peter Striebeck und seine Ehefrau Ulla. Das Paar kommt leicht verletzt ins Krankenhaus.
Gegen den Todesfahrer ermittelt die Polizei jetzt wegen fahrlässiger Tötung. Das sagte Polizeisprecher Andreas Schöpflin am Montag. Bisher habe der 38-Jährige zu dem Unfall geschwiegen.
Die prominenten Opfer werden erst am Sonntag bekannt. Doch auch davor löst der Unfall breites Entsetzen aus. Zahlreiche Menschen legen an der Unglücksstelle Blumen nieder und zünden Kerzen an. Mit dem Unfall am Samstag kurz vor 17 Uhr wird genau das grausam Realität, was wohl jeder Fußgänger, der an einer Ampel wartet, schon mal befürchtet hat: Ein Autofahrer verliert die Kontrolle und rast auf den Gehweg.
Großaufgebot der Rettungskräfte
Der 38-Jährige fährt über die große Kreuzung in dem sehr belebten Viertel, prallt gegen Striebecks Wagen, überschlägt sich, mäht Poller und einen Papierkorb-Mast nieder und begräbt den 71 Jahre alten Amendt unter sich. Der Sozialwissenschaftler, der als "Sexfront"-Autor und Drogenexperte bekannt war, der 65 Jahre alte Schauspieler Mues sowie die ebenfalls 65-jährige Bildhauerin Kurrer sterben noch an der Unfallstelle.
Mit einem Großaufgebot eilen die Rettungskräfte zur Unfallstelle: Vier Notärzte, der Großraumrettungswagen der Feuerwehr, die Besatzungen von 19 Funkstreifenwagen und der Polizeihubschrauber sind im Einsatz. Die Retter versuchen noch, Amendt, Mues und Kurrer wiederzubeleben - aber die Verletzungen sind zu schwer. Mues’ Ehefrau wird noch ins Krankenhaus gebracht, doch auch sie stirbt wenig später. Notfallseelsorger kümmern sich um Beteiligte und Zeugen.
Anwohner reagieren nach dem entsetzlichen Unfall geschockt: "Es gab einen lauten Knall", sagt der 64 Jahre alte Pierro Rossini. "Ich habe gerade Fußball geguckt und dachte, ein Haus ist eingestürzt oder etwas ist explodiert." Er habe sich sofort seine Jacke geschnappt, sei nach draußen gerannt und habe das Unglück gesehen: "Mehrere Menschen lagen auf dem Fußweg, man hörte laute Schreie", beschreibt er den furchtbaren Anblick. Fahrräder hätten herumgelegen, und auch ein Kinderwagen. "Ich habe so etwas noch nicht gesehen", sagt der Mann, der seit 32 Jahren in dem Stadtteil lebt. Hinter Absperrbändern schauen zahlreiche Eppendorfer zu - erschrocken über das, was sie sehen. Unter ihnen Maria G., die bereits das Schlimmste befürchtet: "Diese weißen Bettlaken, mit denen die Rettungskräfte alle verdecken, sind ja schon ein schlechtes Zeichen."
Drogen-Schnelltest: positiv
Viele wissen da noch nicht, dass prominente Bürger ihrer Metropole gestorben sind: Dietmar Mues arbeitete zwölf Jahre am Schauspielhaus Hamburg. Davor war er von 1968 bis 1970 am Theater Kiel engagiert. Und in diesem Jahr war der 65-jährige Schauspieler auch für das Schleswig-Holstein Musik Festival gebucht. Am 12., 13. und 14. Juli sollte Mues auf Föhr, in Heide und in Hamburg-Blankenese aus den "Erinnerungen" des südamerikanischen Journalisten Natalio Gorin lesen.
Und auch dieses Opfer lebte in der Hansestadt: Der 71 Jahre alte Sozialwissenschaftler Günter Amendt war in 1970er-Jahren Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sexualforschung, mit den Bestsellern "Sexfront" und "Das Sex-Buch" wurde er bekannt.
Für mehrere Stunden bleibt die Kreuzung im Stadtteil Eppendorf gesperrt. Die Ermittler der Polizei sichern am Ende die Spuren - und veranlassen einen Drogentest bei dem Unfallfahrer. Der Mann selbst ist nur leicht verletzt. Auf das Ergebnis des Bluttests müsse man noch warten, damit sei nicht mehr am Wochenende zu rechnen, sagt Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Doch das Ergebnis des Schnelltests im Urin liegt der Polizei bereits vor - Ergebnis: positiv. Es wurde der Wirkstoff THC nachgewiesen worden, der in Haschisch oder Marihuana enthalten ist. Daraus lasse sich aber nicht ableiten, wie viel Rauschgift er genommen habe, erklärte Polizeisprecher Schöpflin - und wie lange der Drogenkonsum her war.
(dpa, mas, shz)

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