Aus Frust über HSV-Plus : HFC Falke: Entsteht hier ein neuer Traditionsverein?

Enttäuschte Fans gründen nach der Abstimmung über HSV-Plus den HFC Falke e.V.
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Enttäuschte Fans gründen nach der Abstimmung über HSV-Plus den HFC Falke e.V.

Der Profifußball beim HSV ist im Umbruch. 15 enttäusche HSV-Anhänger wollen die Entwicklung zu einem Kapital- und Eventverein nicht mittragen. Sie gründen einen neuen Traditionsverein: Den HFC Falke e.V.

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11. Juni 2014, 10:54 Uhr

Hamburg | „Der Fußball hat uns geprägt. Jahre, ja sogar Jahrzehnte verfolgen wir die Spiele in den Stadien dieser Welt“. So beginnt eine emotionale Nachricht auf der erst am 6. Juni gegründeten Fanpage des Hamburger Fußball-Club Falke e.V., einem Verein, der sich derzeit in der Gründungsphase befindet. „Wir haben Freude mit Hunderten und Tausenden von Menschen geteilt und schmerzhafte Niederlagen einstecken müssen. Freunde haben wir gefunden, Menschen, mit denen wir die Leidenschaft teilen durften und wunderbare Zeiten erlebt haben...“, heißt es in der Nachricht weiter.

Was die 15 Gründer des neuen Vereins bewegt, ist die „allgemeine Entwicklung des professionellen Fußballs“. In den letzten 15 Jahren habe diese nach Meinung der Verantwortlichen auch „unsere Heimat“ eingeholt. Im modernen Fußball würden Rechte an Stadiennamen verkauft und Vereinsnamen geändert. Es würden Vereinsanteile veräußert und Politiker würden den Fußball als Wahlplattform nutzen, schreiben die Betreiber der Facebookseite. Der professionelle Kick habe sich entfremdet und zu einem Event- und Kapitalmonster entwickelt.

Für viele HSV-Fans ist die Schmerzgrenze überschritten. Die Antwort auf die Frage, was man jetzt tun sollte, beantworten sich die Gründer des neuen Vereins nun selbst. Resignation aufgrund der dezeitigen Entwicklung: Ja! Liebe zum Sport: Ja! Liebe zum Vereinsleben: Ja! Das ist ein dreimaliges und eindeutiges „Ja!“ zur Veränderung und zur Gründung eines neuen Vereins: Den HFC Falke e.V.

Warum HFC Falke? Der Name ist eine Hommage an die damaligen Gründungsvereine des Hamburger SV. Aus dem Hamburger FC 88 und dem FC Falke 06 entstand 1919 zusammen mit dem SC Germania 1887 der HSV.  Alle Menschen, die nach der Mitgliedervollversammlung und der Ausgliederung der Profisparte des HSV Fußball in ein „Loch“ gefallen sind, sollen hier eine neue emotionale Heimat finden. Und das ohne Einschränkungen. Die Macher hinter der Idee HFC Falke e.V. wollen jedoch niemanden ausschließen. Jeder solle weiterhin zu HSV-Spielen gehen – mit oder ohne Dauerkarte. Wer sich der Sache jedoch verbunden fühlt, der sei herzlich willkommen. Für den in der Gründungsphase befindlichen HFC Falke ist eines klar: Es ist ein positives Zeichen, ein Start in eine neue und hoffentlich bessere Zukunft. Mit dem HFC Falke e.V. wollen die Gründer einen „steinigen Weg gemeinsam gehen [...] und uns das wieder zurückholen, was wir glauben verloren zu haben: Die Liebe zum Sport.“

Diese Zukunft wird nach den Plänen aber ganz unten anfangen. In der Kreisklasse soll ab 2015/2016 eine eigene Mannschaft am Ligabetrieb teilnehmen. In den nächsten Wochen laufen die Vorbereitungen für die Vereinsgründung an. Ab 19. Juni, so die Verantwortlichen, soll diese Idee in die Tat umgesetzt werden. Der 19. Juni steht hierbei für das Gründungsjahr des von Falke 06. Danach wird es dann am 13. Juli zu einer Gründerversammlung auf Hamburger Boden kommen. Ort und Zeit sind bislang noch nicht bekanntgegeben worden. Als kleines Bonbon für die Teilnehmer gilt jeder, der an der Gründerversammlung teilnimmt und Mitglied wird, als Gründer des HFC Falke. Eine erste Mitgliederversammlung ist bereits für Ende August/Anfang September geplant. Auf Facebook sammelten die Ideengeber für den HFC Falke mittlerweile 1700 Sympathisanten und es werden sicherlich noch einige mehr.

Die Idee hinter Vereinsgründungen von Fans ist nicht neu. Fan-Vereine heißen AFC Wimbledon oder FC United of Manchester. Sie alle reagierten aus Frust über Veränderungen im eigenen Club mit der Gründung eigener Clubs. Ein eigener Verein mit eigenen Regeln lautet das Ziel.

Als im Mai 86,9 Prozent der anwesenden 9702 Mitglieder bei der Versammlung im HSV-Stadion für die Ausgliederung der Fußballsparte stimmten und nur 13,1 Prozent dagegen waren, begann eine neue Zeit beim HSV. Eine Zeit, bei der einige Fans nun nicht mehr mitmachen wollen. Gereicht hätten für HSV Plus damals übrigens bereits 75 Prozent. „Ich bin überwältigt“, sagte damals Ernst-Otto Rieckhof, der Initiator von HSV Plus und meinte: „Es ist nicht nur Feiern angesagt, es ist auch Demut dabei.“

Was die Entscheidung Ende Mai für die Zukunft des HSV bedeutet? HSV Plus als Fußball-AG öffnet sich für Investoren, wie den Milliardär Klaus-Michael-Kühne. Er will nach eigenem Bekunden rund 20 Millionen Euro in den Verein stecken. Neben der Befürchtung des HFC Falke, dass der Profifußball und der HSV nun weiter zu einem „Kapitalmonster“ verkommen, ist nicht unbegründet, gaben doch die Fans in der Hoffnung auf Kapitalzufluss und Rettung des 127-jährigen Traditionsvereines ein wertvolles Gut auf: ihr Mitspracherecht. Großes Vorbild ist der FC Bayern. Nach der katastrophalen Saison mit dem Beinahe-Abstieg des einstigen Europacup-Siegers war die Bereitschaft der Fans zur Ausgliederung gestiegen.

Durch den Totalumbau der Gremien wird Carl Jarchow - bis dato Vereinsvorsitzender - arbeitslos. Neuer Vorsitzender wird der frühere HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer, der von seinem bisherigen Arbeitgeber Zenit St. Petersburg in Kürze seine Freigabe erhalten dürfte. Auch sonst wird sich die Vereinsstruktur grundlegend ändern.

Gegenwind erhalten die HSV-Plus-Befürworter nicht nur von den Gründern des HFC Falke. Bereits im Mai äußerte sich das amtierende Aufsichtsratsmitglied Christian Strauß. „Diese Ausgliederung ist eine Total-Enteignung des eingetragenen Vereins“, rief Strauß und erntete kaum Beifall. Der Verkauf des Vereins sei „von langer Hand vorbereitet“. Er habe schon lange nicht mehr so viele Mogelpackungen gelesen wie den Ausgliederungsbericht, behauptete Strauß. Anstatt vieler Worte ist der HFC Falke eine Art des kreativen Protests, eine Tat als Antwort gegen den Ausverkauf eines Vereins und die Entwicklung des Profifußballs nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland und Europa. Sollte der HFC Falke auch nur eine Randnotiz bleiben, die Nachricht dürfte zumindest wahrgenommen worden sein. 

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