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Prozess wegen Ausbeutung : Haushälterin aus Ecuador: Erniedrigung statt Lohn

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Ein Hamburger Ehepaar soll eine junge Frau aus Ecuador nach Deutschland gelockt und als Haushaltshilfe ausgebeutet haben. Dafür muss es sich seit Mittwoch vor Gericht verantworten. Die 22-Jährige war nicht nur für den Haushalt zuständig.

Hamburg | Sieben Tage Arbeit pro Woche, kein Urlaub und auch kein Geld - unter diesen Bedingungen soll eine junge Frau aus Ecuador eineinhalb Jahre lang für ein Hamburger Ehepaar gearbeitet haben. Wegen ausbeuterischen Menschenhandels und des Vorenthaltens von Lohn muss sich eine 42 Jahre alte Frau seit Mittwoch vor dem Amtsgericht Hamburg-Barmbek verantworten. Ihr zwei Jahre älterer Mann ist wegen Beihilfe angeklagt. Am ersten Verhandlungstag ließ das Paar über ihre Anwälte den Vorwurf des Menschenhandels zurückweisen. Es räumte jedoch ein, gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen und Sozialabgaben nicht abgeführt zu haben.

„Ich habe mich wie ein minderwertiger Mensch gefühlt“, sagte die junge Ecuadorianerin im Zeugenstand. Bereits in Ecuador hatte sie als Haushälterin für die angeklagte 42-Jährige gearbeitet. Vor dem Umzug nach Deutschland versprach diese ihrer Angestellten 200 Euro Gehalt plus einen monatlichen Bonus über 600 Euro. Das Geld sollte die 22-Jährige nach ihrer Rückkehr nach Ecuador erhalten. Im Falle einer Kündigung hätte die Ecuadorianerin laut Arbeitsvertrag jedoch ihren Anspruch auf diesen Bonus verloren.

Im Juni 2009 reiste die damals 18-Jährige mit einem Touristenvisum nach Deutschland und zog zur Familie in ein Haus in Hamburg-Volksdorf. Im Keller bezog sie ein eigenes Zimmer mit Bad. „15 Monate schlief ich auf einem Sofa“, sagte die junge Frau. Erst danach habe sie ein Bett bekommen. Neben dem Haushalt war sie auch für das Essen, Einkäufe und die Kinder des Paares zuständig. „Meine Arbeitszeit begann um 6.00 Uhr“, erklärte die 22-Jährige. Sie habe nicht nur im Haushalt des Ehepaares, sondern auch bei den Eltern, der Schwester sowie einer Bekannten des Angeklagten aushelfen müssen.

Vor Gericht schilderte die 22-Jährige mehrere Vorfälle, in denen sie sich schlecht behandelt gefühlt habe. So musste sie im Urlaub in Italien im Kofferraum mitfahren, da es keinen Sitzplatz für sie gab. Im Restaurant habe sie als einzige mitgebrachte Brote essen müssen. „Da habe ich mich richtig geschämt.“ Ihren Reisepass habe sie trotz Nachfrage nicht von der Angeklagten erhalten. Im Dezember 2010 zog die Ecuadorianerin heimlich aus. Laut Staatsanwalt hatte sie zu diesem Zeitpunkt lediglich 119,45 Euro von den Angeklagten bekommen.

„Das ist ein sehr ungewöhnlicher Fall“, sagte die Vorsitzende Richterin zu Beginn der Verhandlung. Wenn es um Menschenhandel gehe, lasse sich nicht unbedingt erwarten, dass es einen Arbeitsvertrag im Heimatland gebe und die Betroffenen einen Haustürschlüssel hätten oder Klavierstunden erhielten. „Ich habe keinen dringenden Tatverdacht“, sagte die Richterin. Der Prozess wird Ende Oktober mit der Zeugenaussage der jungen Frau fortgesetzt.

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erstellt am 16.10.2013 | 17:30 Uhr

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