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Hamburg-Jenfeld : Hausbewohner erschießt mutmaßlichen Einbrecher – offenbar aus Notwehr

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Ein Hamburger hat einen Mann getötet, der offenbar in sein Haus einbrechen wollte. Nicht der erste Einbruch, der tödlich endet.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2015 | 16:50 Uhr

Hamburg | Ein Hausbewohner hat in Hamburg einen mutmaßlichen Einbrecher erschossen. Der Tote wurde in der Nacht zu Mittwoch etwa 200 Meter von dem Haus entfernt gefunden. Die Staatsanwaltschaft Hamburg und die Mordkommission nahmen den 63-jährigen Hauseigentümer vorläufig fest. Die Staatsanwaltschaft sieht aber Anhaltspunkte dafür, dass der Mann in Notwehr gehandelt hat.

Nach jetzigem Ermittlungsstand klingelten zwei unbekannte Männer an der Haustür des Einfamilienhauses und fragten den Hauseigentümer, ob „hier gerade ein Krankenwagen“ war. Als der Hauseigentümer dies verneinte, seien die Männer gegangen. Etwa 15 Minuten später hätten dann diese zwei Männer erneut an der Tür geklingelt. Als der Hauseigentümer die Tür öffnete, war diese noch mit einem Türriegel gesichert. Die Täter traten nun die Tür ein. Ein Täter drang in den Wohnungsflur. Der Hauseigentümer gab daraufhin einen Schuss auf den 25-jährigen Mann ab. Auf welchen Körperteil er zielte, will die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. Auch auf die Frage, ob der Hamburger schon bewaffnet an die Tür ging, gab die Polizei keine Antwort.

Beide Männer flüchteten sofort in Richtung Kuehnstraße. Der Verletzte brach an der Kreuzung Jenfelder Allee/Kuehnstraße zusammen. Eine sofortige notärztliche Versorgung konnte den Mann nicht mehr retten. Er starb an noch vor Ort. Der 25-Jährige soll etwa zwei Meter groß und bereits polizeibekannt gewesen sein.

Der Hauseigentümer verständigte über den Notruf die Polizei. Er wurde vor Ort von Beamten des Polizeikommissariats 38 vorläufig festgenommen und der Mordkommission übergeben. Die Staatsanwaltschaft Hamburg sieht zur Zeit keine Voraussetzung für einen Haftbefehl. Der 63-Jährige wurde nach Vernehmung und erkennungsdienstlicher Behandlung von der Polizei entlassen. „Wir sehen Anhaltspunkte für Notwehr“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ob auch die Einbrecher bewaffnet waren, konnte sie nicht sagen. Die Polizei schloss dies nicht aus. Ob der 63-Jährige seine Pistole legal besaß, blieb ebenfalls unklar. „Dazu sagen wir nichts“, erklärte eine Polizeisprecherin.

Der Schütze lebt nach Angaben von Nachbarn allein mit seinem hochbetagten pflegebedürftigen Vater in dem Haus. Vor etwa einem halben Jahr sei bei den beiden bereits eingebrochen und eine größere Geldsumme gestohlen worden. Das konnte die Polizei zunächst nicht bestätigen.

Der Mittäter ist flüchtig. Es wird nach ihm gefahndet. Die Staatsanwaltschaft und die Mordkommission bitten Zeugen, die Beobachtungen zum Tatgeschehen gemacht haben, sich unter der Rufnummer des Landeskriminalamtes 040-4286-56789 zu melden. Insbesondere werden Zeugen gesucht, die die zwei verdächtigen Personen im Bereich der Jenfelder Allee zwischen 22 Uhr und 22.30 Uhr gesehen haben.

Erst vor rund zwei Wochen hatte ein 40-Jähriger in Hannover auf einen mutmaßlichen Einbrecher geschossen. Dieser starb später im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Im Oktober 2014 wurde ein 81-jähriger Rentner aus Sittensen bei Hamburg wegen Totschlags in einem minderschweren Fall verurteilt. Er hatte im Dezember 2010 den jungen Neumünsteraner Labinot S. (16) erschossen. Der betagte Angeklagte Ernst B. erhielt eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten Freispruch gefordert.

„Der Rentner gab die Schüsse aus Angst um sein Leben bewusst ab, überschritt dabei aber die Grenzen der Notwehr“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Ein gezielter Schuss auf Arme oder Beine wäre ausreichend gewesen und hätte den Angreifer gestoppt“, sagte Richter Berend Appelkamp. So habe der Rentner auf einen ohnehin fliehenden Menschen geschossen. Als Jäger hätte er wissen müssen, dass er nicht auf den Oberkörper zielen dürfe. Die Familie des Getöteten hatte lange um das Verfahren gekämpft.

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