zur Navigation springen

Reederei aus Hamburg : „Harter Kampf“: Hapag-Lloyd nach Fehlstarts an der Börse

vom

Der Weg zum Aktienmarkt war lang und schwer - doch nach Jahren ist Hapag-Llyod nun doch an der Börse angekommen. Der Schifffahrtkonzern hofft auf frisches Geld für neue Schiffe und Container.

Frankfurt/Hamburg | Als Rolf Habben Jansen die Börsenglocke schlägt, spricht aus seinem Gesicht vor allem eines: Erleichterung. Der Vorstandschef von Hapag-Lloyd hatte außerdem eine bronzene, 200 Pfund schwere Schiffsglocke von 1965 mit auf das Frankfurter Parkett gebracht.

Die Reederei ist wichtig für die Wirtschaft in Hamburg. Hapag Lloyd sorgt für Arbeitsplätze in der Stadt und weltweit. Außerdem ist Hamburg über die HGV der größte Einzelaktionär.

Der Weg dorthin sei teilweise ein „harter Kampf“ gewesen, sagt der Niederländer, der Mitte 2014 das Steuerruder bei den Hamburgern übernommen hat. Denn der Schifffahrtskonzern nahm bei weitem nicht so viel Geld ein wie ursprünglich angepeilt.

So musste das Unternehmen seine mit dem Börsengang verbundene Kapitalerhöhung von 500 auf 300 Millionen US-Dollar (279 Mio Euro) eindampfen, dann grätschte Weltmarktführer Moeller-Maersk aus Dänemark mit einer Gewinnwarnung dazwischen. Den Hamburgern sprangen viele angehende Neuaktionäre ab, nur mit einem Rabatt auf den Aktienpreis konnte Hapag-Lloyd sie wiedergewinnen.

Die bisherigen Eigentümer sind Tiefschläge gewohnt. 2009, in der Finanzkrise, musste der Reisekonzern Tui die Reederei mit frischem Geld sogar vor dem Untergang bewahren. Eigentlich wollte sich Tui schon vorher vom Containergeschäft trennen, doch der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Stadt Hamburg sowie Banken und Versicherer kauften nur einen Großteil der Anteile. Ein 2011 anvisierter Börsengang scheiterte an den Turbulenzen nach der Atomkatastrophe in Japan. Ende 2014 fusionierte Hapag-Lloyd mit der chilenischen Reederei CSAV zur viertgrößten Container-Reederei der Welt. Nun also ein neuer Versuch.

Für Hapag-Lloyd ist das frische Geld aus dem Börsengang wichtig - auch deswegen zogen die Hamburger das Vorhaben trotz aller Widrigkeiten durch. Vorstandschef Habben Jansen will neue Schiffe und neue Container kaufen. Mit genügend Eigenkapital bekommt das Unternehmen die nötigen Kredite zu besseren Konditionen. Und ohne größere, rentablere Schiffe, die weniger Treibstoff schlucken, ist das Geschäft auf Dauer kaum rentabel zu betreiben.

Doch auch das ist keine Garantie. Die Preise für Containertransporte sind seit Jahren unter Druck, Angebot und Nachfrage klaffen weit auseinander. Das Beratungsunternehmen Clarkson rechnet beim Containerumschlag in diesem Jahr mit einem Plus von 4,3 Prozent, im nächsten Jahr sollen es 6,8 Prozent sein. Doch schon in diesem Jahr wächst die weltweite Flotte um 7 Prozent - weil viele Reedereien bereits vor Jahren neue Schiffe bestellt haben, die erst jetzt in Dienst gestellt werden.

„Es ist eine spannende Branche“, räumt Habben Jansen nach dem geglückten Börsengang ein. „Einfach ist es sicher nicht, und wir rechnen auch nicht damit, dass es sich dramatisch verbessern wird in der nächsten Zeit.“ Wegen des Gewinneinbruchs bei der Rivalin Moeller-Maersk macht sich der Manager jedoch nicht verrückt.

„Eigentlich war das einen Tick ironisch, denn für die Branche war das keine schlechte Nachricht.“ Auf den Asienstrecken, auf denen die Dänen mit fallenden Frachtraten zu kämpfen haben, ist Hapag-Lloyd nicht so stark vertreten, heißt es in Hamburg. Und auf den Routen nach Amerika, wo die Hamburger besonders viele Schiffe am Start haben, laufe das Geschäft viel besser. Ob dadurch auch die Hapag-Aktie in ruhigeren Gewässern bleibt - am ersten Handelstag verzeichnet sie leichte Gewinne -, darüber will Habben Jansen am Freitag nicht spekulieren. „Da kann man erst in ein oder zwei Jahren so richtig was sagen.“ Doch mit Geduld kennt man sich bei den Hamburgern ja aus.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Nov.2015 | 16:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen