Hamburger Hafen : Hapag Lloyd profitiert von geplatzter Reederei-Allianz

Das Containerschiff „Maersk Vancouver“.
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Das Containerschiff „Maersk Vancouver“.

Sie waren auf dem Weg zur Mega-Reederei: Die Unternehmen Maersk, CMA CGM und MSC wollten auf der Ost-West-Linie eng zusammen arbeiten. Doch China schon dem Plan einen Riegel vor. Für Maersk ein Ärgernis – für den Hamburger Hafen aber eine Entlastung.

shz.de von
18. Juni 2014, 13:03 Uhr

Kopenhagen/Hamburg | Die geplante Allianz der drei weltweit führenden Schifffahrtsunternehmen ist überraschend geplatzt. Das chinesische Handelsministerium habe seine Zustimmung zu dem geplanten Netzwerk verweigert, teilte die Reederei Maersk in Kopenhagen mit. Es entspreche nicht den Regeln der chinesischen Fusionskontrolle. Damit würden die Partner das Projekt nicht weiterverfolgen; die Vorbereitungsarbeiten seien gestoppt.

Neben Maersk wollten sich die französische Linie CMA CGM und die schweizerische MSC an der P3-Allianz beteiligen. Sie hatten vor einem Jahr ihre Absicht verkündet, Containertransporte in der Ost-West Richtung aufeinander abzustimmen. Das ist unterhalb der Schwelle einer Fusion; es ging um die gemeinsame Planung von Schiffen und Linien. Ziel des Plans war es, ein effizienteres Netzwerk zu bilden und damit Kosten zu sparen.

Den Widerstand der chinesischen Seite führen Hamburger Schifffahrtsexperten auf eigene Interessen zurück. Die chinesischen Reedereien Cosco und China Shipping haben in den vergangenen Jahren hohe Verluste eingefahren. Auf den Routen zwischen Europa und Asien hätten die P3-Partner einen Marktanteil von rund 40 Prozent erreicht und zusätzlichen Wettbewerbsdruck aufbauen können.

Von dem Scheitern der Allianz könnte auch die deutsche Linienreederei Hapag-Lloyd profitieren, die nach der laufenden Fusion mit der chilenischen CSAV die Nummer vier unter den globalen Containerreedereien sein wird. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass auch der Hamburger Hafen von dem gescheiterten Deal profitiert. Auf diese Weise wird verhindert, dass die P3-Allianz ihre Vormachtstellung ausnutzt, um die Preise zu drücken.

Erst vor zwei Wochen hatte die EU ihre Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert. „Die Entscheidung ist für uns eine Überraschung“, sagte Maersk-Chef Nils S. Andersen. Sein Unternehmen werde die angestrebten Verbesserungen für die Kunden nun ohne das P3-Netzwerk erreichen. Das Scheitern des Projektes habe keine Auswirkungen auf das Ergebnis der Reederei für 2014.

Der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven hofft nun auf eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. „Wir bedauern diese Entscheidung und werden daran arbeiten, andere Reedereien zu überzeugen“, sagte Geschäftsführer Andreas Bullwinkel. Es sei nun auch eine Zusammenarbeit mit den drei Reedereien einzeln denkbar.

Deutschlands einziger Tiefwasserhafen hatte sich von dem Verbund eine deutliche Umschlagssteigerung erhofft. Dort blieben die Umschlagzahlen bislang deutlich unter den Erwartungen. Trotz der gescheiterten Allianz ist Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) von der Zukunft des JadeWeserPort in Wilhelmshaven überzeugt. „Grundsätzlich ändert dies nichts daran, dass die deutschen Häfen an der Nordsee gute Perspektiven haben“, sagte er. Dies gelte auch weiterhin für den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven.

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