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Hand in Hand für bedrohte Arten

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Pionier-Charakter: Eine Kooperation von Bauern und Naturschützern hilft Wiesenvögeln in der Eider-Treene-Sorge-Niederung

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erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

meggerdorf | Mit zwei Metern unter Normalnull ist es eine der tiefsten Stellen Schleswig-Holsteins: der Meggerkoog in der Eider-Treene-Sorge-Niederung, etwa auf halber Strecke zwischen Rendsburg und Husum gelegen. Wenn es um innovative Wege für den Naturschutz geht, stellt das Grünlandgebiet indes einen Höhepunkt im Land dar. Zwei Gruppen, die häufig als Gegner gelten, haben dort einen gemeinsamen Weg gefunden, um den arg gefährdeten Wiesenvögeln zu helfen. Weitere Regionen schicken sich an nachzuziehen.

Gab es bei Projektstart 1997 im Meggerkoog 19 Kiebitzpaare, sind dort im vergangenen Jahr 44 gezählt worden. Die Zahl der akut vom Aussterben bedrohten Uferschnepfen stieg im selben Zeitraum von 14 auf 22 Paare, die des ähnlich selten gewordenen Großen Brachvogels von zwei auf neun Paare. Es ist eine gegenteilige Entwicklung zum Landestrend, nach dem die Bestände der Wiesenvögel drastisch zurückgehen.

"Allein hätten wir das nie geschafft", bekennt Hermann Hötker, Leiter des Michael-Otto-Instituts für Vogelforschung im Naturschutzbund (Nabu) aus Bergenhusen. "Nur in Partnerschaft mit den Landwirten war dieser Erfolg möglich."

Der Beitrag der Landwirte besteht in einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Sie verzichten in eng umrissenen Zonen für die Dauer der Brut auf Schleppen, Walzen und Mähen, sofern dort Vögel nisten. Ehrenamtliche Gebietsbetreuer schreiten dazu im Frühjahr und Frühsommer regelmäßig die Koppeln ab. Mit Bambusstäben markieren sie die Stellen, die die Bauern aussparen mögen.

Die Sensibilisierung hat inzwischen eine Eigendynamik gewonnen: "Einige Landwirte kommen schon von sich aus und geben Bescheid, wenn sie Brutplätze entdeckt haben", erzählt Renate Rahn. Sie ist Bäuerin, eine der ersten Teilnehmerinnen und Vorsitzende des Vereins "Kuno" (Kulturlandschaft nachhaltig organisieren). Der hat sich unter anderem für die Projektträgerschaft des gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes gegründet. "Kuno" startete mit nur zwei Bauern, inzwischen machen 68 mit. Und das in einem deutlich über den Meggerkoog hinaus gewachsenen Einzugsgebiet. Es umfasst jetzt 6400 Hektar privates Grünland in fast 30 Gemeinden. Im vorigen Jahr wurden 292 Wiesenvogelgelege und -familien während der Bearbeitungszeit geschützt. Rahn: "Weil sie wissen, dass ihnen von den Treckern keine Gefahr droht, bleiben die Tiere mittlerweile länger sitzen, teilweise länger, als wenn man sich ihnen zu Fuß nähert."

"Es wirkt viel überzeugender, wenn Frau Rahn und andere Landwirte Berufskollegen zum Mitmachen gewinnen, als wenn wir Naturschützer das versuchen", betont Hötker.

Und dann sind da noch die Entschädigungsprämien für die ökonomische Einbußen bei einem Verzicht auf eine Bewirtschaftung. Ein sensibler Punkt, denn die Nachfrage nach Grünland befindet sich auf einem Rekordhoch, ebenso die Pacht. In den beiden Anfangsjahren finanzierten private Sponsoren die Ausgleichszahlungen, heute das Kieler Umweltministerium. Pro Hektar gibt es 150 Euro, wenn Schleppen und Walzen unterbleiben; 350 Euro, wenn nicht gemäht wird.

Geht es um den Erhalt der Wiesenvögel, gesteht Biologe Hötker der Landwirtschaft sogar zu: "Ohne sie ginge es gar nicht. Zumindest die Wiesenvogelarten bevorzugen als Aufenthaltsort bewirtschaftete Flächen." Eine gewisse Düngung sorge für ein reicheres Bodenleben. "Das Entscheidende ist, dass die Bewirtschaftung die Parzellen offen hält, da Wiesenvögel zu ihrer Sicherheit einen guten Rundumblick benötigen." Anders verhalte es sich mit Brachen auf Ackerstandorten. Diese sind für viele andere Arten wie Feldlerchen und Rebhühner wichtige Lebensräume.

Trotz manch regionaler Besonderheit - der Nabu arbeitet daran, das Modell auch anderswo zu etablieren. Erste Ansätze gibt es auf Föhr, in der Miele-Niederung südlich von Meldorf und in der Oberalster-Niederung bei Henstedt-Ulzburg. Auch dort soll eine Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu Gunsten der Wiesenvögel wachsen.

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