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Persönliche Daten von 2200 Menschen : Hamburgs Polizei sammelt Daten gewaltbereiter Fußball-Fans

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Wenige Tage vor Beginn der Fußball-WM in Deutschland hat die Hamburger Polizei 2006 eine Datei über gewaltbereite Fans angelegt. Mittlerweile sind darin persönliche Daten von 2200 Menschen gespeichert.

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erstellt am 16.Jan.2016 | 16:56 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Polizei führt seit mehr als neun Jahren eine Datei über gewaltbereite Fußball- Fans. Das geht aus einer Antwort des rot-grünen Senats auf eine Kleine Anfrage der Linken-Politikerin Christiane Schneider hervor. In der Datei „Gruppen- und Szenegewalt“ sind demnach 2170 Menschen aus dem Bereich Fußball registriert, darunter 1070 Fans des Bundesligisten Hamburger SV und 426 Anhänger des Zweitligisten FC St. Pauli.

„Das verletzt die informationelle Selbstbestimmung und darf in einem Rechtsstaat keinen Platz haben“, sagte Schneider. Zuvor hatte das „Hamburger Abendblatt“ darüber berichtet. Auch die Daten von 30 Handball- und Eishockey-Fans sind in der Datei gelistet. Mit anderen Bundesländern oder der Bundespolizei werden die Informationen nach Angaben des Senats nicht ausgetauscht.

Wer in der Datei geführt wird, erfährt davon in der Regel nichts. Es bestehe keine Pflicht, Betroffene zu informieren, heißt es in der Senatsantwort. Gespeichert werden neben Namen und Adressen der Beschuldigten und Verdächtigen demnach auch Fotos sowie Informationen zu Kontakt- und Begleitpersonen. „Ich kann nur allen Fans raten, ein Auskunftsersuchen zu stellen“, sagte Schneider.

Polizeisprecher Timo Zill bestätigte, dass seit 2006 eine Datei „Gruppen- und Szenegewalt“ geführt wird. Diese sei in einem Abstimmungsprozess unter anderem mit Hamburgs Datenschutzbeauftragten erstellt worden. Zugleich bestätigte er den Bericht des „Hamburger Abendblatts“, wonach die Polizei bei einer Bürgeranfrage im Rahmen des Transparenzgesetzes 2014 die Existenz einer Datei verneint habe.

„Dieser Fehler ist bedauerlich“, sagte Zill. Dies ändere aber nichts an der Rechtmäßigkeit der Datei. „Diese Datei ist für die Polizei Hamburg unter anderem für die Durchführung von Fußballspielen unerlässlich, um Straftäter und Störer erkennen zu können.“ Laut dem Zeitungsbericht löste die Nachricht von der Existenz der Datei in der Fanszene Irritationen aus. Von einem „herben Rückschlag“ habe der Fanladen St. Pauli gesprochen, von einem „Skandal“ der Leiter des HSV-Fanprojekts, André Fischer, berichtete das Blatt.

Angelegt wurde die Datei am 1. Juni 2006 - wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Der damalige Polizeipräsident habe die Einrichtung verfügt, teilte der Senat mit.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit sei darüber informiert worden. 2006 hatte in Hamburg die CDU unter Bürgermeister Ole von Beust allein regiert.

 

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