Hamburgs Ost-Erweiterung: Bis zu 20 000 neue Wohnungen sollen entstehen

Lorenz 4,5x6-1.jpg von
08. Juli 2014, 16:24 Uhr

Die Offensive Ost kommt ins Rollen: Hamburg will die bisher vernachlässigten Stadtteile östlich der City zu einem großen Stadtentwicklungsprojekt zusammenfassen und dort 15 000 bis 20 000 neue Wohnungen schaffen, urbanes Gewerbe ansiedeln sowie Grün- und Wasserlagen erschließen. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der die Pläne gestern persönlich vorstellte, stellte das Vorhaben auf eine Stufe mit Großprojekten wie der HafenCity, dem Sprung über die Elbe und die Neue Mitte Altona. Es gehe um einen Zugewinn an städtischer Lebensqualität, „in einer Größenordnung, wie wir sie uns bisher nicht vorgestellt haben“.

Das Gebiet umfasst die Stadtteile Hammerbrook, Borgfelde, Hamm, Horn, Rothenburgsort, Billbrook sowie Billstedt mit der Großsiedlung Mümmelmannsberg. Ein Großteil des Aufbruchs Ost soll sich demnach an den Uferbereichen der Elbe und des Nebenflusses Bille abspielen, weshalb das Vorhaben behördenintern unter dem Titel „Stromaufwärts“ firmiert.


Citynahe Lage – aber städtebaulich unterentwickelt


Die betroffenen Quartiere gelten trotz ihrer günstigen citynahen Lage als städtebaulich unterentwickelt. So sind etwa Hammerbrook, Hamm und Horn durch gesichtslose Nachkriegsbauten, lärmige Verkehrstrassen sowie zahlreiche Industriebetriebe geprägt. Diese Stadtteile böten „enorme Entwicklungspotenziale für neuen Wohnraum, moderne Industrie- und Gewerbestrukturen sowie für die Verbindung von Wasser und Grün“, schwärmte Scholz. Das neue Konzept eröffne Chancen „für eine starke wirtschaftliche Dynamik und mehr moderne Lebensqualität“. Im Ergebnis soll die Bevölkerung dort um bis zu 50 000 Menschen anwachsen; bisher leben zwischen Rothenburgsort und Mümmelmannsberg etwa 164 000 Hamburger.

Die Planungen werden beispielhaft in elf „Fokusräumen“ konkretisiert, bestehende Projekte wie die Aufwertung Hammerbrooks eingeschlossen. An vielversprechenden Arbeitstiteln für die elf Gebiete fehlt es nicht.


„Neue Speicherstadt“ und „Industrieboulevard“


So soll der Billebogen zur „neuen Speicherstadt“ werden, Billbrook zum Standort der „Industrie von morgen“ samt „Industrieboulevard“, Mümmelmannsberg zum „internationalen Quartier“ sowie Hammerbrook zum „Raum für Stadtpioniere“. Im Kern will die Stadt dabei ein neues Miteinander von Arbeiten und Wohnen schaffen. Dazu soll das bestehende „Bündnis für Wohnen“ aus Senat, Investoren und Bezirk Mitte zuerst in Rothenburgsort und im südlichen Hamm tätig werden.

Die Quartiere würden weiterentwickelt und mit Wohnungsneubau ergänzt, um den engen Wohnungsmarkt zu entlasten. Stadtteilzentren, moderne Schulen, Einkaufsmöglichkeiten sowie Parks und Grünachsen sollen für die bisher fehlende Lebensqualität sorgen. Gerade die vielen attraktiven, ja „idyllischen“ Lagen an den Flussufern und an Kanälen seien eine „wertvolle Ressource“ von „Hamburg Ost“, so der Bürgermeister. Rothenburgsort und Billbrook sollen überdies für Industriebetriebe attraktiv werden, auf dem Gelände des früheren Huckepackbahnhofs ist dazu ein Gewerbegebiet mit anspruchsvoller Architektur vorgesehen. Mit im Boot sitzt die städtische HafenCity Hamburg GmbH. Sie soll die Ost-Entwicklung im Ganzen mit organisieren und insbesondere die Vermarktung des Bahnhofs übernehmen.

Die Offensive Ost wird mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Die Bevölkerung werde eng in die Planungen einbezogen, versprach Scholz. Ende des Jahres sollen sämtliche Überlegungen bei einer großen öffentlichen Veranstaltung vorgestellt und diskutiert werden.

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