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Hamburgs leuchtendes Ufo entsteht

vom

Vor rund 20 Monaten begannen die Bauarbeiten zum neuen Stage Entertainment-Musicaltheater am Hafen / Alles ist bisher im Zeitplan

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erstellt am 06.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Das Musicaltheater ist von Innen trocken. Nur die Pfützen im Orchestergraben zeigen, dass es hier bis vor kurzem keine Fenster gab. Vier Meter aufwärts wurde gerade erst der eiserne Vorhang eingebaut. Noch ragt die acht Tonnen schwere schwarze Wand halb über die Bühne, schon in wenigen Wochen soll sie im Brandfall vor dem übergreifen von lodernden Flammen schützen.

Nur wenige Meter östlich neben der "Löwen"-Heimat in Steinwerder hat der neue Bau mittlerweile an Größe gewonnen. Auf einer Gesamtfläche von 10 200 Quadratmetern verteilen sich die Foyers, der Zuschauerraum mit 1857 Plätzen, die Bühne und das Betriebsgebäude mit Künstlergarderoben, Werkstätten und Technikbereichen. Noch im September vergangenen Jahres ragten an dieser Stelle lediglich acht riesige Stützen für Foyer, Rang und Zuschauerraum in den Himmel. Die 16 Tonnen schweren Stützpfeiler, für deren Montage ein spezieller Schwerlasten-Autokran auf der Baustelle zum Einsatz kam, sind inzwischen nicht mehr zuzuordnen. Mittlerweile sind die meisten Wände verputzt und die großen Glasfassaden mit Elbblick eingebaut.

"Wir sind absolut im Zeitrahmen und im Budget", sagte Baustellen-Chef Ingo Eggers von Stage Entertainment, der durch die Baustelle führt. Und obwohl der gesamte Bau derzeit noch von hunderten Stahlkonstruktionen umrahmt ist, erkennt selbst der Laie den Charakter von Stage Entertainment: Die Original-Bühne samt Zuschauerraum im Zentrum, daran anschließend in die prominente Richtung das Foyer, in die andere Richtung das Betriebsgebäude. Vor dem inneren Auge läuft sofort der rege Musical-Betrieb ab. Im Herbst 2014 flanieren hier - auf rotem Teppich mit kleinen schwarzen Punkten - Jung und Alt in schicker Abendgarderobe durch die Gänge, nehmen Getränke an den Bars ein oder genießen den spektakulären Blick auf die Silhouette der Hansestadt: auf die Landungsbrücken, den Michel und die Elbphilharmonie. Egal, ob im ersten oder zweiten Stock, überall wo der Besucher im 2000 Quadratmeter großen Foyer steht, überblickt er alles: auch den Hafen.

Von Montag bis Sonnabend, manchmal auch Sonntag, wird hier tagsüber gebaut, gehämmert und gebohrt. So garantiert Stage, dass in dem Theater an der Norderelbestraße Mitte nächsten Jahres eine Haus-Produktion einziehen kann. Der Bau der Bühne bleibt so universell, dass jedes Musical einbaubar ist. Welche Produktion sich ansiedeln wird, ist noch ungewiss. Das große Musicaltheater "Theater 4", wie es derzeit noch bezeichnet wird, ist das vierte Gebäude von Stage Entertainment in Hamburg neben dem Operettenhaus, dem Theater Neue Flora und dem Theater im Hafen. Die Musical-Branche sorgt für etwa eine Million Übernachtungen, zwei Millionen Menschen besuchten jährlich die Shows.

Hamburg ist der drittgrößte Musicalstandort weltweit. Schon jetzt schauen jährlich rund zwei Millionen Besucher die Vorstellungen in den drei Hamburger Stage Theatern. Weltweit gehören dann 26 Theater zur Unternehmensgruppe, zwölf davon befinden sich in Deutschland. Das besondere an dem neuen Theater: Stage Entertainment hat zuvor noch nie neu gebaut. Das "Theater 4" ist zudem der erste Neubau eines Musicaltheaters in Deutschland seit knapp 15 Jahren. Das Unternehmen investiert rund 65 Millionen Euro.

Die Fassadenarbeiten sollen innerhalb den nächsten drei Monate abgeschlossen sein, dann soll das Theater mit Schindeln aus Edelstahl verkleidet sein. Ende des Jahres ist der Rangaufbau fertig. Dann gehts an die Innenausstattung. Doch davon soll der Hamburger nichts mehr mitkriegen. In wenigen Wochen wird eine Wand das neue Musicaltheater vollkommen verstecken und so den Überraschungseffekt noch größer machen.

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