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Touristenattraktion : Hamburgs Bürger kämpfen für Fernsehturm

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Seit 2001 sind Aussichtsplattform und Restaurant des Hamburger Fernsehturms geschlossen. Mit einer Unterschriftenaktion kämpfen Bürger für eine Wiedereröffnung.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 10:43 Uhr

Hamburg | Die Hamburger wünschen es sich so sehr. Sie wollen endlich wieder auf den Fernsehturm. 99 Prozent sind dafür, dass der von Einheimischen auch liebevoll genannte "Telemichel" wieder zugänglich gemacht wird. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Trend Research im Auftrag des Hamburger Fördervereins Fernsehturm hervor. Seit Januar 2001 ist das Aussichts- und Restaurantgeschoss des Heinrich-Hertz-Turms für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Der Turm wird seither ausschließlich funktechnisch genutzt.
Seit genau 45 Jahren prägt der 280 Meter hohe Hamburger Fernsehturm mit seinem Aussehen das Stadtbild. Von überall her ist der "Telemichel" an den Messehallen zu sehen, er dient als Funkturm für Telefon und Rundfunk, als Orientierung und als Hingucker. Das Highlight: Auf genau 128 Metern Höhe befindet sich eine verglaste Aussichtsplattform, vier Meter höher eine Gastronomie-Ebene. Der Boden dieser beiden Plattformen dreht sich innerhalb einer Stunde einmal um die eigene Achse. Ein einmaliges Panorama. Doch dort oben waren Hamburger oder Touristen schon lange nicht mehr.

Zweistellige Millionensumme notwendig


Nachdem der Turm aufgrund von Asbestbelastung 2001 saniert werden musste, fand der Eigentümer, die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), Tochter der Telekom, keinen neuen Betreiber für die Aussichts- und Gastronomieplattform. Vor einer Wiedereröffnung ist die Anpassung an gültige Rettungsweg-Bestimmungen notwendig - und die ist teuer: "Um ein neues Konzept realisieren zu können, müsste eine zweistellige Millionen-Summe investiert werden", so Telekom-Sprecherin Stefanie Halle. Kosten, die die DFMG nicht tragen wird.
Versuche von Investoren, mit der Stadt und der DFMG eine Lösung zu finden, scheiterten. Architekten wollten den Turm ummanteln und ein Hotel einrichten. Die Stadt soll abgewinkt haben. "Wir freuen uns natürlich, wenn sich jemand findet", so die DFMG-Sprecherin, "allerdings spielt es für uns keine Rolle." Das Kerngeschäft stehe im Vordergrund.

"Bisher nichts als Willensbekundungen"


Dass sich keine Lösung finden lässt, kann Jürgen Vieths nicht nachvollziehen. Er setzt sich seit rund zehn Jahren für die Inbetriebnahme der Plattformen ein, hat vor drei Jahren mit Freunden den "Förderverein Hamburger Fernsehturm" gegründet, um die Öffentlichkeit wieder für das Thema zu begeistern und die Politik zu einer gezielten Unterstützung zu bewegen. Mit Erfolg. 20.000 Facebook-Fans hat er mobilisiert, 11.500 Unterschriften gesammelt. Doch es sei schwer, denn "weder die DFMG, noch die Stadt Hamburg setzen sich für das Aussichts- und Restaurantgeschoss ein", erklärt Jürgen Vieths. Es gebe Willensbekundungen, doch es passiere nichts. Laut Schätzungen würden mehr als 300 000 Menschen jährlich den Funkturm besteigen. "Ich glaube daran, dass der Druck irgendwann zu groß wird", so Vieths.
In der Tat gibt Hoffnung. Der im vergangenen Jahr noch abgewiesene Restaurantbetreiber Martin Dencker steht wieder in Kontakt mit der DFMG. Wann wieder Touristen den Turm besteigen könnten, steht jedoch in den Sternen. Ebenfalls ein Gegner ist die Zeit: Die Statik des Turms lässt nach Experten-Schätzungen nur noch eine Standzeit von 30 Jahren zu.
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