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„Car-to-X-Kommunikation“ : Hamburg: Wie intelligente Ampeln gegen Stau helfen sollen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Hansestadt will Vorreiter als digitale Stadt der Zukunft werden. „Car-to-X-Kommunikation“ heißt das Zauberwort.

Hamburg | Klingt nach einem Wundermittel gegen den Hamburger Dauerstau. Und scheint zum Greifen nah: Intelligente Ampeln könnten im Zusammenspiel mit vernetzten Fahrzeugen und ausgeklügelter Software den Verkehrsfluss in der Elbmetropole um bis zu 40 Prozent erhöhen. Sagt zumindest Jan-Oliver Siebrand von der Handelskammer Hamburg. Der Vize-Chef des Bereichs Infrastruktur träumt von einer flächendeckenden digitalen Verkehrssteuerung in jener Stadt, die sich den Ruf der „Stauhochburg“ Tag für Tag redlich verdient.

Die Idee ist verblüffend simpel und entsprechend faszinierend: Wenn Autos mit Ampeln und Verkehrsleitstellen drahtlos kommunizieren würden, dabei Standort und Geschwindigkeit melden, ließen sich Rot- und Grünschaltungen ebenso exakt dem Aufkommen anpassen wie Tempolimits. Alles in Echtzeit. Im Ergebnis entfiele das ewige Stop-and-Go vor verstopften Kreuzungen, während im Querverkehr kaum was los ist. Ebenso die Warterei vor nächtlichen roten Ampeln auf leergefegten Straßen.

Die nötige Technik für diese „Car-to-X-Kommunikation“ sei längst entwickelt und schon im Gebrauch, berichtet Siebrand. „In fast allen neu zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland sind inzwischen Chips für das Handynetz oder für Wlan-Verbindungen verbaut.“ Und in den Smartphones der meisten Autofahrer sowieso. Auch das Nachrüsten älterer Fahrzeuge sei vergleichsweise günstig. Ein entsprechendes Modul koste um die 100 Euro. Zugleich müssten die etwa 1770 Lichtzeichenanlagen in der Hansestadt mit Wlan-fähigen Empfangseinheiten ausgestattet werden – fertig. Die erfassten Daten würden entweder direkt an die Ampeln oder über die Verkehrsleitzentrale gesendet.

Foto: Handelskammer Hamburg
 

Eine großflächige Anwendung dieser „Car-to-X-Kommunikation“ gebe es weltweit bisher nicht, sagt Experte Siebrand. Für die Stadt liege darin nicht nur die Chance, ihren Verkehr zu verflüssigen, sondern auch globales Vorbild zu werden. Sie müsse nur wollen. Kammer-Präses Fritz Horst Melsheimer fordert: „Hamburg sollte das kleine Zeitfenster für First-Mover nutzen, um sich zur Modellstadt für digitale Verkehrssteuerung zu erklären.“ Am besten schon in den laufenden rot-grünen Koalitionsverhandlungen.

Visionäre wie Jan-Oliver Siebrand blicken derweil einen Schritt weiter. Denn drahtlose Verkehrstelematik berge weitere bestechende Vorteile. Etwa die flexible Nutzung von Fahrspuren. Fließt der Verkehr mal stärker in die eine, mal in die andere Richtung, könnten Fahrsteifen kurzerhand per Lichtdioden im Asphalt gesperrt oder freigeben werden. Und auch bei öffentlichen Parkplätzen steht womöglich eine Revolution bevor. Siebrand: „Sensoren im Straßenbelag könnten erfassen, wie lange und welches Fahrzeug den Stellplatz belegt.“ So lässt sich nicht nur der „Parkgroschen“ elektronisch berechnen und abbuchen. Auch Falschparker blieben dann nicht mehr unbemerkt – ein Mittel gegen das lästige Zweite-Reihe-Parken.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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