Entzug im Zug : Hamburg verbannt Alkohol aus Bus und Bahn

Zur alkoholfreien Zone erklärt der HVV seine Bahnsteige, Bahnen und Züge. Foto: dpa
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Zur alkoholfreien Zone erklärt der HVV seine Bahnsteige, Bahnen und Züge. Foto: dpa

Alkoholverbot in Hamburgs Bussen und Bahnen: Wer darin Alkohol trinkt, muss ab 1. Oktober 40 Euro zahlen. Ausnahme: Züge nach Schleswig-Holstein.

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01. September 2011, 08:37 Uhr

Bierleichen zwischen hin und her rollenden Flaschen in der U-Bahn, Gelage auf dem S-Bahnsteig, fröhliches Vorglühen auf dem Weg zur Party - all das soll am 1. September enden. Schon jetzt weisen Plakate an Haltestellen, auf Bahnsteigen und in Bussen darauf hin: "Alkoholfreie Zone. Danke, dass Sie mitmachen." Vom 1. September an dürfen Fahrgäste in allen U- und S-Bahnen des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) und an den Haltestellen weder Alkohol trinken noch geöffnete Flaschen bei sich tragen. Obwohl das Verbot schon am 1. September in Kraft tritt, muss die Strafe von 40 Euro erst ab dem 1. Oktober gezahlt werden.
Der HVV setzt auf eine einmonatige "Verwarnphase", in der die Fahrgäste zunächst in Gesprächen, mit Infokarten und Durchsagen aufgefordert werden, das Alkoholtrinken zu unterlassen. Eine Strafe muss dann noch nicht gezahlt werden. "Wir wollen den Fahrgästen die Möglichkeit geben, sich an das Alkoholverbot zu gewöhnen", sagt HVV-Pressesprecherin Gisela Becker.
Schleswig-Holstein erlaubt das Trinken weiterhin
Von dem Verbot ausgenommen sind die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), Nordbahn und DB Regio. Diese Linien überschreiten das HVV-Gebiet in Richtung Schleswig-Holstein, wo das Alkoholverbot nicht mehr gilt. "Die Deutsche Bahn richtet sich nach der Entscheidung des Bestellers", sagt Sprecher Dirk Pohlmann. Das Land Schleswig-Holstein bestellt die Dienstleistungen der Bahnunternehmen und hat sich gemeinsam mit der Landesweiten Verkehrs- und Servicegesellschaft (LVS) gegen ein Alkoholverbot ausgesprochen. Daher darf in den Zügen, die nach Schleswig-Holstein fahren, auch wenn sie zum HVV gehören, Alkohol getrunken werden.
Darüber hinaus sieht die NOB kein Problem von Alkoholismus in ihren Zügen. "Der überwiegende Teil unserer Reisenden kann mit Alkohol umgehen", sagt Sprecherin Christiane Lage. So sieht es auch Dennis Fiedel von der LVS. "Das Verbot richtet sich nicht per se gegen Menschen, die Alkohol trinken, sondern gegen solche, die sich dabei schlecht benehmen. Und gegen die können die Unternehmen ohnehin schon Maßnahmen ergreifen, wenn genügend Zugpersonal mitfährt." Soll heißen: Wer sich daneben benimmt, muss den Zug verlassen.
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Was ist in Hamburg verboten? Fahrgäste dürfen keine offenen Flaschen auf Bahnsteigen oder in Zügen und Bussen bei sich haben oder daraus trinken. Fest verschlossene Flaschen mit Wein, Bier und Schnaps dürfen Fahrgäste weiterhin dabei haben. Und natürlich können Menschen unter Alkoholeinfluss auch weiterhin Busse und Bahnen nutzen.
Wie wird das Einhalten des Alkoholverbots kontrolliert? "Unsere Sicherheitskräfte gehen bei der Kontrolle nach Augenschein und Gehör", sagt HVV-Pressesprecherin Becker. "Es wird definitiv keine Körperkontrolle oder Taschenkontrolle geben."
Berlin blickt neugierig auf die Hansestadt
Andere deutsche Städte schauen neugierig auf das Entzugsprogramm der Hansestadt. "Im Moment sträuben wir uns noch, was ein solches Alkoholverbot angeht. Die Frage ist immer, wie man das umsetzen kann", sagt Petra Reetz von der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG. "Sollte sich herausstellen, dass Hamburg mit diesem Konzept einen Königsweg gefunden hat, würden wir uns dem auch nicht versperren."
Das Alkoholverbot in Hamburgs Bussen und Bahnen wurde lange diskutiert. Die niedersächsische Eisenbahngesellschaft Metronom untersagt seit Herbst 2009 den Alkoholkonsum in ihren Zügen. "Wir haben sehr positive Resonanzen. Die Strecken sind sauberer und es gibt weniger Ärger mit angetrunkenen Reisenden", sagt Metronom-Sprecherin Tina Allerheiligen. "Allerdings kann man Metronom und den HVV schwer miteinander vergleichen, da unsere Passagiere häufig auf längeren Strecken unterwegs sind als Fahrgäste des HVV."
HVV-Abschiedstrinken am 30. September
Bei einer Imageanalyse des HVV im vergangenen Jahr hatten sich 86 Prozent der Fahrgäste für ein Alkoholkonsumverbot im Hamburger Nahverkehr ausgesprochen. Doch längst nicht alle Hamburger fiebern den trockenen Zeiten entgegen. Im Sozialen Netzwerk Facebook ruft eine Gruppe zum "HVV-Abschiedstrinken" am 30. September auf - denn vom 1. Oktober an wird es ernst mit einer Geldbuße für Alkoholsünder.
5118 Menschen haben laut Facebook ihre Teilnahme bereits angekündigt. Der Veranstalter freue sich auf "eine friedliche und gelassene Party". Nach Informationen der Hamburger Hochbahn wird derzeit mit HVV und der Innenbehörde an einem Konzept gearbeitet, um die Sicherheit bei dieser Veranstaltung zu gewährleisten.

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