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Hamburg und die "Lüneburger Wüste"

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Ein Kompromiss ist in Sicht: Streit ums Heidewasser könnte bald ein Ende haben

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Winsen/Hamburg | Seit mehr als drei Jahrzehnten ist um Hamburgs Trinkwasserversorgung aus der Nordheide gestritten worden, erstmals scheint eine Einigung möglich. Jedes Jahr dürfen derzeit 15,7 Millionen Kubikmeter aus dem Landkreis Harburg in die Hansestadt fließen - etwa ein Achtel des Hamburger Verbrauchs. Die Übergangsgenehmigung dafür hatte die Lüneburger Bezirksregierung kurz vor ihrer Auflösung im Jahr 2004 erteilt. Ein erster Antrag war bereits 1974 bewilligt worden, nach drei Jahrzehnten aber ausgelaufen.

Brunnen wurden errichtet, und seit 1983 bezieht Hamburg wirklich Trinkwasser aus der Heide - seitdem protestieren dort Umweltschützer. "Wir wollten keine Lüneburger Wüste", erklärt Gerhard Schierhorn von der Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN). Viele Flüsse in der Region führten bis zu einem halben Meter weniger Wasser als früher, einige Bäche und Trockengebiete fielen manchmal sogar ganz trocken. "Lange haben wir die Austrocknung der Nordheide befürchtet, aber die Wasserwerke haben sich bewegt", sagt Schierhorn. "Da herrscht derzeit bei den Gesprächen ein gutes Klima."

Spätestens seit einem Treffen von Landkreis, Hamburg Wasser und Umweltschützern im vergangenen November zeichnet sich eine mögliche Einigung ab. Derzeit überarbeiten Gutachter von Landkreis und Wasserwerken die Bedarfsprognose, berichtet Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. "Aktuell finden bodenkundliche Untersuchungen über die ökologischen Folgen statt." Man müsse sorgfältig prüfen, was umweltverträglich entnommen werden könne.

Die Interessengemeinschaft strebe Kompromisslösungen bei ihren drei Zielen an, sagt Schierhorn. So sei es wünschenswert, die Wassermenge weiter zu reduzieren, weil der Hamburger Verbrauch weiter gesunken sei. Wichtig sei außerdem eine Verlegung der Förderbrunnen weg von der Este in weniger sensible Bereiche. "Das dritte Ziel ist die Gründung einer Wasserstiftung für den Landkreis Harburg. Über diese Stiftung sollen Projekte zur Stabilisierung des Grundwasserhaushaltes und der Regenerierung von Feuchtgebieten finanziert werden."

Hamburg Wasser will für die kommenden 30 Jahre eine Fördermenge von maximal 18,4 Millionen Kubikmetern festschreiben. "Davon muss man aber einen gesetzlich vorgeschriebenen Puffer von 2,3 Millionen abziehen", sagt Sprecher Carsten Roth. Das wären 16,1 Millionen Kubikmeter - noch immer zu viel für die Umweltschützer, so Schierhorn. "Wir brauchen Planungssicherheit für die Wasserversorgung, können aber verstehen, wenn die Harburger regelmäßig überprüfen wollen, wie hoch der Bedarf wirklich ist", sagt Roth.

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