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Bewerbungsvideo für Olympia 2024 : Hamburg stellt sich vor: So stark, so schön, so ohne Frauen

vom

Ein Video über Hamburgs Olympia-Vorstellung sorgt für Aufregung, denn die Filmer zeigen kaum weibliche Sportlerinnen. Eine fiktive Rechtfertigungsarie.

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erstellt am 21.Okt.2015 | 12:33 Uhr

Für die geplante Olympia-Bewerbung 2024 stellt sich Hamburg der Welt vor. In einem kurzen Video zeigt die Aktion „Wir sind Feuer und Flamme“ die schönsten Ecken der Stadt bei schmissiger Musik und mit unbescheidenen Sprüchen. Natürlich dürfen das sportliche Hamburg sowie der HSV nicht fehlen. Doch eines fanden Kritiker an dem Video merkwürdig: Die Macher haben offenbar die Frauen vergessen – „aus unerfindlichen Gründen“ schreibt Spiegel Online. Doch sind sie wirklich unerfindlich? shz.de hat sich in die Video-Macher hineinversetzt. So in etwa könnten die Gründe aussehen.

„Was soll das heißen? Beim Video haben wir doch an alles gedacht, sogar an Schwarze und Behinderte. Frauen? Ach ja, die gibt es ja auch noch. Es kommen doch zwei in dem Video vor. Ok, eine nur sekundenkurz von Weitem, aber man erkennt gerade noch, dass es eine Frau ist. Ist es doch oder? Warten Sie kurz... ja! Und die andere ist länger und sogar mehrmals zu sehen. Und sie sitzt im Rollstuhl. Zählt das nicht doppelt auf dem politisch-korrekten Karma-Konto? Nein? Ok, ok, sie ist nur von hinten zu sehen. Aber was hätten wir denn bitte zeigen sollen? Rhythmische Sportgymnastik oder Ponyreiten?

Ich bitte Sie! Sie müssten unsere Videoaussage doch verstanden haben, schließlich heißt es in dem Video doch immer wieder: „Wir sind mit Gegenwind geboren“ oder „Wir beißen uns durch“ oder „Wir sind Weltklasse“ oder „Wir ziehen durch“. Das hätten wir doch unmöglich mit Videoaufnahmen vom missglückten Fünf-Meter-Weitwurf einer Frau unterlegen können. Oder Frauenfußball. Es soll doch ein Werbevideo sein und kein Beitrag für „Ups, die Pannenshow“. Wir können nochmal darüber reden, wenn Yogilates olympisch wird oder eine Frauenquote in Werbevideos eingeführt wird.

Bei den Aufnahmen von der Reeperbahn waren zuerst sogar ein paar Frauen zu sehen. Haben wir aber rausgeschnitten. Ist ja nicht olympisch was die machen. Noch nicht, hehehehe. Überhaupt sind die Frauen in einigen Sportarten doch ohnehin eigentlich Männer. Haben Sie mal diese Hammerwerferin da gesehen? Der möchte ich nicht nachts im Alten Elbtunnel begegnen.

Ach kommen Sie, Sie sollten das Ganze nicht so verbissen sehen. Haben Sie denn keinen Humor? Auf Facebook können Sie doch in den Kommentaren zum Video lesen, woran's gelegen hat: „Eigentlich war das Verhältnis ausgeglichen, aber dann gings los...,Ich habe überhaupt nix anzuziehen!', ,Auf keinen Fall filmt ihr mich mit dieser Frisur!', ,Wenn diese Kuh mit dabei ist dann mache ich nicht mit!' , ,Nie im Leben mit dem knappen Top!' , ,Geht nicht, mir ist heute Morgen ein Fingernagel abgebrochen!' ... usw, usw...“ Der war gut, oder?

Sie haben Probleme: Hamburg gibt gerade Millionen Euro aus, noch bevor die Bewerbung überhaupt abgeschickt wurde und sie sorgen sich darum, dass keine Synchronschwimmerinnen durchs Bild gluckern. Eigentlich sind wir doch unserer Zeit voraus: Wir achten gar nicht mal mehr darauf, ob weibliche Athletinnen und Athleten vorkommen. Sie wissen doch: Gleich heißt egal.“

An fast alles haben die Macher des Werbeclips für die Olympischen Spiele in Hamburg gedacht, nur die Frauen haben sie aus unerfindlichen Gründen vergessen.

Posted by SPIEGEL ONLINE on  Montag, 19. Oktober 2015

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