Jugendliche kiffen mehr : Hamburg plant Anti-Cannabis-Kampagne

Mit einer Anti-Cannabis-Kampagne will Hamburg gegen den steigenden Konsum der illegalen Droge bei Jugendlichen vorgehen. Die Zahlen der Konsumenten steigt.

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26. Juni 2013, 09:38 Uhr

Hamburg | "Wir müssen ganz klar die Botschaft senden: Wer kifft, verschlechtert damit seine Lebenschancen", sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Mit Plakaten und Postkarten sollen Jugendliche, Eltern, Lehrer und Erzieher über die gesundheitlichen Gefahren aufgeklärt werden. Cannabis dürfe nach ihrer Ansicht keinesfalls legalisiert werden, betonte Prüfer-Storcks.
Eine Befragung von Schülern und Lehrern zum Umgang mit Suchtmitteln ("Schulbus") habe gezeigt, dass immer weniger Jugendliche anfangen zu rauchen oder Alkohol zu trinken, erklärte der Leiter des Büros für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen, Theo Baumgärtner - sie nähmen aber vermehrt Cannabis. Der Anteil der Jugendlichen, die mindestens einmal in ihrem Leben Haschisch oder Marihuana probiert haben, sei seit 2007 von 23 Prozent auf jetzt 29 Prozent gestiegen.

Kein bundesweiter Vergleich möglich

Die fünfte "Schulbus"-Studie stützt sich auf eine repräsentative Stichprobe von 1013 Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren. Seit 2004 wird die Befragung in der Regel alle zwei Jahre durchgeführt. Die aktuellen Daten wurden den Angaben zufolge Ende 2012 und Anfang 2013 per Tablet-PC erhoben. Ein bundesweiter Vergleich sei nicht möglich, da bisher kein anderes Bundesland so neue Daten vorgelegt habe, sagte Prüfer-Storcks.
"Das Durchschnittsalter der ersten Erfahrungen im Umgang mit Alkohol ist seit 2004 kontinuierlich angestiegen", sagte Baumgärtner - wie auch bei Rauchen und Cannabis. Es sei wichtig, das Einstiegsalter hinauszuzögern: "Mit einem früheren Einstieg steigt ebenso wie mit einem regelmäßigen Konsum die Gefahr eines späteren Missbrauchs."

Verhalten von Männern und Frauen gleicht sich an

Die Befragung zeige, dass sich das Konsumverhalten von weiblichen und männlichen Jugendlichen angleiche, sagte Prüfer-Storcks. Jugendliche aller gesellschaftlichen Schichten nähmen Suchtmittel - in den sozial bessergestellten Stadtteilen sei der Konsum aber stärker ausgeprägt, berichtete Baumgärtner: "Diejenigen, die mehr Geld zur Verfügung haben, konsumieren auch mehr."
Der aktuelle Alkoholkonsum bei Jugendlichen steige seit 2007 wieder an, berichtete Baumgärtner. Exzessives Trinken bis hin zum Komasaufen habe zugenommen. Auch geraucht werde seit 2009 wieder mehr, sagte Baumgärtner: "Es geht wieder hoch." Das könne möglicherweise auch den Cannabis-Anstieg erklären - schließlich kiffen besonders viele Jugendliche, die rauchen. Für Baumgärtner folgt daraus: "Eine gute Tabakprävention ist auch eine gute Cannabisprävention."
Die schulpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Karin Prien, kritisierte: "Bereits vor über einem halben Jahr wurde bekannt, dass der Cannabiskonsum gerade bei Hamburger Jugendlichen rapide zunimmt. Trotzdem hat der SPD-Senat tatenlos zugesehen." Die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, Kersten Artus, erklärte dagegen, der "weiterhin auf niedrigem Niveau stagnierende Cannabis-Konsum" sei kein Anlass zur Skandalisierung.

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