Kohlenmonoxid-Unglück : Hamburg-Harburg: Auch Kleinkind vergiftet

Drei Menschen erstickten am Dienstag an Kohlenmonoxid. Ein defekter Schornstein war wohl doch nicht Ursache der Tragödie.

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03. Dezember 2014, 14:47 Uhr

Hamburg | Einen Tag nach dem schweren Kohlenmonoxid-Unglück in Hamburg-Harburg mit drei Toten schwebte einer der Verletzten am Mittwoch noch in Lebensgefahr. Ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, konnte ein Feuerwehrsprecher zunächst nicht sagen. Mindestens zehn Menschen waren am Dienstagnachmittag mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ins Krankenhaus gekommen. Nach Angaben der Polizei waren darunter auch ein Kleinkind und sein Vater.

Die Feuerwehr hatte drei Männer im Alter von 32, 56 und 72 Jahren tot geborgen. Sie waren von dem hochgiftigen Gas offenbar im Schlaf überrascht worden. Sie trugen noch Schlafanzüge, wie Polizeisprecher Mirko Streiber sagte. Brandermittler des Landeskriminalamts wollten am Mittwoch die Heizungsanlagen der beiden betroffenen Häuser untersuchen. In der Nacht sei bereits der Schornstein geprüft worden. Dabei habe sich der Verdacht auf einen Defekt zunächst nicht bestätigt. „Der Abzug funktioniert völlig normal“, sagte Streiber. Dennoch wollen die Ermittler zusammen mit einem Sachverständigen den Schornstein noch einmal genau in Augenschein nehmen.

Schon in der Nacht zum Dienstag war die Feuerwehr zu drei Einsätzen in das Haus gerufen worden, in dem später auch die Toten gefunden wurden. Ein 60-Jähriger kam mit Herzbeschwerden in eine Klinik, eine über 70-Jährige war gestürzt, und ein junger Mann klagte über Übelkeit, wie die Feuerwehr berichtete. Die Polizei zählt diese drei Menschen inzwischen zu den Kohlenmonoxid-Verletzten hinzu und gibt deren Gesamtzahl darum mit 13 an.

Die Feuerwehr hatte die Symptome der nächtlichen Patienten nicht mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in Verbindung gebracht. Feuerwehrsprecher Hendrik Frese räumte ein, dass - im Nachhinein gesehen - gewisse Punkte darauf hätten hindeuten können. „Wir haben uns auch gefragt: Wäre uns das aufgefallen?“ Die Kollegen seien nachts im Haus gewesen, hätten danach aber nicht über Beschwerden geklagt. Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung könne sich auch über Stunden entwickeln. Ob später bei diesen Feuerwehrleuten Kohlenmonoxid im Blut festgestellt wurde, konnte der Sprecher nicht sagen. Erst nach der Klärung der Unglücksursache sollten die Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren. Am Dienstag waren der vor allem betroffene viergeschossige Altbau und ein benachbartes Mehrfamilienhaus evakuiert worden.

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