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Mehr Wohnungseinbrüche : Hamburg gründet Soko gegen Einbecher

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Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hamburg nimmt zu. Die Polizei hat darum eine Sonderkommission aufgestellt und fordert die Bürger auf, ihre Häuser zu sichern.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2015 | 16:33 Uhr

Hamburg | Mit einer neuen Sonderkommission will die Hamburger Polizei der wachsenden Einbruchskriminalität Herr werden. Ziel der Besonderen Aufbauorganisation Castle - so der offizielle Name - sei, die Hansestadt für Einbrecher unattraktiv zu machen, sagte die Leiterin der Soko, Kriminaloberrätin Alexandra Klein, am Freitag. „My home is my castle und nicht das der Täter“, fügte sie in Anspielung auf den Namen der Einheit hinzu. „Mein Heim ist mein Schloss“, also. Rund 90 Beamte sollen der Kommission angehören. Seit Anfang August gab es bereits erste Einsätze, zu denen Klein aber noch nichts sagen wollte.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hamburg um 8,2 Prozent auf 7490 Taten gestiegen. Die Aufklärungsquote betrug laut Kriminalstatistik 8,3 Prozent. Die Polizei ermittelte 504 Tatverdächtige. 153 davon waren unter 21 Jahre alt. Insgesamt kamen 310 (61,5 Prozent) der Tatverdächtigen nicht aus Deutschland. Das macht gut 4,1 Prozent aller erfassten Straftaten aus. Bis 2010 war noch der Anteil der deutschen Tatverdächtigen höher. Woher die Verdächtigen genau kamen und ob es sich um Männer oder Frauen handelte, wurde in der Statistik nicht erfasst.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer rief die Bürger zur Zusammenarbeit auf. Bei verdächtigen Beobachtungen sollten sie unverzüglich die Polizei über 110 rufen. Die Hamburger sollten es Einbrechern auch nicht zu leicht machen. Zu oft stünden Fenster auf Kipp oder würden Haus- und Wohnungstüren nicht abgeschlossen.

Der Vize-Chef des Landeskriminalamts, Bernd Schulz-Eckhardt, nannte jüngste Beispiele für solche Arglosigkeit: In Wandsbek kamen Täter in das erste Obergeschoss eines Einfamilienhauses, weil im Garten eine Leiter lag. In Bergedorf gelangten Einbrecher auf die gleiche Weise auf den Balkon eines Mehrfamilienhauses. In Harburg konnten Kriminelle die nicht verschlossene Tür eines Doppelhauses ganz schnell mit einem Plastikkärtchen, einem sogenannten Flipper, öffnen.

Eine sichtbare mechanische Sicherung müsse einem Einbruchsversuch mindestens fünf Minuten standhalten. „Denn unsere Erfahrung ist, dass der Täter nach drei bis fünf Minuten aufgibt“, sagte Schulz-Eckhardt.

Es gebe viele Möglichkeiten, seine eigenen vier Wände zu schützen, ergänzte Klein. Die Soko-Chefin räumte aber auch ein: „Der maximale Schutz würde einem Leben unter einer Glocke gleichen. Das würde dem Täter den Einbruch natürlich absolut erschweren. Aber wollen Sie unter einer Glocke leben, in einem Käfig, in einer Art Wertschrank, in dem wir uns eingesperrt fühlen?“ Es werde also immer irgendwo eine Sicherheitslücke geben.

Die Sonderkommission werde den Einbrechern auf der Spur bleiben, schon wenn sie Tatorte auskundschafteten, einen Einbruch begingen oder unterzutauchen versuchten. Sie betonte zugleich: „Es gibt nicht den Täter, es gibt nicht die Tätergruppe.“ Es sei aber bekannt, dass eine geringe Anzahl von Tätern für eine Vielzahl von Taten verantwortlich sei.

Es gehe nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern um eine Weiterentwicklung der bisherigen Erfahrungen, sagte Polizeipräsident Meyer zur Arbeitsweise der Sonderkommission. Es werde eine enge Kooperation mit der Schutz- und Kriminalpolizei geben.

Besonders in der dunklen Zeit schlagen Einbrecher zu, wie Polizeisprecher Timo Zill sagte. Dass die Urlaubszeit Hochsaison für die Kriminellen sei, bezeichnete er dagegen als Legende.

Die oppositionelle CDU kritisierte, dass für den Aufbau der Sonderkommission spezialisierte Beamte aus den Polizeikommissariaten in den Stadtteilen abgezogen wurden. „Dieser Schuss wird nach hinten losgehen und ein noch größeres Loch in die ohnehin schon geschwächte lokale Kriminalitätsbekämpfung reißen“, meinte der innenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dennis Gladiator. Er forderte die Nachbesetzung der 40 freien Zivilfahnderstellen in Hamburg.

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