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Bewerbung für Olympia 2024 : Hamburg gegen Berlin: Pokern um Milliardenkosten

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Hamburg setzt auf mehr als sechs Milliarden Euro vom Bund – in Berlin sieht man im Hamburger Finanzentwurf noch keine Einigung. Doch an den Plan hatte Olaf Scholz die Bewerbung der Hansestadt geknüpft.

Hamburg | Ob Pokern jemals olympisch wird, bleibt offen. Doch auch so muss Hamburg um seinen Finanzplan für die Olympischen Spiele 2024 zocken. Der Gegner heißt der Bund und der zeigt sein Pokerface. In Berlin nimmt man den Milliardenentwurf für das Sportereignis lediglich „zur Kenntnis“. Im Polit-Deutsch ist diese kühle Aussage kein gutes Zeichen. „Die Bundesregierung hat von Anfang an signalisiert, sich bei der Finanzierung der Olympiakosten zu beteiligen“, heißt es dazu nüchtern von einer Sprecherin des Bundesinnenministeriums. „In den bisherigen Gesprächen wurden Hamburg großzügige Angebote des Bundes unterbreitet, die weit über die in der Vergangenheit zugesagten Beteiligungen hinausgingen. Eine Einigung konnte bisher noch nicht erreicht werden, die Gespräche zwischen Bund und Hamburg laufen weiter.“ Soll heißen: Der Hamburger Entwurf ist nicht das letzte Wort.

Deutschland will sich mit Hamburg für Olympia 2024 bewerben - das steht seit dem 17. März 2015 fest. Zentrum des Sportspektakels soll eine „Olympic City“ auf einer Elbinsel, dem Kleinen Grasbrook, werden. Wettbewerbe sollen aber auch im Umland ausgetragen werden. Die IOC-Session wählt erst im Sommer 2017 in Lima/Peru die Olympia-Stadt für die Sommerspiele 2024. Weitere Kandidaten sind Los Angeles, Budapest, Paris und Rom.

Das findet man in Hamburg schon. Dort hat Bürgermeister Olaf Scholz den Finanzplan mit großem Enthusiasmus vorgestellt. „Das sind die am besten durchgerechneten Olympischen Spiele“, sagte Scholz stolz. Man habe sehr ehrlich gerechnet, lieber mehr als weniger eingeplant und alles transparent aufgeführt. Ein Finanzdesaster, wie es Großereignisse sonst gern nach sich ziehen, möchte man in jedem Fall vermeiden. Und die Schuldenbremse darf auch nicht leiden. Eingeplant sind naturgemäß auch Steuergelder: 7,4 Millarden. Davon sollen nach Wunsch der Hanseaten 6,2 Milliarden Euro aus dem Topf des Bundes kommen. Dass Hamburg damit „nur“ die restlichen 1,2 Milliarden stemmen muss, dafür hätten die „Bürger die personifizierte Verantwortung“ in Form von Olaf Scholz. Das versprach der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes gegenüber der „Zeit“.

Mit seinem Entwurf hat Hamburgs Bürgermeister also bereits seinen Höchsteinsatz festgelegt. Im Umkehrschluss würde dies heißen: Scheitert der Hamburger Finanzplan, dann scheitert die gesamte Olympia-Bewerbung. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) meinte laut einem Bericht des Hamburger Abendblatts, nachdem Hamburg jetzt vorgelegt habe, müsse sich „der Bund erst einmal von diesem Schrecken erholen“ und schließlich entscheiden „ob olympische Spiele in Deutschland gewünscht sind oder nicht.“

Damit wird der Schwarze Peter nach Berlin verschoben, Hamburg lehnt sich derweil zurück. Man blicke entspannt nach Berlin, heißt es aus dem Senat. „Dem Hamburger Konzept kann der Bund vertrauen, es ist gut durchgerechnet“, so Senatssprecher Jörg Schmoll. „Auch zukünftige Preissteigerungen sind einbezogen. Und es bewegt sich im Rahmen der Kosten, die auch andere Nationalstaaten für die Olympischen und Paralympischen Spiele aufgewandt haben.“ Der Bund werde sich den Finanzreport genau ansehen und mit Sicherheit noch die eine oder andere Frage stellen. „Dafür steht ausreichend Zeit zur Verfügung: Im Februar müssen Hamburg und der DOSB die erste Unterlage beim IOC abgeben.“

Ohnehin steht zunächst das in jedem Fall fällige Referendum an: Die Hamburger Bürger können am 29. November damit die Olympia-Bestrebungen von heute auf morgen stoppen. Und das geht auch, wenn zu viele nicht zur Wahl gehen. Ein wenig Zeit zum Pokern gibt es ja noch: Erst im kommenden Jahr müssen die offiziellen Bewerbungsunterlagen eingereicht werden.

Den Mindesteinsatz hat Hamburg bereits gespielt: Die Bewerbung hat bis jetzt rund 4,6 Millionen Euro gekostet. Die Kosten für das Referendum sind darin noch nicht enthalten.

Wie es jetzt weiter gehen könnte.

Fall 1: Berlin zahlt mehr

Ob aus Berlin bereits das Schlusswort gesprochen wurde, ist nicht sicher. Der Innenminister selbst hat sich noch nicht geäußert. Sein Ministerium hatte bislang wenig Zeit, die Hamburger Pläne durchzuchecken. Der Bund steckt in den Olympia-Planungen allerdings schon drin, ein Scheitern wäre eine herbe Niederlage.

Fall 2: Hamburg zahlt mehr

Das Wort des Bürgermeisters steht – und darauf setzt Hamburg. Das weiß man im Senat und kann keinen Wortbruch riskieren.

Fall 3: Hamburg sagt nö

Wenn zwei sich streiten, entscheidet der Dritte. Während Hamburg und Berlin weiter pokern, ziehen die Bürger beim Referendum die Reißleine. Oder sie entscheiden sich, sich nicht zu entscheiden. Denn wenn zu wenig Hamburger am 29. November den Weg in ihr Wahllokal finden, gilt das auch wie ein nein.

Das Statistikamt Nord drückt das dann so aus: Das Quorum des Olympia-Referendums gilt als erreicht bei: mehr "JA"- als "NEIN"-Stimmen und mindestens 259.883 Abstimmungsberechtigte (=20% der Wahlberechtigten zur Bürgerschaftswahl 2015) müssen mit "JA"-stimmen.

Fall 4: Ein wundersamer Goldtopf

Ein unbekannter Sponsor, eine abstruse EU-Subvention, die WC-Armaturen aus der Elbphilharmonie versteigern oder Crowdfunding – der Hanseat an sich ist ein guter Geschäftsmann. Vielleicht sind noch nicht alle Hähne angezapft.

 
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erstellt am 16.Okt.2015 | 17:46 Uhr

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