100.000 Dauerteilnehmer : Hamburg freut sich auf den Kirchentag

So schön ist das Gesicht des Kirchentages: Unsere Itzehoer Redakteurin Kristina Röhrs (33) steht Pate für die Plakat-Kampagne.
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So schön ist das Gesicht des Kirchentages: Unsere Itzehoer Redakteurin Kristina Röhrs (33) steht Pate für die Plakat-Kampagne.

Am 1. Mai beginnt in Hamburg der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag. Für die Veranstalter ist er eine logistische Herausforderung.

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20. April 2013, 11:34 Uhr

Hamburg | An den Straßenecken spielen Posaunenchöre. Vor dem Michel sitzen Pfadfinder mit einer Gitarre, und ganz Hamburg ist überfüllt mit Menschen, die einen lässig im Wind flatternden blauen Schal um den Hals, an der Hüfte oder der Tasche tragen. So könnte es aussehen, wenn am Abend des 1. Mai der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag unter dem Motto "Soviel Du brauchst" mit Gottesdiensten und einem bunten, von der Nordkirche ausgerichteten "Abend der Begegnung" in der Hansestadt beginnt.

So ähnlich zumindest sah es in Dresden aus, wo zuletzt vor zwei Jahren der Kirchentag stattfand. Und viele der Besucher, die damals mit dabei waren, werden auch nach Hamburg reisen. Über 100.000 Dauerteilnehmer haben sich bereits angemeldet - im Vorfeld der letzten Kirchentage waren es teils deutlich weniger. In Sonderzügen, Bussen und auf Schiffen fahren sie zum Christentreffen, das seit 1949 alle zwei Jahre in einer deutschen Großstadt stattfindet.

620 Seiten starkes Programmbuch

"Drei Schwerpunkte werden wir setzen: Verantwortungsvolles Wirtschaften, friedvolles Zusammenleben der Religionen und Kulturen und Teilhabe aller Menschen in dieser Gesellschaft", sagte Kirchentagspräsident Gerhard Robbers bei der Vorstellung des 620 Seiten starken Programmbuchs des Hamburger Kirchentags im Februar. Wie in den vergangenen Jahren bietet der Kirchentag dabei ein buntes Kaleidoskop der deutschen Kirchenlandschaft: Der verunglückte Wetten-Dass-Kandidat Samuel Koch wird mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck darüber diskutieren, was eine starke Gesellschaft braucht und aushält. Der unumstrittene Star der Kirchentagsszene, die frühere Bischöfin Margot Käßmann, wird eine Bibelarbeit halten und an Podiumsdiskussionen teilnehmen, die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs allerdings hält als "Lokalmatadorin" mit zwölf Veranstaltungen den Rekord. Eine Podiumsdiskussion zu "Homosexualität und Fußball" wird es ebenso geben, wie einen Hauptvortrag des Unternehmers Michael Otto zur Frage: "Brauchen wir mehr Ethik in der Wirtschaft?"

Und auch zahlreiche Politiker werden am Kirchentag teilnehmen. Denn in einem Wahlkampfjahr sind 100.000 politisch interessierte Christenmenschen ein dankbares Wahlkampfforum: Wenn Angela Merkel über die "Schöpfung in der globalisierten Welt" diskutiert und Peer Steinbrück an einem Podium über "Soziale Marktwirtschaft im Griff der Finanzmärkte" mitwirkt, können sie sich einer interessierten Zuhörerschaft gewiss sein.

Kirchentag ist politisch vielfältiger geworden

Wie überhaupt der Kirchentag politisch vielfältiger geworden ist: 1981 wurde der damalige Bundesverteidigungsminister Hans Apel (SPD) von friedensbewegten Besuchern des Christentreffens noch mit Tomaten beworfen. Heute dagegen gehört der Amtsinhaber Thomas de Maiziere (CDU) zum Präsidium, dem Veranstaltungskomitee des Kirchentags. Und seine Diskussion mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr war einer der Höhepunkte des Dresdener Kirchentags 2011.

Vor allem aber ist der Kirchentag in den letzten Jahren spiritueller geworden: Die Zahl der Gottesdienste wächst von Veranstaltung zu Veranstaltung, und der Abendsegen im Schein zahlloser Kerzen ist mittlerweile zu einem festen Programmbestandteil nicht nur des Eröffnungstags geworden.

Weltoffenheit in der Metropole

Da überrascht es nicht, dass in der Nordkirche Vorfreude herrscht. "Ich freue mich sehr auf den Kirchentag, auf interessante Begegnungen und spüre bei vielen evangelischen Christen schon jetzt große Begeisterung", sagte der leitende Bischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich. Immerhin ist das Christentreffen die bislang größte Veranstaltung in der Geschichte der noch jungen Kirche.

Allein beim Abend der Begegnung seien 3000 Frauen und Männer aus der gesamten Landeskirche an mehr als 300 Ständen und Bühnen als Gastgeber im Einsatz, so Ulrich. "Und Hamburg leistet hier Großartiges für unsere Gäste aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern: 12.000 Betten in Privatquartieren und mehr als 50.000 Schlafplätze in Gemeinschaftsquartieren, die von Menschen aus Hamburger Kirchengemeinden betreut werden, sind eindrucksvoller Beleg für die Weltoffenheit in der Metropole unserer Nordkirche."

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