Schüler mit schlechter Rechtschreibung : Hamburg: Basiswortschatz Deutsch wird Pflicht

„Der Man sprang bei Fluht ins Bot“: Solche Sätze möchte der Senat in Hamburg nicht mehr lesen. Im bundesweiten Vergleich stehen die Schüler der Hansestadt bei der Rechtschreibung auf einem Abstiegsplatz.

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05. Juni 2014, 13:31 Uhr

Hamburg | Bei der Rechtschreibung machen es Hamburgs Schüler dem HSV nach – sie sind stark abstiegsgefährdet. Platz 14 unter 16 Bundesländern, allein die Kinder in Bremen und Berlin machen bei Vergleichstests noch mehr Fehler. Schulsenator Ties Rabe (SPD) mag das nicht länger mit ansehen. Er zieht die Reißleine und hat den Grundschülern gestern einen „Basiswortschatz Deutsch“ verordnet. 785 Wörter und Wortgruppen sollen die Kinder künftig bis zum Ende der vierten Klasse „sicher beherrschen“. Rabe: „Rechtschreibung ist eine der zentralen Kernkompetenzen, die unsere Schulen vermitteln müssen.“

In den 80er und 90er Jahren habe es einen regelrechten „Verfall“ der Rechtschreibung gegeben, so Rabe. Tatsächlich klagen Ausbildungsbetriebe über Lehrstellenbewerber mit großen Wissenslücken. Moderne Kommunikation über SMS und E-Mail mache korrekte Orthografie keinesfalls überflüssig, warnte der Senator. „Im Gegenteil. Die Verschriftlichung bleibt wichtig.“

Ihre Antwort auf die Misere hat die Hansestadt in Bayern gefunden. Dort müssen Grundschüler schon länger einen etwa 700 Wörter umfassenden Grundwortschatz beherrschen. Rabe: „Warum sollen wir nicht von denen lernen, wenn sie besser sind?“ Allerdings hat Hamburg dem bayerischen Paket regionaltypische Wörter des Nordens hinzugefügt, darunter „Ebbe“, „Flut“, „Schiff“ und „Sonnabend“. Auch „schreibwichtige“ Wörter wie „Fahrrad“ und „Fußball“ müssen Mädchen und Jungen an der Elbe unfallfrei niederschreiben können. Gestrichen wurden überdies kaum noch gebrauchte Bezeichnungen wie „Diskette“ und „Fröhlichkeit“.

Mit seiner Rechtschreib-Offensive erteilt der Senator vor allem dem Konzept „Lesen durch Schreiben“ eine endgültige Absage. Dabei dürfen die Grundschüler in den ersten Klassen nach Gehör schreiben, ohne dass Lehrer und Eltern die Fehler korrigieren. Rabe: „Richtiges Schreiben ist von Anfang an wichtig, nicht erst nach zwei Jahren.“

Der Hamburger Katalog beinhaltet die am häufigsten gebrauchten Wörter (wie „und“, „der“, „die“, „das“, „ich“, „Kind“), aber auch alle Wochentage, Monate und Zahlen bis zwölf. Dazu gehören zudem Begriffe, an denen sich Rechtschreibregeln beispielhaft erlernen lassen, etwa das Dehnungs-H wie in „Lohn“. Auch Fehler-Klassiker der Grundschulzeit gehören dazu. Unter anderem die Unterscheidung von „ß“ und „ss“ sowie die kniffligen Fälle aus dem Bereich Doppel- oder Einfachlaute, wie „das Boot“, aber „er bot“.

Verbindlich wird die Regelung ab dem Schuljahr 2015/2016. Die Lehrer der 203 Hamburger Grundschulen erhalten aber schon jetzt den Basiswortschatz. Zudem sollen sie mit Fortbildungen auf die Vermittlung der Basiswörter vorbereitet werden. Jede Schule kann nach eigenem Gutdünken bis zu 50 Prozent weiterer Wörter hinzufügen. Den Erfolg der Umstellung will Rabe durch strengere Rechtschreibkontrollen überprüfen.

>Die Liste mit dem Basiswortschatz

finden Sie unter http://bit.ly/1nexq9e

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