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Hassprediger Pierre Vogel : Hamburg: Alarm vor Salafisten-Treffen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hassprediger um den Top-Salafisten Pierre Vogel rufen trotz Verbots zu Versammlungen in Hamburg auf. Auch Schleswig-Holstein steht auf der Wunschliste für Open-Air-Predigten.

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2015 | 07:00 Uhr

Hamburg/Kiel | Nervenkrieg um den Auftritt mehrerer islamistischer Hass-Prediger in Hamburg: Trotz Verbots durch die Polizei wollen Top-Salafist Pierre Vogel und andere Prediger am morgigen Sonntag in der Hansestadt auftreten. Das bereits zweite Veranstaltungsverbot durch die Polizei konterte Vogel gestern mit der Ankündigung: „Höchstwahrscheinlich wird es am Sonntag einige Open-Air-Vorträge in Hamburg geben.“ Das Verbot einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt hat das Verwaltungsgericht bestätigt. Die öffentliche Sicherheit wäre sonst „unmittelbar gefährdet“, teilte das Gericht in der Nacht zum Samstag nach einem Eilverfahren mit.

Die Polizei ist in Alarmbereitschaft, auch weil mehrere Gruppen Gegendemonstrationen angekündigt haben. Darunter der radikale Verein „Gemeinsam stark“, eine Abspaltung der „Hooligans gegen Salafisten“-Bewegung, was wiederum linke Gruppen auf den Plan ruft.

Polizeipräsident Ralf Meyer warnte die Prediger und ihre Anhänger davor, sich der Verbotsanordnung zu widersetzen. „Ich rate dringend davon ab, Aufrufen zu derartigen Versammlungen in Hamburg zu folgen! Wir werden jede Ersatzveranstaltung mit entsprechender Polizeipräsenz konsequent unterbinden.“ Die Polizei hatte gestern Nachmittag eine für den Rathausmarkt vorgesehene Versammlung untersagt. Die ganztägige Veranstaltung, so Meyer, sei von einer „Einzelperson aus dem salafistisch-jihadistisch geprägten Umfeld“ angemeldet worden. Der Staatsschutz begründete die Absage mit Erkenntnissen, „dass der Veranstalter Ansichten vertritt oder Äußerungen dulden wird, die von strafrechtlicher Relevanz sind“. Das Verbot umfasst auch jede Ersatzveranstaltung.

Bereits am Donnerstag hatte die Polizei mit derselben Begründung eine ebenfalls für Sonntag angekündigte „Gala in Hamburg für die Ummah (Gemeinschaft der Gläubigen)“ verboten. Bei dem Treffen sei unter anderem von einer Unterstützung der Terrororganisation „Islamischer Staat“ auszugehen. Die Salafisten-Gala war in einem Hochzeitssaal in Jenfeld angekündigt. Dabei sollten neben Pierre Vogel weitere namhafte Prediger auftreten. Darunter Sven Lau, alias Abu Adam, der in Wuppertal eine Scharia-Polizei einführen wollte.

Unterstützung durch Polizeikräfte aus Schleswig-Holstein sei von den Hamburgern nicht angefordert worden, sagt Lothar Gahrmann, Sprecher des Landespolizeiamt. „Es gibt auch keine Erkenntnisse, dass die Salafisten wegen des Verbots der Veranstaltung nach Schleswig-Holstein ausweichen wollen“, erklärte ein Sprecher des Verfassungsschutzes.

Vogel selbst würde allerdings gerne in Schleswig-Holstein predigen. Flensburg, Kiel und Lübeck stehen auf seiner Wunschliste mit insgesamt 33 Städten. Dazu bittet er um Einladungen. „Wenn du möchtest, dass die Worte Allahs verkündet werden, dann schicke uns eine Einladung und teile uns mit, für welche Stadt du die Verantwortung übernehmen möchtest“, schreibt Vogel in seinem Blog. Laut Kieler Verfassungsschutz hat die Szene im Norden das Angebot bislang aber „nicht ernsthaft verfolgt.“

Die Salafisten in Schleswig-Holstein haben ihr eigenes Netzwerk. Zentrale Figur ist Salim O. aus Pinneberg. Die Staatsanwaltschaft Hamburg wirft ihm vor, junge Männer bei der Ausreise nach Syrien unterstützt zu haben – auch mit Geld. Gemeinsam mit vier weiteren Salafisten aus Schleswig-Holstein wird Salim O. demnächst vor dem Landgericht Hamburg stehen. Sie sollen die 2012 verbotene Vereinigung „Millatu Ibrahim“, die junge Menschen radikalisiert, im Untergrund fortgeführt haben. 23 Schleswig-Holsteiner sind nach Syrien gereist. Sechs wurden getötet, neun sind zurückgekehrt. „Es gibt aber keine Hinweise, dass sie Kampferfahrung gesammelt haben“, heißt es beim Verfassungsschutz.

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